Zürich
Teure Mieten: Wincasa kündigt Mietern mit System
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 17.09.2010 29 Kommentare
Freundlicher Auftritt: Wincasa im Netz.
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In der Stadt Zürich steigen die Mieten, weil günstige Wohnungen saniert oder abgerissen und danach teurer vermietet werden. Dadurch werden Familien aus der Stadt verdrängt. Verantwortlich dafür sind laut dem Mieterverband im Wesentlichen die grossen Immobilienbesitzer, die «eine optimale Rendite erzielen wollen», wie Felicitas Huggenberger, Geschäftsleiterin des Mieterverbandes Zürich, sagt.
Für diese Renditen sollen die Liegenschaftenverwaltungen sorgen – wie etwa die Wincasa, die in der Stadt Zürich hunderte Immobilien betreut. Die Wincasa arbeitet ausschliesslich mit institutionellen Anliegern wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen zusammen, die anders als Genossenschaften in erster Linie hohe Erträge erzielen wollen. Nicht nur diese Firmen, sondern auch «die Liegenschaftenverwaltung selber hat ein grosses Interesse an einem möglichst grossen Ertrag, da sie davon direkt mitprofitiert», sagt Huggenberger.
«Systematische Kündigungen»
Im Auftrag der Credit Suisse hat die Wincasa etwa in der Enge den Mietern von 13 Mehrfamilienhäusern gekündigt, um der neuen Überbauung Escherpark Platz zu machen. «In den letzten Jahren hatte der Mieterverband immer häufiger mit solchen systematischen Kündigungen zu tun», sagt Huggenberger.
Kündigt die Wincasa systematisch ihren Mietern, um die Liegenschaften später viel teuerer zu vermieten? «Das Gegenteil ist der Fall. Wir versuchen in den allermeisten Fällen, die Mieter bei Sanierungen in den Liegenschaften wohnen zu lassen», sagt Marco Oss, Leiter des Key Account Management und stellvertretender Bereichsleiter Bewirtschaftung bei Wincasa. Bei den mehreren Hundert Liegenschaften in Zürich kommt es laut Oss lediglich in ein bis zwei Fällen pro Jahr zu solchen Kündigungen.
Damit verlieren ein bis zweimal pro Jahr alleine Dutzende von Wincasa-Mietern ihre langjährige Wohnung. «In solchen Fällen suchen wir mit unserer ganzen Kraft nach Alternativen», sagt Oss. Laut dem Mieterverband nützt das den Mietern auf dem Eschenpark-Gelände wenig. «In ihrem angestammten Quartier haben sie keine Bleibe mehr gefunden», sagt Huggenberger.
Steigende Ansprüche der Mieter
Viel öfter werden Liegenschaften aber nicht abgerissen, sondern saniert. Dies führt ebenfalls zu teils markanten Zinserhöhungen. Oss sagt dazu, dass die Wincasa die Mieten nicht unbegrenzt erhöhen darf, sondern an das Mietrecht gebunden ist. «Sanierungen sind wichtig, um die Gebäudesubstanz zu erhalten und zu verhindern, dass eine Liegenschaft verslumt», sagt Oss.
Zudem entspreche die Aufwertung von Liegenschaften auch dem Bedürfnis vieler Mieter. «In den vergangenen Jahrzehnten ist der Flächenanspruch der einzelnen Personen gewaltig gestiegen. Hinzu kommen viele Scheidungen, die dazu führen, dass aus einer Familie zwei werden.»
Laut Oss ist den Immobilienbesitzern die Brisanz des Themas Gentrifizierung klar. «Unsere Kunden sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst. Sie besitzen eine sehr grosse Zahl an Familienwohnungen mit tragbaren Zinsen. Diese Auftraggeber wie Banken und Versicherungen streben keine Gewinnmaximierung um jeden Preis an», sagt Oss. Wäre diese der Fall, würden sie beispielsweise möglichst lange mit Investitionen zuwarten, so Oss weiter.
Wo in Zürich finden sich typische Beispiele für die «Seefeldisierung»? Oder haben Sie gar selber die Kündigung erhalten, damit Ihre Wohnung teurer vermietet werden kann? Schreiben Sie uns auf zuerich@newsnetz.ch .
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.09.2010, 12:06 Uhr
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29 Kommentare
Das ist der ewige Kreislauf der Pensionskassen. Sie legen unser Geld in interessante ueberteuerte Immobileien an und erhoehen Zinsen um einen besseren Ertrag zu erwirtschaften. Als Mieter zahle ich hoehere Mieten, welche ich durch mein Pensionkapital der Kasse zur verfuegung gestellt habe. Also zahle ich in die Pensionskasse ein, damit ich hoehere Mieten bezahlen muss. Welch ein Spiel? Antworten
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