«Unerträglich, die ewige Bevormundung»

Sauforgien ignorieren oder verbieten? Die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer im Tagi-Newsnetz spricht sich gegen generelle Verbote aus.

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«Ich bin 30, verheiratet, habe einen guten Job, und wenn mir nichts dazwischenkommt, gehe ich ans Botellón. Aus reinem Spass», schreibt ein Tagi-Leser im Newsnetz von Tagesanzeiger.ch, wo die Ankündigung eines organisierten Massenbesäufnisses auf der Blatterwiese zu rund 200 Reaktionen führte. Mehrfach wird betont: Nicht Langeweile oder Perspektivenlosigkeit sei der Grund, eine solche Veranstaltung zu besuchen, sondern das gemeinsame Trinken, ohne dafür eine grosse Zeche zu bezahlen. «Wir jungen Leute wissen meistens genau, was wo hingehört: Lernen auf Prüfungen, Laborberichte schreiben, Vorstellungsgespräche finden nun mal meistens von Montag bis Freitag statt.» Das Wochenende sei dagegen in der Regel für Spass reserviert, dazu gehöre ein Kinobesuch oder ein Pokerabend genauso wie sich «auch mal heillos betrinken».

In verschiedenen Zuschriften wird dagegen ein Verbot für Alkoholkonsum im öffentlichen Raum verlangt, wie es verschiedene Länder bereits kennen. Doch befinden sich jene, die auf Repression setzen, in der Minderheit. Das sei ein «Kampf gegen Windmühlen» und überdies seien nicht zuletzt die vielen Verbote Auslöser solcher Aktionen. «Unerträglich, diese ewige Bevormundung aus den Amtsstuben von Bern.» Zuweilen tauchen Argumente auf, welche an die Zeiten der Zürcher Unruhen erinnern: «Als wir jung waren, gabs das AJZ, wir rauchten Pot - je mehr wir aneckten, desto grösser wurden wir.» Verschiedene Voten erinnern daran, dass es sich dabei nicht um ein neues Phänomen handelt: «Na regt euch bloss nicht auf, wer hat als Jugendlicher keinen Schwachsinn verbrochen?» Oder: «Später werden die Jungen dann Steuern zahlen und damit das Ungemach ihrer eigenen Kinder aufräumen lassen.» Ein Jugendlicher kehrt den Spiess um: «Aus euch wurde auch keine ganze Generation versoffener Versager.» Und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass solche Sauforgien nicht ein spezifisches Jugendproblem seien: Verbietet doch die Basler Fasnacht, das Sechseläuten, die Street Parade oder das Schützenfest - «alles Sauffeste unserer Gesellschaft»! Aber auch: «Alkohol ist nicht nur bei öffentlichen Besäufnissen, sondern vor allem im familiären Umfeld ein Problem.»

«Bezahlt die Unkosten selber»

Viele Leute, auch solche, die sich explizit gegen Verbote aussprechen, ärgern sich darüber, dass Abfall und andere «Überbleibsel» der Saufparty auf Kosten der Allgemeinheit entfernt werden müssen: «Besauft euch, aber bitte bezahlt die Unkosten für das ganze Gek..., Gep..., und Gesch... selber!» Und die Politik solle endlich dafür sorgen, dass alle Notfälle in Sachen Alkohol von den Besoffenen selber bezahlt werden.

Die Zitate im Text sind gekürzt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2008, 23:36 Uhr

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