Velolifte auch für Zürich

Der Stadtrat muss abklären, ob und wo an steilen Strassen in Zürich Velolifte gebaut werden könnten – gegen seinen Willen.

Alternative Möglichkeit, um den Berg hochzufahren: Velolift in Trondheim.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

12 Prozent aller Wege in der Stadt Zürich sollten heute mit dem Velo zurückgelegt werden. Aber dieses Ziel hat der Stadtrat weit verfehlt, wie der Grünliberale Guido Trevisan an der gestrigen Gemeinderatsitzung kritisierte. Das Problem: Das Stadtzentrum sei durch Hügelketten richtiggehend eingekesselt, das Velofahren deshalb schlicht zu anstrengend: «In Zürich stehen die Velofahrerinnen und -fahrer oft am Berg.»

Die Lösung: Velolifte. Gerade in den Aussenquartieren an Hanglagen wie in Höngg, Witikon oder Hottingen könnten die Lifte die Bevölkerung dazu bewegen, das Velo vermehrt zu benutzen, sagte Guido Trevisan. Wie eine Erhebung zeige, stiegen gerade die Einwohner in Aussenquartieren seltener aufs Velo als die übrigen Zürcher.

E-Bikes brauchen keinen Lift

Das Echo auf den grünliberalen Vorstoss war gemischt: «Ausgerechnet die Partei, welche lautstark die 2000-Watt-Gesellschaft fordert, will einen Velolift bauen», höhnte Martin Bürlimann (SVP). Dabei seien die Velofahrer doch einfach zu bequem zum Trampen.

Nach Ansicht von Alexander Jäger (FDP) ist heute ein Velolift völlig überflüssig. Jene Zürcherinnen und Zürcher, die es nicht den Berg hinaufschafften, hätten sich längst ein E-Bike zugelegt. Die elektrischen Velos erlebten zurzeit einen wahren Boom. Gemeinderätin Claudia Rabelbauer (EVP) gab sich ebenfalls skeptisch: «Ein Velolift steht ohnehin nie dort, wo man ihn braucht. Und wenn doch, dann ist er defekt.»

Selbst die Tiefbauvorsteherin Ruth Genner (Grüne) reihte sich unter die Gegner ein: In Zürich werde es keinen Velolift geben, sagte sie. Ein längerer Lift sei in der Stadt nirgends realisierbar und zudem «ermüdend für den rechten Fuss». Es sei auch fraglich, ob er überhaupt bewilligt würde. Der weltweit einzige Velolift im norwegischen Trondheim sei dieses Jahr abgebaut worden, weil er die Sicherheitsbestimmungen nicht mehr erfüllt habe und in der Schweiz seien sie kaum weniger streng.

«Prüfenswerte Idee»

Unterstützung bekam Trevisan von SP und Grünen. SP-Sprecherin Simone Brander erachtete einen Velolift als innovative Idee, die zumindest geprüft werden sollte. Markus Knauss, Fraktionschef der Grünen, glaubte, dass sich in Zürich mit einem Velolift mit wenig Aufwand eine grosse Wirkung erzielen liesse. Es sollten nicht noch mehr Zürcherinnen und Zürcher auf Elektrovelos umsteigen; wie diese in hohem Tempo auf Kreuzungen zuführen, sei äusserst gefährlich.

Dank SP und Grünen fanden die Velolifte der Grünliberalen eine Mehrheit: Der Rat überwies das Postulat mit 64 zu 53 Stimmen. Heute Donnerstag präsentiert die Stadt den lange angekündigten Masterplan Veloverkehr. Tagesanzeiger.ch hält Sie auf dem Laufenden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.11.2012, 07:33 Uhr)

Artikel zum Thema

Mit dem Velo ohne Anstrengung bergauf

Winterthur hat provisorisch zwei Lifte für Velos eingeplant. Damit sollen Velofahrer ohne Anstrengung den Berg hinauf fahren. Mehr...

Wie der Kanton das Velo fördert

Der Kanton Zürich will das Velofahren fördern. An einem Ort setzt er deshalb auf Videoüberwachung, wie Anselm Schwyn vom Amt für Verkehr erklärt. Mehr...

«Das Velo ist in Zürich ein Schönwetter-Verkehrsmittel»

Die Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wünschen sich dänische Verhältnisse auf Zürichs Strassen. Denn unter der aktuellen Veloführung würden auch die Autofahrer und Fussgänger leiden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Lokalverzeichnis

Die Welt in Bildern

Der Mars ist aufgegangen: Eine Mehrfachbelichtung zeigt die verschiedenen Phasen der Mondfinsternis, wie sie am 15. April auch in Canyon, Minnesota, beobachtet werden konnte.
(Bild: Brian Mark Peterson) Mehr...