Umfrage sagt einen grünen Wahlsieg voraus – auf Kosten der SP
Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 07.03.2010 16 Kommentare
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12,5 Prozent haben schon gewählt
Bis gestern Dienstag hat die Stimmregisterzentrale in Zürich gut 28'500 Couverts von den Wahlberechtigten erhalten, wie Reto Zumstein von der Stadtkanzlei auf Anfrage sagt. Das sind ziemlich genau 12½ Prozent der insgesamt 227'000 Personen, die in der Stadt wählen und abstimmen dürfen. Diese Prozentzahl fällt leicht höher aus als jene am gleichen Tag – dem zweitletzten Montag – vor den Erneuerungswahlen 2006. Damals gingen bis zum selben Zeitpunkt 26'500 Stimmcouverts ein. Im Gegensatz zum kommenden 7. März gelangten beim Urnengang vor vier Jahren keine eidgenössischen Vorlagen zur Abstimmung.
Die neusten Zahlen aus der Stadtkanzlei lassen indes nicht auf einen Trend schliessen, sie entsprechen laut Zumstein einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung. «Prognosen bei Wahlen sind schwieriger als bei Abstimmungen, es ist noch zu früh.» Entscheidend sei jeweils, welche Partei im Endspurt noch Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren vermöge. Bei den Erneuerungswahlen Mitte Februar 2006 betrug die Stimmbeteiligung knapp 33 Prozent.(sit)
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So liegen die Zürcher Stadtratskandidaten im Rennen
Im Auftrag des «Tages-Anzeigers» sowie von Radio und Tele Top befragte das Meinungsforschungsinstitut Isopublic zwischen Ende Januar und Mitte Februar 1002 Stimmwillige zu den Stadtratswahlen. Am Telefon wurden die Namen der Kandidatinnen und Kandidaten vorgelesen, worauf die Befragten angaben, ob sie ihnen die Stimme geben oder nicht.
Die repräsentative Umfrage zeigt, wie wichtig der Bonus «bisher» ist. Alle sechs Wiederkandidierenden für den Stadtrat belegen die sechs vorderen Ränge. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) kommt als Einzige auf über 50 Prozent der Stimmen. Drei Viertel aller Wählerinnen und Wähler, die sich links fühlen, unterstützen sie. 55 Prozent der Mitte-Wähler, aber auch ein Viertel der Rechtsstehenden geben ihr die Stimme.
Ruth Genner auf Platz 2
Ruth Genner von den Grünen, die Mitte 2008 für Monika Stocker in den Stadtrat gekommen ist, erreicht mit über 6 Prozent Rückstand Platz 2 – wie Mauch wird auch sie von mehr Frauen als Männern gewählt. Genner erhält 70 Prozent Stimmen von links, 18 Prozent von rechts und 48 Prozent aus der Mitte. Zum Vergleich: Ihr Parteikollege Daniel Leupi (neu), der engagierte Velopromotor, schafft es in der Umfrage zwar auf den achten Platz, aber aus der Mitte erhält er nur 15 Prozent – etwa gleich viel, wie die Mitte für Mauro Tuena von der SVP übrig hat.
FDP-Finanzchef Martin Vollenwyder, der sich auf Inseraten als «Gegengewicht zu Rot-Grün» anpreist, erhält aus dem linken Lager fast jede dritte Stimme. Hinzu kommen 61 Prozent von Rechts-Wählern und 53 Prozent von Wählern aus der Mitte. Besonderer Beliebtheit erfreut sich Vollenwyder im oberen Mittelstand und bei älteren Menschen. Auf Platz 4, praktisch gleichauf mit Vollenwyder, folgt SP-Sozialvorsteher Martin Waser. Aus dem linken Lager erhält er mit 62 Prozent deutlich weniger Stimmen als Ruth Genner – aus dem rechten Lager mit knapp 30 Prozent allerdings deutlich mehr als die Grüne.
Zitterkandidaten mit weniger als 40 Prozent
Die Stadträte Andres Türler (FDP) und Gerold Lauber (CVP), die gemeinhin als Zitterkandidaten gelten, belegen Rang 5 und 6, beide mit weniger als 40 Prozent Stimmenanteil. Türler, der Vorsteher der Industriellen Betriebe, setzt im Wahlkampf stark auf ökologische und saubere Energie, was ihm aus dem linken Lager 31 Prozent der Stimmen beschert. Aus der Mitte erhält er 43 Prozent und von rechts 52. Die Jungen zwischen 18 und 34 danken ihm die Windräder aber nicht: Nur 15 Prozent geben ihm ihre Stimme. Vom Ü-55-Lager gibts dagegen 60 Prozent. Schulvorstand Gerold Lauber zeigt politisch das ausgeglichenste Wählerprofil mit 36 Prozent Stimmen von links, 41 aus der Mitte und 44 Prozent von rechts.
