UBS-Millionen: Professoren fürchten um Unabhängigkeit der Universitäten

Unter dem Titel «Zürcher Appell» kritisieren 27 Wissenschaftler das 100-Millionen-Sponsoring der UBS für die Universität Zürich. Es gehe dabei nicht um Forschung, sondern um Marketing.

Heftige Kritik gibt es für das 100-Millionen-Sponsoring der UBS: Hauptgebäude der Universität Zürich.

Heftige Kritik gibt es für das 100-Millionen-Sponsoring der UBS: Hauptgebäude der Universität Zürich. Bild: Keystone

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Von «fragwürdigem Universitäts-Sponsoring» ist die Rede. Und: «Das akademische Ethos steht auf dem Spiel.» 27 Professoren und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben eine Streitschrift ins Internet gestellt und in der neusten Ausgabe der «Zeit» publiziert, die sie «Zürcher Appell» nennen. Auf der Liste der Erstunterzeichner finden sich gewichtige Namen. Der Ökonom Bruno S. Frey ist dabei, der Philosoph Peter Bieri, der Psychiater Daniel Hell und der Staatsrechtler Andreas Auer. Die Forscher fordern besseren Schutz der Unis vor wirtschaftlichen Interessen:

«Wir appellieren an die Leitung der Universitäten und an alle Bildungsverantwortlichen im In- und Ausland, dem kostbaren und von der Verfassung geschützten Gut der akademischen Freiheit und Unabhängigkeit Sorge zu tragen und das wissenschaftliche Ethos nicht mit problematischen Kooperationen zu gefährden.»

Stein des Anstosses ist die 100-Millionen-Spende der UBS an die Universität Zürich. Im April letzten Jahres hatte die Unileitung bekannt gegeben, dass die Grossbank an der Hochschule ein «UBS International Center of Economics in Society» finanzieren wird. Das Rektorat versicherte, die UBS habe keinerlei Einfluss auf die Inhalte der Forschung. Die Details des Abkommens wurden indessen nicht offengelegt. Die Verfasser des «Zürcher Appells» kritisieren nun diesen «geheim abgeschlossenen» Vertrag – weder die Bevölkerung noch der Lehrkörper der Universität seien gefragt worden, ob eine solche Partnerschaft mit einer Grossbank opportun sei.

«Die Universitätsleitung lässt es zu, dass die Bank den Raum der Universität als Interessenplattform benutzt. Doch gerade die UBS hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie unethische Geschäfte tätigt. Dass die UBS nun auch noch ihr Logo an der Universität Zürich platzieren konnte, hat nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern einzig mit Marketing.»

Die Idee des «Zürcher Appells» stammt von der Zürcher Philosophin Ursula Pia Jauch und dem Berner Staatsrechtler Markus Müller. «Wir halten solche Verträge für hochproblematisch», sagt Jauch. Professoren aus dem In- und Ausland hätten sich am Appell beteiligt, weil es sich nicht um ein Zürcher Phänomen handle – die Universitäten stünden überall vor denselben Problemen.

Das Image aufpolieren

«Wir haben nichts gegen Geld aus privater Hand. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Sponsor und Mäzen», sagt Jauch. Während der Mäzen keine Bedingungen an sein Geschenk knüpfe, verfolge der Sponsor handfeste Interessen: das Aufpolieren des eigenen Images. Es sei höchste Zeit, eine Debatte darüber zu führen, ob und wie dadurch die Unabhängigkeit der Forschung gefährdet sei.

Bereits in die Debatte eingegriffen hat Patrick Aebischer, Rektor der ETH Lausanne. Zur «Zeit» sagt er, das Geld der Privaten sei im Normalfall willkommen. Aber: «Bei so grossen Deals wie demjenigen zwischen der Universität Zürich und der UBS muss man aufpassen, dass die Rahmenbedingungen klar geregelt sind. Eine Firma, die so viel Geld in ein Institut steckt – das ist grenzwertig.»

Rektor: «Kein Geheimvertrag»

Die Rahmenbedingungen habe man ganz genau angeschaut, sagt Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich. «Es mag zutreffen, dass die UBS Fehler gemacht hat und öffentlich in der Kritik steht.» Aber die UBS sei nach wie vor eine börsenkotierte Grossbank. Wenn ein solches Unternehmen der Universität Geld spenden wolle, dürften nur sachliche Kriterien eine Rolle spielen – entscheidend sei, dass Freiheit und Unabhängigkeit der Forschung gewährleistet seien. «Und das ist beim Abkommen mit der UBS der Fall», sagt Fischer. Es handle sich auch nicht um einen geheim abgeschlossenen Vertrag: «Das Geschäft ist in der Leitung der Universität breit diskutiert worden, und auch der Universitätsrat hat in Kenntnis der Details zugestimmt», erklärt Fischer.

Der grösste Teil des Budgets werde im Übrigen nach wie vor mit öffentlichen Geldern bestritten. «Aber es gehört zu einer modernen Universität, dass sie ein Teil des Budgets bei Privaten beschafft.» Fischer findet es «seltsam», dass sich ETH-Rektor Aebischer kritisch zum UBS-Sponsoring äussert: Schliesslich sei die ETH Lausanne bei der privaten Geldbeschaffung bisher wesentlich aktiver gewesen als andere Universitäten.

www.zuercher-appell.ch (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 28.02.2013, 09:01 Uhr)

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Rektorenwahl

Absage für Christoph Mörgeli
In der Universität Zürich stehen Rektorenwahlen an. Der Nachfolger von Andreas Fischer wird zwar erst im Sommer bekannt. Bereits ist aber klar, dass es nicht SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli sein wird. Wie er dem TA bestätigte, hat er von der Findungskommission, die von Universitätsrat Urs Oberholzer (SVP) präsidiert wird, einen Absagebrief erhalten.

Mörgeli hatte sich nach seiner Entlassung am Medizinhistorischen Museum um den Rektoren-Job beworben. Nun will er sich gegen seine Nichtberücksichtigung wehren. Er kritisiert das intransparente Verfahren. Es sei nicht einmal bekannt, wer alles in der Findungskommission sitze: «Ich lasse mich nicht von einer anonymen Kommission abspeisen und will zumindest vom Unirat angehört werden.»

Gemäss NZZ kommt Christoph Mörgeli nicht infrage, weil er nie einen Lehrstuhl innehatte. Dazu sagt Mörgeli: «In der Ausschreibung war das keine Bedingung. Mir scheint, dass während des Verfahrens die Regeln geändert wurden.» Wer neben Oberholzer in der Findungskommission sitzt, ist in der Tat unbekannt. Es sind aber, wie in der Universitätsordnung verlangt, interne und externe Personen. Bei den internen handelt es sich um Abgeordnete aus den Fakultäten und um einen weiteren Unirat. Das externe Mitglied stammt aus einer anderen Universität.

Gemäss unbestätigten Berichten wird der Unirat nächste Woche eine Shortlist mit zwei oder drei Kandidaten veröffentlichen. Sie werden sich dann in den Fakultäten vorstellen, gewählt wird der neue Rektor oder die neue Rektorin im Juni. (sch)

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