Zürich
Taxifahrer polieren ihr Image auf
Von Martin Huber. Aktualisiert am 23.03.2010 5 Kommentare
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Heute Dienstagabend wird im Restaurant Markthalle im Kreis 5 die Interessengemeinschaft IG-Taxi aus der Taufe gehoben. Sie richtet sich vor allem an jene Chauffeure in Zürich, die keiner der grossen Vermittlungszentralen angeschlossen sind, wie Präsidentin Dolores Zanini im Einladungsbrief schreibt. Den Anliegen dieser Fahrer wolle man bei den Behörden mehr Gehör verschaffen.
«Unsere Ziele sehen wir vor allem in der Verbesserung des Services für die Kunden und in Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten», schreibt Zanini. Negative Medienberichte in den letzten Monaten hätten sie dazu bewogen, sich «intensiv für eine Image-Korrektur einzusetzen». Meldungen über schwarze Schafe im Zürcher Taxigewerbe, die Fahrgäste im Regen stehen liessen, weil ihnen die Fahrt zu wenig lukrativ war, oder die gar handgreiflich wurden, hatten die Branche aufgeschreckt.
Vorfälle online melden
Jetzt will die IG-Taxi Gegensteuer geben, wie Mitbegründerin Jacqueline Maresch sagt, die seit 46 Jahren Taxi fährt. Es gehe vor allem darum, das Gespräch mit möglichst vielen Chauffeuren zu suchen und sie für optimalen Service zu sensibilisieren. Dazu plant die IG monatliche Treffs, an denen Chauffeure Probleme besprechen. Zudem will sie Empfehlungen zur Qualitätssteigerung abgeben. Weiter richtet die IG eine Online-Plattform ein, auf der Kunden Probleme mit Taxifahrern melden können. Schwarze Schafe gelte es zur Rede zu stellen, notfalls müsse die Gewerbepolizei eingeschaltet werden. Daneben sieht sich die neue IG auch als Lobby der Stadttaxis im Kampf gegen Taxifahrer von auswärts. Wegen der Landtaxis aus umliegenden Ortschaften und Kantonen herrscht in der Zürcher Taxibranche seit längerem dicke Luft: weil diese Auswärtigen mit eingeschalteten Taxilampen («Guenern») in der Stadt unerlaubterweise nach Fahrgästen suchen. An Wochenenden sind laut Maresch gut und gerne 200 bis 300 solcher «wilder» Taxis unterwegs, die im Unterschied zu Zürcher Autos keine blau-weisse Dachlampen haben. Sogar aus Deutschland tauchten Taxis aus und schnappten, etwa vor Musikklubs, einheimischen Chauffeuren Kunden weg. Gegenüber auswärtigen Taxifahrern seien Zürcher Chauffeure diskriminiert, sagt Maresch. Denn Zürcher Chauffeure müssten sich an diverse Vorschriften halten, jährlich Gebühren für Standplätze zahlen, eine Prüfung in Stadtkunde ablegen und sich an vorgeschriebene Fahrpreise halten. All dies gelte für die Landtaxis nicht.
Die IG stösst sich auch an der Konzessionsvergabe der Stadt. Die «Endlosvergabe» von Taxi-Bewilligungen, oft an Arbeitslose und Fürsorgeempfänger, habe dazu geführt, dass viel zu viele Taxis unterwegs seien, kritisiert Maresch. In Zürich mit 360'000 Einwohnern gebe es 1700 Taxis, das seien 500 zu viel. «Der Markt regelt sich eben nicht selber», sagt sie. In Berlin mit 2 Millionen Einwohnern gebe es nur rund 2000 Taxis.
Stadt: «Freier Markt»
Bei der Stadtpolizei verweist Sprecher Marco Bisa auf die geltende Taxivorschrift, die grundsätzlich keine Beschränkung der Taxibetriebsbewilligung vorsieht. «Es herrscht freier Markt wie bei vielen anderen gewerblichen Betrieben auch.» Das Problem der Landtaxis sei bekannt, die Stadtpolizei führe regelmässig Kontrollen durch.
Die neue IG tritt in Konkurrenz zum 2003 gegründeten Taxiverband Zürich. «Wir wollen einen anderen Weg einschlagen», sagt Maresch, Streit gebe es keinen. Taxiverbandspräsidentin Marianne Ben Salah nimmt die Neugründung gelassen. Sie rechnet nicht mit Grabenkämpfen. die Ziele der beiden Organisationen seien sehr ähnlich: «Wir müssen alle am selben Strick ziehen, das Business ist hart genug.»
Remo Santi, Präsident der Taxikommission der Stadt Zürich, begrüsst «jede Bemühung, Qualität und Arbeitsbedingungen im Taxiwesen zu verbessern». Allerdings frage er sich, ob es dazu noch eine weitere Organisation braucht. Nötig wäre vielmehr eine Bündelung der Kräfte. Eine gewisse Entschärfung des Problems mit der Konkurrenz durch Landtaxis verspricht sich Santi von der neuen Taxiverordnung. Diese hat der Gemeinderat im letzten Sommer verabschiedet. Wegen Einsprachen aus dem Taxigewerbe ist sie aber noch blockiert.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.03.2010, 04:00 Uhr
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5 Kommentare
Freier Markt? Ein guter Witz! Zu einem freien Markt gehören grundsätzlich variable Preise, die sich dem Angebot und der Nachfrage anpassen. Den Chauffeuren scheint es viel zu gut zu gehen, wenn die Kunden mit Hund oder kurzen Fahrten einfach abgewiesen werden! Antworten
Ich gebe Herrn Müller recht. Scheinbar werden durch die viel zu hohen Taxipreise soviele neue Taxifahrer angelockt, dass der "Markt" übersättigt von Taxifahrern ist. Natürlich gut für die Kunden, sie finden rasch ein freies Taxi und man muss nicht so lange warten wie in anderen Städten. Dennoch, lieber etwas günstigere Preise, weniger Taxis, dafür Taxifahrer die mit diesem Verdienst leben können. Antworten
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