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Uni-Spital: Kasse machen mit Toten

Von Susanne Anderegg. Aktualisiert am 18.01.2011 15 Kommentare

Stirbt im Uni-Spital ein Patient, zahlen die Angehörigen 25 Franken für die Rasur des Toten. So kommen gegen 10'000 Franken jährlich zusammen. Das Geld teilen die Präparatoren unter sich auf. Dabei hat sich ihr Chef jahrelang bereichert.

Erhält Schwarzgeld: Das Universitätsspital Zürich weist das Rasiergeld nicht auf dem Lohnausweis auf.

Erhält Schwarzgeld: Das Universitätsspital Zürich weist das Rasiergeld nicht auf dem Lohnausweis auf.
Bild: Keystone

Ein besonderer Beruf

Der Präparator hat im Wesentlichen zwei Aufgaben: Er assistiert dem Pathologen bei der Autopsie von verstorbenen Patienten und richtet die Toten danach wieder schön her. Und er präpariert auch alle anderen im Spital Verstorbenen. Er rasiert sie, wenn von den Angehörigen gewünscht, zieht sie an und legt sie in den Sarg. Früher sei Präparator ein reiner Männerberuf gewesen, sagt Holger Moch, der Direktor der Klinik für Pathologie im Zürcher Uni-Spital. Seit einigen Jahren würden sich aber auch regelmässig Frauen für den Job bewerben. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufslehre, meist haben die Präparatoren einen Gesundheitsberuf. In der Klinik für Pathologie erhalten sie dann berufsbegleitend über 3 Jahre eine Zusatzausbildung. Die Berufsgruppe der Präparatoren ist klein. Im Uni-Spital Zürich gibt es drei. Früher waren es mehr. Ihre Arbeit nimmt ab. Einerseits nehmen Angehörige die Patienten immer häufiger zum Sterben nach Hause. Anderseits ist die Zahl der Autopsien seit Jahren rückläufig. 1994 wurde im Kanton Zürich die Rechtslage geändert: Die Angehörigen müssen einer Autopsie zustimmen. Vorher durften die Pathologen die Körper öffnen, wenn die Angehörigen dies nicht explizit untersagt hatten. Moch bedauert den Rückgang sehr: «Die Autopsie ist ein wichtiges Kontrollinstrument für die Ärzte, sie dient der Qualität.» 2010 wurden im Zürcher Uni-Spital rund 400 Autopsien durchgeführt, etwa die Hälfte davon bei Verstorbenen aus dem Uni-Spital. Insgesamt starben dort im vergangenen Jahr rund 800 Menschen.

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Es ist eine Tradition, die man in andern Spitälern nicht kennt: Die Präparatoren des Universitätsspitals Zürich erhalten, sozusagen als Trinkgeld, das sogenannte Rasiergeld. Rund 700 Franken monatlich, verteilt auf drei Personen. In bar, ohne Sozialabgaben und an den Steuern vorbei.

Und das geht so: Im Uni-Spital werden Angehörige von verstorbenen Patienten im Büro Nummer 18 in der Nähe des Haupteingangs betreut. Dort kümmert sich ein freundlicher Herr um alles Nötige. Ist der Tote ein Mann, fragt er die Angehörigen, ob man ihn rasieren soll. Rasur und Schönmachen kosten 25 Franken, dazu kommen weitere Beträge für Totenhemd und Kissen (45 Franken) sowie die Einsargung (75 Franken). Andere Spitäler stellen zwar auch Rechnung, wenn ihre Pathologiemitarbeiter verstorbene Patienten einsargen; doch fürs Rasieren gibt es keinen Extra-Posten. Das Spital Zollikerberg etwa verlangt pauschal 250 Franken. Das Rasiergeld scheint eine Besonderheit des Uni-Spitals zu sein, ein alter Zopf. Inhaltlich wird es damit begründet, dass das Rasieren eine spezifische und schwierige Aufgabe des Präparators sei. Denn die Haut eines Toten ist dünn, der Präparator muss sehr sorgfältig arbeiten, um sie nicht zu verletzen.

