Umstrittenes Podium mit AfD-Denker Jongen abgesagt

Die Einladung des AfD-Exponenten Marc Jongen am Theaterhaus Gessnerallee hatte für einen Sturm der Entrüstung gesorgt – nun ziehen die Veranstalter Konsequenzen.

Sorgte für heftige Polemik am Theaterhaus Gessenerallee: Marc Jongen.

Sorgte für heftige Polemik am Theaterhaus Gessenerallee: Marc Jongen.

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Das Theaterhaus Gessnerallee beugt sich dem Druck: Die Podiumsdiskussion «Die neue Avantgarde» vom 17. März findet nicht statt. Die Veranstaltung, zu der AfD-Denker Marc Jongen eingeladen worden war, hatte für heftige Kritik bis über die Landesgrenzen hinaus gesorgt. In einem offenen Brief forderten mehrere Hundert Kulturschaffende, «der AfD keine Bühne zu bieten.»

Nun schreibt das Theaterhaus, die Veranstaltung könne «aufgrund der Hitze der durch sie ausgelösten Debatte, in der Diffamierungen, persönliche Beleidigungen und Erpressung leider nicht gescheut wurden», nicht stattfinden. Das Podium hätte nur unter dem Schutz einer Sicherheitsfirma und in Absprache mit der Stadtpolizei über die Bühne gehen können.

Neben dem AfD-Exponenten und Sloterdijk-Schüler Marc Jongen waren als weitere Teilnehmer der Vizedirektor des Liberalen Instituts Zürich, Olivier Kessler, der Kunstwissenschaftler Jörg Scheller sowie Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der liberalen Operation Libero vorgesehen. Das Theaterhaus wollte mit «Die Neue Avantgarde» Stimmen rechts der Mitte eine Plattform geben.

Gessnerallee steht hinter der Veranstaltung

Auch die Zusatzveranstaltung vom 10. März wird abgesagt. Sie war als Reaktion auf die Kritik einberufen worden und hätte der Diskussion gedient, ob das umstrittene Podium stattfinden soll. Weil Beteiligte später zu einem Boykott beider Veranstaltungen aufriefen, sei ein konstruktives Gespräch zwischen Kritikern und Befürwortern nicht mehr garantiert, heisst es in der Mitteilung.

Zugleich hält die Gessnerallee an ihrer Gästeliste fest. Vor dem Hinblick erstarkender Phänomene wie Populismus und Autoritarismus müssten öffentliche Debatten stattfinden, schreibt das Theaterhaus: «Die Furcht, man könne dabei ‹nur verlieren› und den ‹Anderen› als Steigbügelhalter dienen, ist aus unserer Sicht eine zu defensive Haltung.» (thu)

Erstellt: 07.03.2017, 18:29 Uhr

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