Zürich
Universität Zürich lässt Millionenspende versickern
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 12.08.2011 17 Kommentare
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Normalerweise fehlt einem Forscher das Geld, um seine Projekte realisieren zu können. In diesem Fall ist es gerade umgekehrt: Das Geld in der medizinischen Fakultät der Universität Zürich für einen Geriatrie-Lehrstuhl war zwar da, doch der Forscher fehlt noch immer.
In den 90er-Jahren hatten sich Personen aus dem Gesundheitsbereich und der Universität Zürich starkgemacht für eine Professur für Geriatrie und Altersforschung sowie einen Spender gesucht, der diese finanziert. Die Geriatrie wird in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen, weil in zwanzig Jahren bereits jeder vierte Schweizer über 65 Jahre alt sein wird. Die Geldsuche war denn auch erfolgreich, im Jahr 2000 verkündete Regierungrat Ernst Buschor (CVP) im Kantonsrat: «Ich bestätige Ihnen, dass wir jetzt eine definitive Zusage von 2,5 Millionen Franken haben.» Die Zusicherung sei definitiv. Das Geld stammte von der Firma Pfizer, dem grössten Pharmaunternehmen der Welt.
Grabenkämpfe innerhalb der Universität
Im März 2002 wurde die Pfizer-Stiftung für Geriatrie & Altersforschung gegründet. Stiftungszweck: «Führung und/oder finanzielle Unterstützung einer Professur für Geriatrie & Altersforschung sowie Unterstützung damit zusammenhängender Forschungsaktivitäten.» Geforscht werden sollte im Bereich der geriatrischen Medizin. Der Regierungsrat sah die Universität Zürich in der Gerontologie auch dank des geplanten Lehrstuhls zur «führenden Institution für die gesamte Deutschschweiz» aufsteigen, wie er dem Kantonsrat schrieb.
Doch dann bekam die schöne Geschichte erste Risse. Innerhalb der Universität Zürich sei es zu Grabenkämpfen gekommen, als es um die Frage ging, ob eher der klinische oder der theoretische Teil bei der Professur im Vordergrund stehen solle. Dies sagt jemand, der die Vorgänge kennt, aber anonym bleiben will, weil er Repressalien befürchtet. Weder die Universität Zürich noch Pfizer wollen erklären, weshalb die Besetzung des Lehrstuhls zehn Jahre dauerte. «Zur Dauer bis zur Schaffung des Lehrstuhls möchten wir aus Sicht der Stiftung keine Aussagen machen, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist und die Errichtung die Aufgabe allein der Universität ist», schreibt Stiftungspräsident Johann Steurer, Leitender Arzt des Universitätsspitals Zürich.
Pfizer teilt mit, man habe dieser Stellungnahme «nichts hinzuzufügen». Der Pharmahersteller wollte sich auch nicht dazu äussern, ob die Firma der Universität Zürich künftig weniger oder kein Geld mehr spenden wolle. Pfizer unterstützt beispielsweise die Herz-Kreislauf-Forschung an der Universität Zürich im Rahmen einer strategischen Allianz mit umgerechnet rund 7,5 Millionen Franken von 2007 bis 2011.
Den Stiftungszweck geändert
Die Spende von 2,5 Millionen Franken ist mittlerweile fast aufgebraucht. Rund 100'000 Franken sind noch übrig. Ein Teil der Gelder wurde ins Projektzentrum für Alter und Mobilität investiert. Das Zentrum ist aus einer Zusammenarbeit zwischen Universität und Waidspital entstanden und erforscht im Besonderen Therapien bei chronischen Erkrankungen älterer Menschen. Damit das Geld dafür überhaupt ausgegeben werden konnte, musste im August 2008 der Stiftungszweck geändert werden. Neu können auch «Projekte und Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Geriatrie und Altersforschung unabhängig von der Pfizer-Professur» unterstützt werden. Der Stiftungsrat besteht aus vier Mitgliedern, darunter ein Mitarbeiter von Pfizer.
Der Pharmamulti sei alles andere als erfreut gewesen über das schleppende Vorgehen, sagt der Informant. Pfizer habe nämlich in den Jahren nach der Stiftungsgründung schöne Gewinne eingefahren und befürchtet, dass Aussenstehende die Millionenspende als eine Art Steueroptimierungstrick sehen könnten, weil nie ein Lehrstuhl geschaffen wurde.
Lehrstuhl für Innere Medizin ersetzt
Offenbar konnten die Gräben zugeschüttet werden. Ende Mai schaltete die Universität Zürich nämlich Stelleninserate für eine Professur für Geriatrie und Altersforschung, unter anderem in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit». Unter «Ihre Aufgaben» steht an erster Stelle: «Wille und Befähigung bereichsübergreifend mit den in die Altersversorgung involvierten Institutionen spitalintern und -extern eine intensive Zusammenarbeit aufzubauen.»
Die Bewerbungsfrist ist am 30. Juni abgelaufen. Offenbar sind mehrere vielversprechende Dossiers eingetroffen. Nach einem längeren Auswahl- und Ernennungsprozedere sollte der Lehrstuhl in der ersten Hälfte des kommenden Jahres besetzt sein.
Dass diese Professur trotz fast leerer Spendenkasse überhaupt geschaffen werden konnte, liegt daran, dass ein Lehrstuhl für Innere Medizin nicht mehr besetzt wurde und jetzt neu ausgerichtet wird. Damit schliesst Zürich zu den Universitäten Basel, Genf und Bern auf, die teilweise schon seit Jahren einen Lehrstuhl für Geriatrie haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.08.2011, 07:35 Uhr
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17 Kommentare
Am Stammtisch würde man wohl sagen, an der Uni Zürich wirke ein ziemlicher S..haufen. Ist die Uni nicht eine kantonale Institution? Hinter welchen faulen Ausreden versteckt sich der Regierungsrat diesmal, weil er den Herren im Elfenbeintürmchen nicht auf die Finger klopfen will...? Antworten
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