15 Jahre lang Mitarbeiter geprellt

Früher habe jeweils der Herr von Büro 18 das Rasiergeld persönlich in die Pathologie gebracht und es couvertweise an die Mitarbeiter im Präparatorenteam verteilt, erinnert sich ein Insider. Später sei man dazu übergegangen, dass er die Rechnungsbelege an die Hauptkasse leitet und jemand von der Pathologie dann das Geld dort abholt. Derzeit ist das die Aufgabe einer Sekretärin, und das Rasiergeld wird danach zu gleichen Teilen an den Chefpräparator und seine zwei Mitarbeiter verteilt. So wie es der Tradition entspricht.

Nüchtern betrachtet, ist das Rasiergeld Schwarzgeld. Es erscheint in keiner Lohnabrechnung. Und damit nicht genug: Bei seiner Verteilung wurde auch noch gemauschelt. Laut «Tages-Anzeiger»-Informationen bereicherte sich der Chefpräparator während rund 15 Jahren auf Kosten seiner Kollegen. Diesen habe er jeweils nur ein Drittel des Gesamtbetrages gegeben, zwei Drittel habe er in den eigenen Sack gesteckt. So erzielte er Zusatzeinkünfte von schätzungsweise gegen 6000 Franken jährlich. Hochgerechnet auf 15 Jahre ergibt dies eine stolze Summe.

Niedriger Lohn für harte Arbeit

Als die Sache aufflog, musste der Chefpräparator seinen geprellten Mitarbeitern je 5000 Franken als Wiedergutmachung zahlen. Obwohl die Empörung der Angestellten in der Pathologie gross war, wollte Klinikdirektor Holger Moch den Chefpräparator nicht höher bestrafen. Juristisch habe man ihm keine Verfehlung nachweisen können, sagt Moch gegenüber dem TA. Der Mann sei aber von der Klinikleitung verwarnt worden, weil er sich unfair verhalten habe. Und man habe sichergestellt, dass fortan eine neutrale Stelle die Verteilung kontrolliere. Moch betont, dass der Chefpräparator seit 30 Jahren am Uni-Spital arbeite, ein ausgewiesener Fachmann sei und sich überdies sehr für seinen Berufsstand engagiere.

Dass die Präparatoren das Rasiergeld als Zusatzentgelt bekommen, rechtfertigt Moch mit ihrem relativ tiefen Lohn für eine anspruchsvolle Arbeit: Dieser liege zwischen 5500 und 6500 Franken brutto. Weshalb der Betrag nicht auf dem Lohnausweis erscheint, kann Moch nicht sagen, und auch Mediensprecherin Petra Seeburger hat keine Erklärung dafür. Beide betonen, dass die Beträge auf Jahre zurück dokumentiert seien und über die zentrale Patientenadministration ausbezahlt wurden. Seeburger kündigte an, das Uni-Spital werde die Regelung nun «grundlegend überarbeiten».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.01.2011, 23:28 Uhr

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15 Kommentare

Max Tobler

18.01.2011, 08:57 Uhr
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@ roland moser: Sie wissen schon, dass Pflegefachfrauen keinerlei Trinkgelder annehmen dürfen! Bitte verbreiten Sie nicht solche Unwahrheiten nur um eine Berufsgruppe, die weiss Gott nicht überbezahlt ist zu diffamieren und Neid zu schüren. Was das Schwarzgeld der Präparatoren angeht: sowas geht gar nicht! Der normale Bürger muss jeden Franken abliefern und solche Typen kassieren Schwarz ab: Antworten


Christoph Stahl

18.01.2011, 08:50 Uhr
Melden

Sagt mal wie weit geht Euer Futterneid eigentlich noch? Ich glaube ich spinne. Jetzt haben die offenbar plus-minus CHF 250.--/Monat persönlich "bezogen" weil sie LEICHEN rasiert haben. Wenn das für Euch ein Problem ist dann möchte ich gerne Euer Leben haben....ihr habt keine Probleme sondern Euch ist Langweilig (was auch ein Problem sein kann zugegebenermassen!) Antworten



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