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Therapeutin schluckte selbst auch Drogen

Von Hugo Stamm. Aktualisiert am 19.01.2010 26 Kommentare

Paartherapien im LSD-Rausch führten zu schmerzhaften Trennungen. Bei Gruppentherapien wurden gleichzeitig LSD und Ecstasy verabreicht.

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Die 62-jährige Ärztin F. M. hat sich bei ihren Gruppentherapien mit LSD und Ecstasy nicht nur ein Strafverfahren und Untersuchungshaft eingehandelt, sondern auch therapeutische Grenzen überschritten. Sie nahm jeweils selber Drogen, verabreichte ihren Patienten in der gleichen Sitzung Ecstasy und LSD, liess körperliche Nähe und persönliche Verstrickungen zu. Auch der Ehemann der Therapeutin, ein bekannter Anwalt, schluckte die Drogen.

Ein Beispiel dokumentiert das Vorgehen der Therapeutin. Eine Frau suchte wegen Eheproblemen die Hilfe der Psychotherapeutin vom Zürichberg. Schon nach wenigen Einzelsitzungen lud F. M. die Patientin und ihren Ehemann zu den Sitzungen ein, an denen halluzinogene Drogen eingenommen wurden.

Therapeutin als Heilsbringerin

Die Patientin fühlte sich nicht wohl und gewann den Eindruck, die Therapeutin kümmere sich nicht um sie, sondern vor allem um ihren Ehemann. «Unsere Beziehungsprobleme wurden nie thematisiert», sagt sie. «Mir fiel auch auf, dass mein Mann die Ärztin als Heilsbringerin zu verehren begann. Wenn er Probleme hatte, rief er sie zu jeder Tages- und Nachtzeit an. Er bezeichnete seine Beziehung zu ihr als wahre Liebe.»

Irritiert war die Patientin auch, weil sich ihr Ehemann rasch veränderte und von spirituellen Ideen begeistert war. «Er wirkte völlig abgehoben», sagt die Informantin. Wie weit dies mit den Drogentherapien zusammenhing, konnte sie nie schlüssig herausfinden. Dann brach die Welt für die Patientin zusammen: «Plötzlich servierte mich M. F. regelrecht ab, und mein Mann verliess die Familie abrupt.» Sie kennt auch andere Paare, die sich während der Drogentherapie getrennt haben.

... und der nächste Schock

Viele Monate später traf sie der nächste Schock. Sie erfuhr von Dritten, dass ihr Ehemann kurz nach der Trennung eine Beziehung mit der Tochter ihrer gemeinsamen Therapeutin eingegangen war. Heute haben die beiden ein gemeinsames Kind. Der Sohn der ehemaligen Patientin erfuhr auf Umwegen von seinem Stiefgeschwister; sein Vater hatte es ihm verschwiegen. Dieser lernte die Tochter von F. M. in deren Haus kennen. Beim Suchen von Ostereiern, wie die Therapeutin sagt. Die beiden seien die Beziehung ohne ihre Kenntnis eingegangen.

Fragwürdig ist auch, dass die Ärztin selbst LSD und Ecstasy eingenommen hat. Da die Gefahr eines Horrortrips oder von psychotischen Reaktionen bei Patienten nicht ausgeschlossen werden kann, muss die Therapeutin die Patienten eng begleiten und notfalls eingreifen. Ist das möglich, wenn sie selbst unter dem Einfluss von Drogen steht?

«Ich habe für mich erkannt, dass ich mich als Therapeutin so wesentlich besser in das jeweilige Erleben des Klienten einschwingen kann und ihn so einfühlsamer begleiten kann», sagt F. M. «Ich war jederzeit klar und hatte die Aufgabe voll in der Hand.»

Die Therapeutin verteidigt auch ihre Strategie, ihren Patienten in der gleichen Drogensitzung Ecstasy und LSD abgegeben zu haben. Ecstasy dämpfe unter anderem die Ängste, mit LSD liessen sich verborgene Erlebnisse ins Bewusstsein holen.

