Demo gegen Stellenabbau beim Tagi

Am Dienstag haben rund 150 Personen, zumeist Angestellte, gegen die bevorstehenden Entlassungen beim «Tages- Anzeiger» demonstriert.

Daniel Suter, Präsident der Personalkommission des Tages-Anzeigers, begründet die Demo gegen die Massenentlassung auf der Tagi-Redaktion. (Video: Simon Eppenberger und Roman Weber)

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Die Kundgebung fand über Mittag vor dem Hauptgebäude der Tamedia an der Werdstrasse statt. Schon am Morgen hatten Redaktorinnen und Redaktoren in Zürich Flugblätter mit dem Titel «Tamedia entlässt ein Viertel der TA-Redaktion» an Passanten verteilt. Darin kritisiert die TA-Personalkommission (Peko) die «massive Amputation», welche sich weder mit der allgemeinen Rezession noch mit den Entwicklungen in der Medienbranche begründen lasse. Die Tamedia betreibe «ohne Not einen Stellenabbau auf Vorrat», vergrössere damit lediglich «den Profit ihrer Eigentümer» und setze die Glaubwürdigkeit der Zeitung aufs Spiel.

Am 14. Mai hatte die Tamedia den bevorstehenden Abbau von 50 Vollzeitstellen beim «Tages-Anzeiger» aus wirtschaftlichen Gründen bekannt gegeben. Gleichzeitig begann das bei Massenentlassungen vorgeschriebene Konsultationsverfahren. Die Peko hatte bis gestern Zeit, Vorschläge zur Verhinderung von Kündigungen oder zur Minderung von deren Folgen einzureichen. Über das Ergebnis ist noch nichts bekannt. Die Aufgabe sei massiv erschwert worden, weil man die Anzahl der vom Abbau betroffenen festen und freien Mitarbeitenden nach wie vor nicht kenne, sagte ein Sprecher der Peko. Befürchtet werden bis zu 80 Kündigungen.

Nicht im Hauruckverfahren

Laut Peko darf der «wirtschaftlich bedingte Wandel dieser bedeutenden Tageszeitung nicht im Hauruckverfahren vollzogen werden». Sie verlangt von der Unternehmensleitung, dass sie «für eine angemessene Übergangsfrist von mindestens zwei Jahren» rote Zahlen beim TA in Kauf nimmt, dass sie weniger Leute als geplant entlässt, die Kündigungen gestaffelt ausgesprochen werden und auch Kurzarbeit als Option geprüft wird. Weitere Rednerinnen beklagten, die Redaktion wisse nicht, was Verlag und Chefredaktion mit der Zeitung vorhätten. Eine Delegation der Grünen forderte auf Transparenten «einen besseren Tagi statt mehr gehetzte Schreibe». Die SP der Stadt Zürich verurteilte in einem Communiqué die bevorstehende Massenentlassung als «in hohem Mass unverantwortlich». Dadurch leide «das Ansehen und die moralische Integrität der Marke 'Tages-Anzeiger' enorm». Das Management und die Eigentümerfamilien müssten sich ihrer sozialen Verantwortung stellen.

Laut Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer hat der «Tages-Anzeiger» in den letzten zehn Jahren rund ein Drittel seiner Leserschaft und 40 Prozent der Werbeerträge verloren. In dieser Zeit seien die Redaktionskosten konstant geblieben. Die Zeitung habe «kein konjunkturelles Problem, sondern ein strukturelles»; Kurzarbeit sei deshalb keine Lösung. Der TA werde «2009 und 2010 trotz der Abbaumassnahmen rote Zahlen schreiben». Die Unternehmensleitung lege Wert darauf, dass sich jedes Verlagsprodukt mittelfristig selber finanziere. Was den Sozialplan betreffe, werde ab nächster Woche mit der Peko und den Gewerkschaften verhandelt. Man strebe «eine faire Vereinbarung an».

Gestern wurde auch beim «Bund» demonstriert. Die Tamedia will bei ihrem Berner Tochterblatt 19 der insgesamt 54 Vollzeitstellen streichen. TA und «Bund» sollen künftig enger zusammenarbeiten. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 26.05.2009, 21:37 Uhr)

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