«Velofahrer halten sich sowieso nicht an Verkehrsregeln»

Der Vorschlag, Radfahrer sollten bei Rot rechts abbiegen dürfen, sorgt bei den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet für heftige Reaktionen. Einige befürchten, dass dann auf Zürichs Strassen ein Chaos ausbrechen würde.

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Fahrradfahrer sollen bei Rot rechts abbiegen dürfen, das ist der Vorschlag der beiden Gemeinderäte Matthias Probst (Grüne) und Marcel Schönbächler (CVP). Der Gemeinderat behandelt das entsprechende Postulat voraussichtlich in der nächsten Sitzung am 31. Oktober. Es ist als achter Vorstoss auf der Tagliste traktandiert.

Knapp 400 Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser haben bereits jetzt ihre Stimme abgegeben: 62 Prozent wollen, dass Velofahrer auch bei Rotlicht rechts abbiegen dürfen. Der Kommentarschreiber Oliver Lang ist einer von ihnen: «Ob mit Velo oder Auto: Man sollte generell rechts abbiegen dürfen. Das ist in den USA auch erlaubt und funktioniert dort wunderbar», schreibt Lang. Auch Richard Henning verweist auf das Ausland. In Frankreich würden orange Pfeile diejenigen Abzweigungen markieren, die auch bei Rot befahrbar sind – für Fahrräder gleichermassen wie für Autos. Das laufe einwandfrei.

Dass sich gerade die FDP und die SVP gegen das Rechtsabbiegen bei Rot wehren, bezeichnet Emanuel Müller als typisch: «Ausgerechnet jene Parteien, die sich für mehr individuelle Freiheiten der Bürger einsetzen, wollen die Mobilität einschränken. Das zeigt, dass es für diese Parteien nur Autopolitik gibt.»

«Noch unklarere Verhältnisse»

Was sich in den Staaten, in Frankreich und Kopenhagen bewährt hat, muss in Zürich nicht zwingend funktionieren, glaubt Kaya Wirth: «Im Ausland geht das vielleicht, aber nicht mit den rücksichtslosen Velofahrern in Zürich. Die fahren jetzt schon, wie sie wollen.» Auch andere Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet halten eine Änderung der Verkehrsregeln für überflüssig. Kurt Aegeri kann dem Vorschlag aus dem Lager der Grünen und der CVP nichts abgewinnen: «Noch unklarere Verhältnisse beim Interpretieren von einfachsten Verkehrsregeln? Nein danke.»

«Die Velofahrer halten sich sowieso nirgends an die Verkehrsregeln. Nun sollen sie das Rotlicht überfahren dürfen? So ein Stumpfsinn. Gibt es nicht schon genug Tote im Strassenverkehr?», fragt Angelo Stoffel.

«Nur unsinnige Regeln werden übertreten»

Die Forderung sei schlicht überflüssig, schliesslich würden die meisten Zürcher Velofahrer ohnehin kein Rotlicht respektieren, egal in welche Richtung, sagt Bruno Gyr: «‹Rot-Radler› sollten mit 250 Franken gebüsst werden, so wie die Autofahrer auch.» Werner Caviezel geht in seiner Forderung noch weiter: «Denjenigen Velofahrern, die einen Führerschein besitzen, sollte dieser auch gleich abgenommen werden, wenn sie Verkehrsregeln missachten.»

Wenn Velofahrer bei Rot rechts abbiegen dürfen, befürchtet Bruno Alig, dass es ihnen Rollerfahrer gleichtun: «Das Chaos wäre perfekt.» Urs Brunner hingegen glaubt, dass die meisten Verkehrsteilnehmer die Regeln nur dann brechen, wenn sie keinen Sinn machen: «Wenn man solche Regeln ändert, gäbe es auch weniger Verstösse.» (lcv)

(Erstellt: 26.10.2012, 12:54 Uhr)

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