Touristen werden für Zürcher zur Attraktion
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 12.05.2009 8 Kommentare
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Das Hightech-Gefährt sei idiotensicher, sagt Tourguide Rolf Egg. Bloss Ex-US-Präsident George Bush hats 2003 geschafft, beim Aufsteigen vornüberzufallen. Seither haben alle dieses Bild im Kopf, wenn sie auf den einachsigen Roller steigen. Bevor die achtköpfige Gruppe Dienstag am See in der Enge zu einer der ersten City-Tours losfährt, die Zürich Tourismus seit Ostern anbietet, gibts deshalb eine halbe Stunde lang Fahrschule.
Fällt im Stillstand nicht um
Der 10'000 Franken teure Segway ist das einzige zweirädrige Gefährt, auf dem man im Stillstand nicht umfällt. «Den Haltegriff mit beiden Händen festhalten, dann schnell und entschlossen aufsteigen», scherzt Rolf Egg. Die ersten Sekunden sind etwas schwabbelig, dann spürt man, wie unter den Füssen die Elektronik arbeitet. «Die Software ist nicht von Microsoft, also fehlerlos», sagt Egg. Das Geheimnis, weshalb ein Segway steht, sind Bewegungssensoren, die 100-mal pro Sekunde die Position des Gefährts erfassen und den 2,5 PS starken Elektromotor steuern. Der Segway hat weder Bremse noch Gaspedal. Lehnt man vorwärts, fährt er – lehnt man zurück, bremst er. «Bei einem Notstopp das ‹Füdli› rausstrecken», empfiehlt Rolf Egg.
Zuerst muss die Gruppe einen Slalom-Parcours zwischen orangen «Plastiktötzli» absolvieren. Durch Gewichtsverlagerung und leichtes Neigen der Lenkstange geht das sehr intuitiv. Dann gibts Drehen-am-Ort-Übungen – funktioniert wie bei einem Panzer. Nun folgen ein paar Minuten Theorie. Bedingung ist ein Fahrausweis, denn Segways haben in der Schweiz eine gelbe Töffli-Nummer. Die smarten Roller sind auf der Strasse zugelassen – Trottoirs, Parks und Wanderwege sind dagegen tabu. Nachdem der «Tages-Anzeiger» letztes Jahr ein Bild mit einer Gruppe Segway-Fahrer auf dem Lindenhof publiziert hatte, wurde Egg von der Polizei mit ein paar Hundert Franken gebüsst.
Segway interessiert mehr als Chagall
Die Tour führt zuerst über Kopfsteinpflaster hoch zum Bürgli-Rebberg und dann ebenso steil runter zum Hürlimann-Areal. Schwellen und Steigungen gehen problemlos – trotz Gewittersturm. Auch Tramschienen sind für die breiten Reifen kein Hindernis. Stadtführerin Sandra Claus erzählt über die Zürcher Bierbautradition. Der Australier Anthony aus Perth will wissen, ob die Zürcher heute kein Bier mehr trinken, alle anderen wollen weiterfahren. In der Innenstadt fallen die Erklärungen zu den Chagall-Fenstern im Fraumünster kürzer aus als sonst – «weiter» tönts aus der Gruppe. Vor dem Fraumünster kommts zum einzigen kleinen Unfall: Beim Bestaunen des Kirchturms verliert einer das Gleichgewicht, touchiert den Randstein und muss abspringen.
Die Fahrt über Utoquai und Quaibrücke ist spektakulär, die Stadtzürcher applaudieren den Touristen, Autos überlassen der Gruppe so bereitwillig wie sonst nie den Vortritt. Die Quaibrücke zeigt aber auch die Eigenart unseres Verkehrsgesetzes: Weil Segways als Mofas gelten, müssen sie mit den Autos in der Kolonne warten, während die Velos auf Radwegen und Trottoirs frech vorbeibrausen. Vor dem Rotlicht reiht sich die Gruppe in Doppelkolonne auf, damit die Wegfahrt zügig geht und keiner von der Rotlichtkamera erfasst wird.
Zweistündige Segway-Cititours werden von Zürich Tourismus für 120 Franken pro Person angeboten (www.segwaycitytours.ch). Auf Anfrage sind auch Touren in anderen Stadtteilen möglich.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.05.2009, 21:50 Uhr
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8 Kommentare
Eine intelligente Idee mehr. Die Dinger sind ansich funny, aber sicher nicht für den Strassenvekehr gemacht. Das mag ja in Städten mit breiten Strassen noch gehen, aber sicher nicht mir unserer einspurigen Verkehrsführung. Das ist einfach lebensgefährlich und als Autofahrer muss man jetzt neben Fussgängern, Velos, Mofas auch noch darauf auspassen. Wie siehts mit Verkehrssicherheit aus? Licht etc. Antworten
Die Einstufung der Segways als Motorfahrzeuge und damit zur Folge mit max. 15 km/h auf der Strasse fahren zu müssen, ist nicht nur ein Witz sondern auch brandgefährlich. Am praktikabelsten wäre die Zulassung als Fahrrad und den damit verbundenen Regeln. So spassig und amüsant das Segway-Fahren auch ist; persönlich gehe ich immer noch am liebsten zu Fuss durch die schöne Zürcher Altstadt. Antworten


































