VBZ vergeben Grossauftrag für neue Trams

Die VBZ braucht 70 neue Trams. Sechs Firmen haben 100 Tage Zeit, um ihre Offerten einzureichen.

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Maximal 43 Meter lang muss das neue Tram sein, 7 Meter länger als die Cobra. Auf tiefem Boden – 100 Prozent Niederflur – muss es mindestens 225 Fahrgäste fassen, angestrebt werden 250, etwa 30 Passagiere mehr als die Cobra. Die zusätzlichen Plätze sind Stehplätze, berechnet mit vier Personen pro Quadratmeter. Es geht aber auch enger, und dann fasst das Tram noch mehr (unglückliche) Fahrgäste. Die Zahl der Sitzplätze bleibt mit 90 gleich; sie sind aus Holz, wie es das Publikum in Umfragen gewünscht hat. Weiter muss das neue Tram klimatisiert sein und die Bremsenergie in die Fahrleitung einspeisen.

Diese Vorgaben sind die Eckwerte eines dicken Pflichtenhefts, das die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) am vergangenen Donnerstag an sechs Hersteller verschickt haben. Wie umfangreich das Heft ist, lässt sich auch daran ablesen, dass die VBZ es Lastenheft nennen. Es handelt sich um jene sechs Rollmaterialhersteller, die im Frühjahr 2011 nach der öffentlichen Ausschreibung die Präqualifikation bestanden haben.

Preisabsprachen befürchtet

Wie sie heissen, verraten die VBZ nicht; sie machen rechtliche Gründe geltend und wollen Preisabsprachen verhindern. Bekannt ist das Interesse der Firmen Bombardier, ( 0.00%) Siemens (SIN 92.76 -1.17%) und Stadler, weil sie mit ihren Spitzenmodellen in Zürich Probe fahren durften. Genannt werden zudem Alstom, Skoda und Vossloh Kiepe aus Düsseldorf. Bis Ende Februar 2013 haben die sechs Firmen jetzt Zeit, ihre Offerten einzureichen. Diese werden dann von den VBZ auf Gelenk und Schweissnaht geprüft. Ende 2013 werden der Stadtrat und der kantonale Verkehrsrat den Sieger küren. Dieser Entscheid wird öffentlich publiziert und kann von einem unterlegenen Konkurrenten angefochten werden. Gemäss den Bestimmungen des öffentlichen Beschaffungswesens muss das wirtschaftlichste Angebot berücksichtigt werden, sofern es dem Pflichtenheft entspricht.

Schon drei Jahre später, im Dezember 2016, sollen die ersten Trams der neuen Generation in Betrieb genommen werden. Sie ersetzen die Fahrzeuge der ersten Serie Tram 2000, die seit 1976 unterwegs sind. 40 Jahre dauert bei den VBZ ein Tramleben. Um die 45 Motorwagen und 15 Anhänger zu ersetzen, werden dank grösserem Fassungsvermögen nur 30 neue Trams benötigt. Das haben die VBZ schon letztes Jahr angekündigt.

Zwei Preise werden verlangt

Doch in der Zwischenzeit haben sie eine zweite Rechnung gemacht: Ab dem Jahr 2025 muss die zweite Serie des Trams 2000 ersetzt werden, die zwischen 1985 und 1988 auf die Schienen gekommen ist. Dazu sind 40 neue Trams nötig. Statt wie geplant jetzt nur 30 Trams zu bestellen, kommen neu auch 70 infrage. Das würde den Preis pro Stück senken, den Unterhalt und die Ausbildung vereinfachen sowie die Fahrgäste erfreuen, weil früher als geplant mehr Trams mit Klimaanlage und Niederflur unterwegs sind. Deshalb müssen die sechs Hersteller in ihren Offerten zwei Preise einreichen: den einen für 30, den anderen für 70 Fahrzeuge.

Hoffnung auf einen guten Preis machen sich die VBZ nicht nur wegen des Mengenrabatts, sondern auch wegen des tiefen Euro und der Abkühlung der Wirtschaft – die Hersteller sind dringend auf Aufträge angewiesen. Zum Vergleich: Die 88 Cobras kosteten pro Stück zwischen 2,99 und 4,3 Millionen Franken (ohne Teuerung). Die Basler Verkehrsbetriebe zahlten letztes Jahr für ein Bombardier-Tram, wie es ähnlich auch Zürich angeboten werden dürfte, 3,6 Millionen Franken. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.11.2012, 10:02 Uhr)

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