Zürichs schwimmendem Restaurant droht das Aus
Von Denise Marquard. Aktualisiert am 09.02.2010 10 Kommentare
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Pier 7, das ist ein kleines, schwimmendes Restaurant mit Bootshäuschen vor der Riviera beim Bellevue. Am 5. März wird es nach der Winterpause wieder eröffnet, vielleicht für die letzte Saison, denn so wie es aussieht, soll die beliebte Beiz bis Ende Jahr verschwinden. Stattdessen ist dort ein neues Bootshäuschen samt städtisch verordnetem Dächlikappen-Look geplant. Dagegen regt sich Widerstand. Ein Komitee pro Pier 7 will Unterschriften sammeln. FDP-Stadtratskandidat Urs Egger hat sogar eine Petition eingereicht.
Die Betreiber von Pier 7 können den Entscheid nicht verstehen. «Es ist gar nicht sanierungsbedürftig», sagt Urs Lienhard. Und es ist zudem mehr als eine beliebte Beiz mit einmaliger Postkartenidylle. Pier 7 ist auch eine Bootsvermietung auf der Limmat, eine Tankstelle, eine Fahrschule, der Fahrgastbetrieb der MS Riviera und die Vermietung von Bootsliegeplätzen. Die Betreiber, Urs Lienhard und Marc Lindenmann, haben in den letzten zehn Jahren ihren Betrieb kontinuierlich ausgebaut: «Ich habe mehrere Hunderttausend Franken in den Ausbau investiert. Auch die Stadt hat Geld reingesteckt», sagt Lienhard. «Jetzt, wo dieser Kleinbetrieb endlich rentiert, soll das Lokal geschlossen werden? Das verstehe ich nicht.»
Doppelt so gross wie die andern
Dass das Bootshäuschen einem Neubau weichen soll, wussten die beiden Betreiber schon länger. Aber erst im letzten Jahr erreichte sie die Hiobsbotschaft, dass es einen Neubau ohne Restaurant geben würde. Die Delegation für stadträumliche Fragen kam zum Schluss, dass das Bootshäuschen mit Restaurant zu gross geworden wäre und daher nicht mehr ins Stadtbild passen würde. Als weiteren Grund nennt Marc Huber von der städtischen Immobilienbewirtschaftung die Kosten: «Eine Refinanzierung der Investitionen für ein Restaurant wäre über die Miete nicht möglich gewesen», sagt er. Und schliesslich kommt die Stadt zum Schluss, dass es am Bellevue kein Bedarf für zusätzliche Gaststätten gibt. Das kann man freilich auch anders sehen: Als an der FussballEM im Quaibecken ein zusätzliches Restaurant auf einem Floss betrieben wurde, konnte es sich vor Besuchern kaum retten.
Das Pier 7 wird auch von den Profis sehr geschätzt. Frank Bumann, Direktor von Zürich Tourismus, schickt immer wieder Leute dorthin und lobt das kleine, aber feine Lokal in den höchsten Tönen. «Gerade als schwimmendes Restaurant ist es bei den Touristen äusserst beliebt», sagt er und fügt hinzu: «Ich würde das Fehlen dieses Standortes ausserordentlich bedauern.»
Ungeliebte Dächlikappen
Doch die Stadt besteht auf dem Einheitslook aus Stahl, Glas und Dächlikappe. Drei solcher Häuschen schwimmen am Utoquai, am Seefeldquai und in der Enge. Der Applaus des Zürcher Publikums hält sich in Grenzen. Die Dächlikappen-Häuschen gelten als sehr teuer und sehr hässlich. Immerhin bietet der Stadtrat Hand zu einem Kompromiss: Um einen Ganzjahresbetrieb für das Vergnügungsschiff MS Riviera zu ermöglichen, soll der Neubau mit einer Küche ausgestattet werden. Deshalb würde auch eine zusätzliche Toilette nötig. Weiter kommt der Einbau einer Heizung hinzu. Zum Vergleich: Das kleinere Bootshäuschen in der Enge kam auf 1,4 Millionen Franken zu stehen. Die Stadt rechnet mit rund 50 Prozent Mehrkosten gegenüber einem Standard-Bootshäuschen. Da der Anteil der neuen Kosten am Projekt wahrscheinlich mehr als zwei Millionen Franken beträgt, wird der Gemeinderat darüber befinden. Das erhöht die Lebenschance von Pier 7 gewaltig.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 04:00 Uhr
10 KOMMENTARE
Dies beweisst, dass der Linke Stadtrat unnötig Geld verschwendet und erst noch Arbeitsplätze vernichtet. Diese Politik ist nicht auszuhalten!
