Zürich
VBZ-Blockade: Chauffeure beschimpft
Von Christoph Landolt, Jvo Cukas, Simon Eppenberger. Aktualisiert am 20.05.2011 156 Kommentare
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«Unsere Mitarbeitenden waren in den letzten Tagen im Klima der VPOD-Kampfmassnahmen zunehmend Beschimpfungen durch die Fahrgäste ausgesetzt», schreiben die VBZ in einer Mitteilung heute Freitag. Die Verkehrsbetriebe bitten ihre Fahrgäste, «das Engagement der Mitarbeitenden zu würdigen», so die VBZ weiter.
Bis Freitagnachmittag herrschte zwischen der VPOD und den VBZ Funkstille. Nach der Störaktion vom Morgen erklärte VPOD-Regionalsekretär Duri Beer, die Gewerkschaft hoffe, dass durch diese eng begrenzte Aktion Bewegung in die Verhandlungen mit den VBZ und dem Stadtrat komme. Stadtrat Andres Türler teilte am Nachmittag auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch mit, dass die VBZ daran sind, im Hinblick auf einen Gesamtsarbeitsvertrag zu einer ersten gemeinsamen Sitzung einzuladen. Man hoffe sehr auf ein Mitwirken des VPOD. Einen genauen Sitzungstermin konnte Türler noch nicht nennen.
Die Gewerkschaft will jedoch in kurzer Zeit verbindliche Zusagen. Ansonsten werde man weitere Aktionen planen, so Duri Beer. Diese würden aber vorher angekündigt und dann auch grossflächiger ausfallen als die erste vom Freitag. Übers Wochenende allerdings werde nichts passieren und «95-prozentig auch nicht am Montag und Dienstag».
Dutzende zusätzliche Taxis
Nachdem der VPOD die Störaktionen ankündigte, hatten Taxivermittlungen zusätzliche Chauffeure aufgeboten. Alleine Taxi 444 organisierte 20 zusätzliche Fahrer – mehr Arbeit hatten diese aber kaum. «Wir hatten unwesentlich mehr Bestellungen», sagt Grégoire Allet, Geschäftsführer von Taxi 444. Der Strassenverkehr sei sehr flüssig gewesen.
Bei der Konkurrentin Alpha-Taxi ist zu hören, dass das Telefonnetz nicht zusammengebrochen ist. Beide Taxivermittlungen beobachten die Situation laufend. Falls der VPOD am Montag doch noch einen grösseren Streik durchführen will, sitzt zusätzliches Personal am Telefon und sind mehr Taxis als normal unterwegs. Die Stadtpolizei hat keine Hinweise, dass Pendler auf das Auto umgestiegen sind, wie Sprecher Adrian Feubli erklärt.
Schwamendingen betroffen
Heute Morgen gab es vor allem in Schwamendingen während kurzer Zeit leichte Verzögerungen im Betriebsnetz der VBZ, wie deren Sprecher Andreas Uhl erklärt. Sämtliche Stationen auf dem Netz konnten jedoch durchgehend befahren werden.
Wie die VBZ auf die Blockade und die Androhung der VPOD reagiert, nächste Woche härtere Massnahmen zu ergreifen, teilt Stadtrat Andres Türler im Lauf des Nachmittages mit. Die Fronten sind derzeit verhärtet. Die Gewerkschaft fordert einen Rahmen-Gesamtarbeitsvertrag und das Beibehalten des Status als städtische Angestellte für die VBZ-Mitarbeiter.
Normalbetrieb ab 11 Uhr
Während der Blockade des Depots Irchel kamen Ersatzbusse zum Einsatz, wo es zu wenige Trams gab. Diese sind nun nach und nach ausgewechselt worden. Derzeit sollten sämtliche Linien wieder ohne Verspätungen unterwegs sein. Laut VBZ-Sprecher Andreas Uhl waren an der Streikaktion keine Chauffeure der VBZ beteiligt: «Niemand hat heute die Arbeit niedergelegt.»
Ein Autokonvoi und eine Plastikkette blockierten heute Morgen von vier bis neun Uhr das VBZ-Tramdepot Irchel. Rund zwei Dutzend Mitglieder und eine Gruppe Sympathisanten des VPOD waren vor Ort. Die Stimmung war friedlich. Rundherum erinnerten Fahnen und Transparente an die Forderungen der VPOD-Mitglieder und Tramchauffeure. Laut Gewerkschafter Duri Beer seien die VBZ von der Depot-Blockade überrascht worden.
Nun werde man bis Montag abwarten, ob die Stadt auf die Forderungen der VBZ-Chauffeure eingehe. Man wolle nicht nur mündliche, sondern verbindliche Zusagen. Falls die Stadt dies verweigere, werde ein Streikkomitee über weitere Schritte entscheiden. «Wir sind bereit für weitere und härtere Kampfmassnahmen», erklärte Beer.
Die betroffenen Strecken
Dass es sich bei den von der Blockade betroffenen Linien um eher periphere Verbindungen gehandelt habe, könne man nicht sagen, sagte Mediensprecher Andreas Uhl, denn das ganze VBZ-Netz sei sternförmig aufgebaut. «Der VPOD hat richtig angelegt.» Betroffen waren die Linien 5, 6, 7 und 9.
Der VPOD habe sich für das Depot Irchel entschieden, weil die Auswirkungen auf den Tramverkehr minimal seien, sagte Regionalsekretär Duri Beer auf Anfrage. Einerseits handle es sich um ein kleines Depot, anderseits könnten die Linien auch von anderen Depots her auf die Strecke geschickt werden.
Streit um Arbeitsbedingungen
Grund für die Streiks und Aktionen ist ein Konflikt um die Arbeitsbedingungen der Zürcher Tram- und Busfahrer. Unter anderem wehrt die Gewerkschaft sich nach eigenen Angaben gegen Pläne, die Jahresarbeitszeit um über eine Woche zu verlängern. Der VPOD verlangt auch einen Rahmen-Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Fahrpersonal, und es wird um die Länge der bezahlten Arbeitspausen gestritten.
Der VPOD war vor elf Tagen aus den Mediationsgesprächen mit den VBZ ausgestiegen und hatte Kampfmassnahmen angekündigt. Zwar waren Streiks zunächst vertagt worden, nachdem Stadtrat und VBZ Entgegenkommen signalisiert hatten.
Ultimatum verstrichen
Als es jedoch nicht zur vom VPOD geforderten Unterzeichnung einer Vereinbarung bis Donnerstag kam, beschloss die Gewerkschaft den Ausstand.
Mit am Verhandlungstisch sassen auch zwei weitere Arbeitnehmerverbände: Syna und Transfair. Diese sowie die VBZ hatten noch am Donnerstagmorgen eine Einigung in verschiedenen Punkten bekannt gegeben. Allerdings gab es demnach keine Fortschritte in der Frage des GAV und bei den Arbeitspausen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.05.2011, 04:16 Uhr
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