Tapetenwechsel bei der Baumuster-Centrale

Die Schweizer Baumuster- Centrale, 1935 gegründet, erhält erstmals ernsthaft Konkurrenz. Eine neue Strategie soll das Überleben sichern helfen.

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Werner Rüegger ist seit Anfang Jahr Leiter der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich (SBCZ). Zufrieden blickt der gelernte Architekt aus einem Schaufenster an der Talstrasse 9, nahe des Paradeplatzes. Vor Rüeggers Augen rauschen fast im Minutentakt Lamborghinis, Ferraris und Bentleys vorbei. Jeder Fahrer ist ein potenzieller SBCZ-Kunde – wer ein teures Auto fährt, will auch in einem schicken Heim wohnen. Und an der Talstrasse sind hochwertige Muster von Bodenplatten, Fenstern, Armaturen, Wannen und Küchen zu sehen.

Das alte Image entstauben

Die Architekten dieser betuchten Klientel will Rüegger dank einer Neuausrichtung der Baumuster-Centrale erreichen. Von einem Paradigmenwechsel ist die Rede. «Die neue Centrale soll klein, aber fein sein», sagt Rüegger. Die SBCZ hat in der Vergangenheit Staub angesetzt, und ihr Image hat dadurch gelitten. Schlechte architektonische Entwürfe seien während seines Studiums mit «Das sieht aus wie in einer Baumusterzentrale» abqualifiziert worden, erinnert sich Rüegger.

Jetzt will er die Baumuster-Centrale von einer reinen Ausstellung in eine Material- und Wissenssammlung umwandeln. Dieser Entscheid fiel nicht aus freien Stücken. Die SBCZ reagiert damit auf die heranwachsende Konkurrenz in Volketswil. Auf einer Fläche von 30’000 Quadratmetern nimmt in einem Jahr die Bauarena ihren Betrieb auf. Dagegen wirkt die Baumuster-Centrale, die ihre Fläche von 2400 auf 1800 Quadratmeter reduziert, klein. Sie muss sich darum eine Nische suchen.

Die Angebote der beiden Unternehmen sind ähnlich: Sowohl in der SBCZ wie auch in der Bauarena mieten Firmen rund um den Hausbau Flächen für ihre Ausstellungen. An der Talstrasse etwa kostet ein Quadratmeter 1050 Franken pro Jahr. Daneben müssen alle Aussteller noch Genossenschaftsanteile zeichnen. Ursprünglich hätte die SBCZ in die Bauarena nach Volketswil ziehen sollen, machte allerdings im Februar 2007 einen Rückzieher. Man wolle am «bewährten Standort im Herzen Zürichs» festhalten, der eine sehr gute Verkehrsanbindung habe, sagte der damalige Geschäftsführer. Ausserdem sei der Eröffnungszeitpunkt immer weiter hinausgeschoben worden.

Mittlerweile ist die Bauarena im Bau, einzig die Parkplatzkosten müssen noch wegen eines VCS-Rekurses geregelt werden. Rund 55 Prozent der Flächen seien vermietet, sagt Projektleiter Walter Schaerer. Er glaubt, dass es im Grossraum Zürich Platz für zwei Baumusterzentren gibt. Die Bauarena richtet sich vor allem an Leute mit Wohneigentum, die SBCZ an Architekten. «Jetzt findet eine Entflechtung statt», sagt Schaerer. Grössere Firmen würden wohl an beiden Standorten mit Produkten präsent sein. Die nächsten Wochen sind für die beiden Zentren entscheidend, weil in den Chefetagen die Ausstellungsbudgets gesprochen werden. Rüegger ist zuversichtlich, dass die Mieter bleiben werden: «Ich habe rund 120 Gespräche geführt, davon sind nur zwei negativ verlaufen.»

Ein Muster der Dolder-Fassade

Die Veränderungen an der Talstrasse schreiten voran. Ein Teil der 14 Schaufenster wurde schon leer geräumt, das Prospektlager und ein Büro wurden verschoben. Verstellte Oberlichter, abgehängte Decken und das rote Blechvordach müssen als Nächstes weichen. Der Parterre-Bereich soll zu einer öffentlich zugänglichen Loft werden, was an einem neu gestalteten Raum zu sehen ist. Er wird heute mit einer Ausstellung zum Thema Tapeten eröffnet.

Neu werden die Baumaterialien in eigens geschaffenen Korpussen gezeigt. Die Hersteller müssen sich verpflichten, immer die neusten Materialien und Muster auszustellen. Neben Produkten wie durchsichtigem Beton sind exklusiv auch Teile der Fassaden von Norman Fosters Dolder-Hotel und des SIA-Hochhauses zu sehen.

Tapetenwechsel, Ausstellung in der SBCZ, Talstrasse 9, 23. 9. 31. 10., Vernissage heute Dienstag ab 18 Uhr. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2008, 22:05 Uhr

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