Wann merken die Wähler von Zürich entlich, das gewisse Politiker gerne sich ein Denkmal erschaffen möchten und das auf Kosten von allen. Ich denke es sollte gutes erhalten bleiben und nicht aus langer Weile zerstört werden. Wiso muss man belibtes zerstören und vernichten für solches nicht ansehnliche man sagt dem auch noch Architektur !!!!!! Lasst schönes stehen und Leben.
Ich finde auch, dass etwas mehr Vielfalt bei Bauten wie Marronihäuschen und diesen schwimmenden Bootsvermietungsstellen der Stadt gut täte. Diese Einheitskombinen sind absolut steril - und obendrein hässlich. Wenn schon einheitlich, dann doch bitte von einer Aesthetin entworfen, die in dei Einheit noch ein bisschen Abwechslung zaubert. DANKE!
Die Stadt hat eine Verantwortung für die Ästhetik im öffentlichen Raum; aber muss es immer gleich eine dirigistische Lösung sein. Braucht es immer Einheits-Marronihäuschen und Standard-Designtoiletten? Und müssen bei knappen Staatskassen sofort Luxuslösungen her, die gleichzeitig private Investitionen vernichten? Sicher nicht! Daher werde ich die Petition von Urs Egger unterschreiben.
Bezüglich der Ästhetik im öffentlichen Raum habe ich entschieden mehr Vertauen in die zuständigen Behörden als in die Privaten. Würde man letztere einfach nach deren Gusto walten lassen, so hätten wir durch die Verkommerzialisierung innert kurzer Zeit die schönsten öffentlichen Räume verschandelt. (Z.B. durch Coca-Cola-Schirme/-Stühle etc. entlang des Limmatquais, was zum Glück nicht erlaubt ist.)
Wieso reissen wir nicht gleich alles alte wie Grossmünster, St. Peter etc. ab und schaffen einen sterilen moderenen nicht gewollten Einheitsbrei, damit sich die Städteplaner gegenseitig auf die Schulter klopfen können bevor sie von der Bevölkerung gesteinigt werden.
Wann wird dieser Wahnsinn endlich gestoppt. Diese selbsternannten Stadtbildgestalter und Vereinheitlicher müssen endlich gebremst werden! Verbrennen Millionen für nichts!
Bei meinem Ferienbesuch war ich im dem sehr originellen Pier 7 . Für Zürich ist es etwas besonderes und nun lese ich mit Entsetzen, dass es geschlossen werden sollte. Bravo ihr Neider !!! Nur noch weiter mit Rot - Grün ....
Unglaublich, was sich diese Stadt für Schildbürgerstreiche leistet. Offensichtlich hat man trotz Rezession immer noch viel zu viel Geld für solche Hirngespinste irgendwelcher durchgeknallter Beamten. Und dass ein Restaurant nicht mehr rentieren würde, liegt einzig daran, dass die Stadt geschätzte 100% teurer bauen lässt als Private. (Die Tramstation lässt grüssen!)
Schade und schon wieder einmal will unsere geliebte Stadt Zürich in das "Fettnäpfchen" tretten. Wie schon mit der feinen wunderschönen Weihnachtsbeleuchtung. Ich hoffe dass man sich im Stadtrat langsam auf die wahren Schöhnheiten der Stadt Zürich besinnt.
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