Linke mögen Egger nicht
Am besten von den neu Kandidierenden schneidet FDP-Gemeinderat Urs Egger ab, der auf Plakaten und in Inseraten sehr präsent ist. Er versucht – forcierter als seine freisinnigen Kollegen Vollenwyder und Türler – sich gewerbenah und bürgerlich zu profilieren. Das bestraft die linke Wählerschaft mit nur 9 Prozent Stimmenanteil – gleich viel wie die Linken Susi Gut geben. Dafür holt Egger auf der rechten Seite 38 Prozent, in der Mitte 26 Prozent.
Daniel Leupi von den Grünen auf Platz 8 erhält von links 39 Prozent Stimmen, aus der Mitte 15 Prozent und von rechts 8. André Odermatt (SP) auf Rang 9 erhält von linken Wählern 3 Prozent und aus der Mitte 2 Prozent weniger als der grüne Leupi, was mit seinem geringen Bekanntheitsgrad und dem kaum erkennbaren politischen Schwerpunkt zu tun haben dürfte.
Nicht gewählt auf Platz 10 und 11 folgen Mauro Tuena (SVP) und Claudia Nielsen (SP). Tuena schöpft 43 Prozent der Rechts-Stimmen ab, fast so viel wie Urs Egger, in der Mitte gibt es 15 Prozent, links erwartungsgemäss praktisch nichts (5). Claudia Nielsen wiederum erhält von links 34 Prozent, was weniger ist als Odermatt, Leupi oder Lauber. Aber auch die Werte aus der Mitte (8) und von rechts (3) sind tief. Nielsen kann auch nicht von der Frauensolidarität profitieren, geben ihr doch mehr Männer die Stimme.
Susi Gut vor Karl Zweifel
Susi Gut von der kleinen Partei für Zürich landet auf Platz 12, immerhin noch vor dem zweiten offiziellen Kandidaten der SVP, Chirurg Karl Zweifel. Susi Gut erhält von rechts 21 Prozent der Stimmen, aus der Mitte 18 und von links 9. Zweifel schneidet zwar rechts etwas besser ab als Gut (26 Prozent), dafür schlechter in der Mitte (15) und links (3). Alle anderen Kandidierenden liegen in der Wählergunst noch weiter zurück.
Die Studienverantwortlichen von Isopublic erwarten einen harten Kampf um die Sitze 7 bis 9. Erfahrungsgemäss kann das SP-Quartett bis zum Wahltag nochmals zulegen, da sich viele SP-Wähler erst spät festlegen. Zudem kann es auf einen ziemlich geschlossenen linksgrünen Block hoffen. Die gegenseitige Unterstützung ist im bürgerlichen Lager wesentlich weniger stark.
58Prozent für die Stadtpräsidentin
In der Wahl fürs Stadtpräsidium kommt die selbst ernannte Stadtmutter Susi Gut auf 15 Prozent. Obwohl sie sich als bürgerliche Alternative zur Sozialdemokratin Corine Mauch anpreist, danken ihr das die Rechts-Wähler nur mit 26 Prozent. Die ehemalige SVP-Gemeinderätin wird von SVP-Anhängern wohl immer noch als Dissidentin oder gar Schlimmeres betrachtet. Auffallend sind die 40 Prozent, die sich rechts fühlen und keinen Namen fürs Stadtpräsidium eintragen. Corine Mauch erreicht rechts knapp 26 Prozent, in der Mitte 63 und links 82. Von allen Befragten wollen 20 Prozent weder Mauch noch Gut die Stimme geben.
