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Triemlispital verarztet alle zwei Tage ein Prügelopfer

Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 31.07.2009

In den letzten Wochen sind in der Stadt Zürich immer wieder Leute verprügelt worden. Sanitäter und Ärzte haben alle Hände voll zu tun – und werden beim Helfen mit Hasstiraden eingedeckt.

Sanitäter im Einsatz: Ihre Arbeit ist schwieriger geworden in den letzten Jahren.

Sanitäter im Einsatz: Ihre Arbeit ist schwieriger geworden in den letzten Jahren. (Bild: Keystone)

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In der Nacht auf Mittwoch kam es im Zürcher Kreis 11 zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen. Ein 19-Jähriger erlitt Kopfverletzungen und musste ins Spital gebracht werden. Vergangene Woche wurde ein 23-jähriger Schweizer nach einer Schlägerei ebenfalls mit schweren Kopfverletzungen im Spital eingeliefert. Das sind nur zwei von mehreren Fällen, die sich in den letzten Wochen in der Stadt Zürich ereignet haben.

Laut Andreas Platz, Chef der Unfallchirurgie und Leiter des Notfalls am Triemli, behandelt das Spital derzeit etwa alle zwei Tage einen Patienten, der bei einer Schlägerei verletzt wurde. An Wochenenden, wenn in der Stadt Feste stattfinden, sind es deutlich mehr. Fingerbrüche und Blessuren im Gesicht sind oft darunter. «Immer häufiger müssen aber auch Messerstiche verarztet werden», sagt er. Heute falle der Einsatz von Messern leichter als früher, schliesst er daraus.

Fussballspiel: Opfer vorprogrammiert

Der Arzt stellt seit längerem eine leichte Zunahme von Verletzungen fest, die aus Schlägereien resultieren. Anders als noch vor ein paar Jahren müsse man heute zum Beispiel nach einem Fussballspiel eindeutig mit Opfern aus Prügeleien rechnen. Mit Zahlen lasse sich die Entwicklung allerdings nicht belegen, weil der Vorfall, der zur Verletzung führt, nicht registriert wird. Auch beim Unispital, wo die meisten schweren Schädel-Hirn-Verletzungen landen, gibt es keine Zahlen. Urs Eberle, Sprecher von Schutz und Rettung Zürich, bestätigt, dass die Zahl der gewalttätigen Auseinandersetzungen zunimmt. Dass die häufigen Schlägereien der letzten Wochen etwas mit der Jahreszeit und den heissen Temperaturen zu tun haben könnten, glaubt Eberle aber nicht. «Das ist ein gesellschaftliches Phänomen.»

Hasstiraden gegen Sanitäter

Häufig spielen Alkohol, Drogen und Medikamente mit, wenn die Sanitärer nach einer Prügelei auf Verletzte treffen. «Diese Mittel wirken enthemmend», sagt Eberle. Das bekommen auch die Sanitäter zu spüren. Immer häufiger sehen sie sich mit Hasstiraden konfrontiert. Sie werden bedroht, bespuckt oder angepöbelt, wie Eberle sagt.

Bei weitem nicht alle Verletzten wollen sich von den Sanitätern helfen lassen: Eberle vermutet, dass sie sich fürchten vor Fragen der Polizei oder Ärzten. «Vielleicht ist es auch Scham», mutmasst er. Braucht jemand Spitalpflege, setzt sich gegenüber den Sanitätern aber zur Wehr, müssen diese einen Arzt aufbieten. Dieser kann einen Fürsorgerischen Freiheitsentzug anordnen. Dann kann der Patient falls nötig mit Hilfe der Polizei ins Spital gebracht werden.

Im Spital sagen die Eingelieferten nicht immer die Wahrheit, wenn es um die Gründe für ihre Verletzungen geht. Das stellt Andreas Platz fest: «Manchmal ist es offensichtlich, dass Verletzungen nicht von einem angeblichen Treppensturz herrühren kann.»

Bei Grossanlässen, wie beispielsweise der Streetparade, werden die Notfallstationen personell aufgerüstet und die Sanität ist im Grosseinsatz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2009, 15:56 Uhr

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