Schamanismus am Zürichberg

Das besondere Interesse von Therapeutin F. M. an spirituellen und bewusstseinserweiternden Phänomenen zeigt sich auch daran, dass sie gelegentlich einen Schamanen aus Brasilien einlädt, der bei ihr zu Hause mit ihren Patienten ein mehrtägiges Ayahuasca-Ritual durchführt. Ayahuasca wird hauptsächlich aus Dschungellianen gebraut und entfaltet eine starke halluzinogene Wirkung. Amazonasindianer nennen die Droge «Liane der Geister und Toten». Ein Patient von F. M. dazu: «Das Zeugs bringt dich an den Abgrund deiner Seele.» Konsumenten der psychotropen Substanz beschreiben starke Halluzinationen und teilweise eine Einschränkung der körperlichen Motorik.

Therapien mit Ecstasy sind nicht immer harmlos. Dies zeigt der Fall des Berliner Arztes und Therapeuten G. R. Am 29. September 2009 starben in seinem Haus bei einer Drogentherapie ein Student und ein Frührentner. Ein weiterer Patient lag lange Zeit im Koma. Die Todesursache ist noch nicht restlos geklärt, die Indizien sprechen dafür, dass die Patienten an einer Überdosis oder unreinen Mitteln gestorben sind.

«Ehrbarer Inzest»

Der Berliner Arzt hat wie die Therapeutin vom Zürichberg eine Ausbildung beim Solothurner Psychiater Samuel Widmer absolviert. Widmer ist in Verruf geraten, weil er fragwürdige Aussagen zum Inzest – für den Psychiater gibt es den «ehrbaren Inzest» – gemacht und die sektenartige Kirschblüten-Gemeinschaft aufgebaut hat.

F. M. distanziert sich heute von Widmer. Gleichzeitig betont sie, dass sie bei ihm viel gelernt habe. Weiter erklärt F. M., die Gefahr einer Überdosis habe bei ihren Patienten nie bestanden: «Ich habe das LSD immer zuerst selbst ausprobiert. Ausserdem dosierte ich Ecstasy stets vorsichtig und verabreichte neuen Patienten lediglich kleine Mengen.» Es sei auch nie zu gravierenden Vorfällen gekommen. «Ich bin ausgebildet, um negative Reaktionen und Auswirkungen auf der psychischen wie körperlichen Ebene zu erkennen.»

Nach der Hausdurchsuchung und der Untersuchungshaft dürften für die Therapeutin vom Zürichberg und ihren Ehemann die Anklage und der Prozess die nächsten juristischen Stationen sein. Beiden droht der Verlust der Berufsbewilligungen. Da sie kurz vor dem oder bereits im Pensionsalter sind, würde sie die Sanktion nicht in ihrer Existenz bedrohen. Wann Staatsanwalt Lorenzo Rienzo die Untersuchung abschliesst, steht noch nicht fest. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.01.2010, 04:00 Uhr

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26 Kommentare

Jakob Denzler

19.01.2010, 08:29 Uhr
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Dieser Fall scheint im Vergleich zu den Praktiken der katholischen Kirche, die Teufelsaustreibungen völlig uneingeschränkt praktizieren darf - auch mit psychisch Kranken, denen unterstellt wird, sie seien das Böse/der Teufel. Warum werden Priester die diese psychischen Terror an Abhängigen praktizieren, nicht verhaftet? Warum darf diese religiöse Wahnsinnsideologie Kindern aufoktroyiert werden Antworten


Rolf Schumacher

19.01.2010, 08:11 Uhr
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Das hat nichts mit echtem Schamanismus zu tun. Der Schamane ist Vermittler zwischen der geistigen und der materiellen Welt. Er darf weder Abhängigkeiten verschaffen noch Traumatas setzen und muss die Grenzen und Gesetze unserer Gesellschaft respektieren. Respekt und Toleranz ist die Basis seines Schaffens. Nicht er heilt, sondern der Patient sich selber. Antworten



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