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Erstellt: 23.02.2010, 04:00 Uhr
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16 Kommentare
Geboren in den 60iger Jahren haben wir den 'Niedergang' unserer Stadt in den 80igern voll miterlebt. Seit 20 Jahren haben wir eine mehrheitlich Linke-Regierung. Halbzeitbilanz: 25 Jahre bürgerliche Mehrheit waren katastophal, 25 Jahre links waren genau das Gegenteil. Es ist an der Zeit. dass auch die restliche Schweiz erkennt, dass SVP-Politik Probleme macht, wo vorher gar keine waren. Antworten
Eine "Blutauffrischung" mit fähigen,kompetenten und auch sprachgewandten Persönlichkeiten im Zürcher Stadtrat ist dringend nötig,besonders im Präsidium! Daher wäre es wünschenswert,wenn die Vormachtstellung der SP bei den kommenden Wahlen korrigiert wird! Antworten
Auffallend ist, wie viel Energie einzelne Parteien (erstaunlich: auch Kandidaten der FDP) darauf verwenden, unsere Stadt und ihre Regierung schlechtzureden. Dabei leben 98% der Menschen "gerne oder sehr gerne" hier, Zürich hat gesunde Finanzen etc. Dies hat sich auch dank, und nicht trotz der rotgrünen Mehrheit unter Führung der SP so entwickelt! Ein Ausbau dieser Mehrheit kann Zürich nur gut tun. Antworten
Umfragen für Majorzwahlen sind Schabernack, weil die Fragen das Wahlverhalten nicht abbilden können - zumindest ein Kästchen über den Vergleich zwischen Umfrage 2006 und Wahlergebnis wäre angezeigt gewesen. Es gibt nur eine sinnvolle Umfrage: die echten Wahlen. Der bisherige Politmix zeigt für die Stadt Zürich nachweislich die besseren Ergebnisse, als dies mit dem kantonalen Mix möglich wäre. Antworten
Zürich ist in die Umfragen international und europaweit seit einigen Jahren eine der attraktivsten Städte. Das liegt natürlich nicht nur an der rotgrünen Regierung unter SP-Führung. Aber ihr Beitrag für hervorragende Rahmenbedingungen hat mitgespielt. Darum braucht es auch weiterhin alle SP-Kandidatinnen und -Kandidaten im Stadtrat. Antworten
Ich erinnere mich noch an den bürgerlich dominierten Stadtrat.Es war vor und während der„Platzspitz Ära“.Zum Glück haben die Wähler dieser Stadt ein gutes Gedächtnis. Es kommt nicht von ungefähr, dass Zürich in Punkto Lebensqualität weltweit stets Spitzenplätze einnimmt.Dies seit sie eine linke Regierung hat. Bitte weiter so.Die Bewohner von Zürich brauchen keinen bürgerlich dominierten Stadtrat. Antworten
Mit der linksgrünen Mehrheit ist die Stadt Zürich in den letzten 20 Jahren sehr gut gefahren!! Oder wollt ihr etwa Zustände wie im "Kanton draussen"? Darum empfehle ich dringend, das rotgrüne Sixpack zu wählen, inkl. Claudia Nielsen! Nur so bleibt Zürich weiterhin eine lebenswerte Stadt für ALLE. @E.H.: Velowege zu unterhalten ist bedeutend günstiger als Strassen zu sanieren! Antworten
@Edith Hugentobler und @ Res Zaugg: Diese Kommentare, so was von dümmlich und unreflektiert! Da scheinen zwei am Schreiben, deren Politik-Verständnis im Mikro-Bereich zu suchen wäre! Die Zürcher Wähler bedanken sich, als "Soazialhilfeempfänger" bezeichnet zu werden, und die Verbindung, öffentlich Bedienstete seien Linke (oder umgekehrt?), ist seltsam! Jürg Ammann, Gemeinderats-Kandidat Grüne 2 Antworten
@Hugentobler: Was ist das denn für ein Kommentar?!?!!!! Wie gut rechte Politiker den Finanzplatz Schweiz schützen haben wir ja am Beispiel BR Merz und NR/SR gesehen. Lächerlich! @Zaugg: Wenn sie ein bisschen Ahnung von Politik hätten, wüssten Sie, dass Sozialhilfeempfänger meistens Rechts und nicht Links wählen. Aber poltern kann man ja... Antworten
Wenn man die Kommentare liest, könnte man meinen, Zürich wurde die letzten Jahre erfolgreich von den Bürgerlichen regiert und es drohe eine links-grüne Misere...Das Gegenteil ist der Fall! Zürich wird erfolgreich von den Linken regiert und gilt weltweit als eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität und dem besten Investitionsklima. Think about that. Antworten
Wie zuverlässig Umfragen sind, weiss man spätestens seit der Minarettabstimmung. Ob die Grünen wirklich auf Kosten der SP einen Stadtratssitz erobern können, wird man erst am Wahlsonntag sehen. Die Bilanz der SP ist sehr gut, z.B. im Ausbau der Kinderbetreuung oder bei den erneuerbaren Energien. Ausserdem hat die Stadt im Gegensatz zum bürgerlichen Kanton gesunde Finanzen! Antworten
Tja es bleiben nur die Grünen wählbar. Die Bürgerlichen haben bei den meisten keine Chance wegen Ihrer sturheit in der Boni- und Bankenfrage sowie der Nähe zum Abzockerkapital. Die SP ist kommt leider nicht vom Fleck und dreht sich im Kreise. Da bleiben nur die Grünen, und ich denke wohl wie viele andere. Probieren und wenn es die Hose geht dann in 4 Jahren nicht wieder wählen. Antworten






Thomas Lanz
Das bisher prägendste am bürgerlichen Wahlkampf: "Zürich braucht mehr als Rot-Grün". Wenn ich schaue welches Defizit dieses "Mehr" dem Kanton einfährt, frage ich mich wirklich ob wir das auch in der Stadt brauchen. Wenn Zürich etwas braucht ist es Mehr Rot-Grün! Der engagierte und dynamische Wahlkampf der SP ist erst der Anfang. Die nächste Legislatur wird unserer Stadt noch mehr Schwung bringen! Antworten