Zürich
«Unsere Weihnachtsbeleuchtung hing eine kleine Ewigkeit»
Interview: Claudia Imfeld. Aktualisiert am 19.11.2009 78 Kommentare
«Weder wollen noch können wir es jedem Recht machen»: Die Architekten und ETH-Assistenzprofessoren Matthias Kohler und Fabio Gramazio. (Bild: TA)
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Um 16 Uhr ist es soweit
Die Installation «World's largest timepiece» der Architekten und ETH-Assistenzprofessoren Matthias Kohler und Fabio Gramazio begehrt ein letztes Mal auf: Um Punkt 16 Uhr wird die wohl umstrittenste Beleuchtung der Welt in der Bahnhofstrasse angeknipst. Gesteuert wird sie per Computer. Ab dann leuchten die 275 Leuchtstäbe bis am 3. Januar 2010. Leuchtzeit ist jeweils von morgens 6.30 bis 8 Uhr und am Abend von 16 bis 24 Uhr. Am 24. und 25. Dezember bleiben die Lichter bis 1 Uhr morgens an, an Silvester bis 3 Uhr früh, wie das EWZ in einer Mitteilung schreibt.
Eigentlich hätten die Röhren schon letztes Jahr ihrem Nachfolger namens «Lucy» Platz machen sollen. Doch die Umsetzung der neuen Idee erwies sich als aufwändiger als erwartet. Geplant ist, dass die rund 150'000 Leuchtdioden 2010 installiert werden.
Was nach dem 3. Januar mit den Leuchtröhren von Gramazio und Kohler geschieht, ist laut Markus Hünig, Präsident der Vereinigung Züricher Bahnhofstrasse, noch offen: «Wir würden sie gerne unter dem Begriff Lichtkunst verkaufen.» (cim/sda)
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Heute Nachmittag um 16 Uhr wird Ihre Weihnachtsbeleuchtung ein letztes Mal eingeschaltet. Was ist das für ein Gefühl?
Wir freuen uns wie jedes Jahr mit unseren Familien wieder durch die Bahnhofstrasse zu flanieren. Inmitten der Weihnachtshektik gönnen wir uns bewusst etwas Zeit, das Lichtspiel auf uns wirken zu lassen. Abschiedsstimmung kommt inzwischen nicht mehr auf. Fünf Jahre sind in unserer schnelllebigen Zeit für eine Beleuchtung ja bereits eine kleine Ewigkeit.
Ist für die letzte «Saison» etwas Spezielles geplant, als Abschied?
Das hätten wir sehr gerne getan, denn Teil dieses Entwurfs ist, dass die Lichtgestaltung verändert werden kann. Die anhaltend polemische Diskussion rund um die Lichtfarbe hat diese Weiterentwicklung allerdings verunmöglicht.
Die Beleuchtung hat polarisiert: Wie sind Sie mit der Kritik umgegangen?
Uns war bewusst, dass «The world's largest timepiece» ein radikales Projekt ist — dennoch waren auch wir von der Heftigkeit der Reaktionen überrascht. Es ist äusserst selten der Fall, dass ein Bauwerk nicht nur von einem interessierten Bevölkerungsteil, sondern von allen Bewohnern einer Stadt beurteilt wird. Im Fall der Weihnachtsbeleuchtung wurde gar eine öffentliche Diskussion über die Bedeutung von Weihnachten entfaltet, was wir bemerkenswert finden. Persönlich haben wir dadurch erfahren, dass wir es weder jedermann recht machen können noch wollen.
Würden Sie heute etwas anders machen?
Natürlich würden wir nach dieser Erfahrung mit einem veränderten Blick an die Aufgabe gehen sowie neue technologische Möglichkeiten in Betracht ziehen — zum Beispiel war warmweisse LED-Lichttechnik 2005 schlicht und einfach zu teuer.
War Zürich der falsche Ort für dieses Kunstobjekt?
Zürich war die richtige Stadt. Die Jury des internationalen Wettbewerbes und wichtige Entscheidungsträger haben es möglich gemacht ein Projekt zu realisieren, bei dem klar war, dass es sich keinem vermeintlichen Volksgeschmack anbiedert. Wenn immer wir die Weihnachtsbeleuchtung an Vorträgen im Ausland präsentieren, sind die Fachkollegen fasziniert vom Projekt und der offenen Haltung Zürichs.
Haben Sie Anfragen aus dem In- oder Ausland bezüglich der Beleuchtung?
Lichtprojekte sind für unser Büro neben klassischeren Bauaufgaben nach wie vor interessant. Wir haben weitere Lichtprojekte realisiert, unter anderem eine ganze Parkbeleuchtung, die auf Passanten reagiert, das heisst, die sich erhellt, wenn sich Personen nähern und sich verdunkelt, wenn niemand in der Umgebung ist.
Würde es Sie freuen, wenn das Timepiece andernorts einen neuen Platz finden würde?
Was mit dem Werk passiert, ist Sache der derzeitigen Eigentümerin EWZ sowie der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse. Als Autoren würden wir natürlich gerne unser Einverständnis geben wollen, sollte die Beleuchtung an anderer Stelle ein zweites Leben bekommen.
*Das Interview wurde schriftlich geführt.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.11.2009, 17:19 Uhr
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78 Kommentare
Warum wird diese Beleuchtung nicht einfach von Januar bis März an der Bahnhofstrasse aufgehängt? Der Begriff "Lichtkunst" trifft ja auf das Timepiece eigentlich viel eher zu. Auch wenn es als Weihnachtsbeleuchtung zugegebenermassen etwas danebengegriffen war, ist und bleibt es doch eine interessante Stadtbeleuchtung. Antworten
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