Zürich

«Ich bin irgendwo wieder am tschutten»

«Ich bin abgehauen und irgendwo wieder am tschutten», schrieb Ursina Nay in ihre Todesanzeige. Am Sonntag ist die Fussballfrau der ersten Stunde im Alter von 56 Jahren an Krebs gestorben.

Ein Leben lang auf Fussballplätzen: Ursina Nay im Trikot des FC Levante Wibi.

Ein Leben lang auf Fussballplätzen: Ursina Nay im Trikot des FC Levante Wibi. (Bild: privat)

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Schon auf dem Pausenplatz hat Ursina Nay einst gesagt, habe sie immer mit den Knaben getschuttet. Sie war auch beim ersten Freundschaftsspiel 1975 dabei, aus dem der Fortschrittliche Schweizer Fussballverband in Zürich entstand, und zwar beim Anarchistenteam des FC Bakunin. Die Wahl entsprach ihrem Naturell. Anpassen wollte sie sich nie. Ihr Leben war unkonventionell; und auf dem Fussballplatz verlangte sie keine besondere Schutzzone für Frauen. Das Mitspielen in den weiterhin männlich geprägten Teams verlief zuweilen nicht ohne Reibungen, doch setzte sich Ursina durch ihre Fähigkeiten ohne viel Aufsehen durch.

Nachdem der anarchistische Geist zumindest in der alternativen Liga verweht war, wechselte sie 1991 zum FC Levante Wibi, für den sie bis zum Sommer als linke Aussenverteidigerin und einzige Frau spielte, zuletzt in der Veteranenliga, mit ihrem Lebenspartner Tino. Gleichzeitig machte sie auch im jüngeren Frauenteam von Rapid Industrie mit. Das ergab zuweilen zwei bis drei Spiele pro Woche. Ihre Kondition und ihre Zähigkeit waren verblüffend. Die Erfahrung als Judokämpferin habe ihr geholfen und ihre Spielphilosophie geprägt: «Fighten, voll durchziehen.»

Begabung und Begeisterung gab sie weiter. Ihre ältere Tochter Nicole schaffte als eine der ersten Schweizerinnen den Sprung in den US-Frauencollege-Fussball; auch die jüngere Tochter Wanda hat als gewiefte Kickerin in der alternativen Liga Zürich gespielt, zuweilen mit der Mutter.

Fussball war Ursina vieles, aber nicht alles. Verbissen war sie nie. Über falsches Getue und aufgeblasenen Humbug konnte sie sich herzlich amüsieren. Die gelernte Grafikerin war lange Jahre in der Behindertenpflege tätig. Sie arbeitete zuverlässig, gradlinig. Gleich, wie sie spielte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2008, 22:50 Uhr

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1 Kommentar

Wolf S.

25.11.2008, 23:25 Uhr
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Ja, Ursina hatte ich, einst auf der Buchleren, erst nach ein paar Wettläufen dem Ball hinterher als weiblichen Gegenspieler bemerkt. Ich spürte weder den Ellbogen noch sonstige Kanten noch Tritte, der direkte Gegner war im sportlichen Gerangel geradezu angenehm. Aha...!! das ist Ursina. In anderen Spielen schaute ich ihr gerne zu. Ihr Lachen höre ich noch immer. Meine Gedanken sind bei Dir. Antworten



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