Verantwortungübernehmen

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In einer grosszügigen Gesellschaft lebt es sich besser. Neues und Unbekanntes zuzulassen, erhöht die Qualität des Zusammenlebens. Dem Zürcher Botellón vom letzten Freitag hat der Stadtrat deshalb richtigerweise eine Chance gegeben. Grosszügigkeit hat aber eine nicht verhandelbare Voraussetzung: den Willen und die Fähigkeit, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.

Entsprechend eindeutig ist jetzt das Resultat. Das alkoholselige Treffen am Zürichsee hat eine riesige Sauerei hinterlassen. Die Reinigung der Blatterwiese, auf der nun jeder Grasbüschel praktisch zweimal umgedreht werden muss, kostet Zehntausende von Franken. Und niemand trägt Verantwortung. Ob jemand dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist fraglich.

Daraus ergibt sich für allfällige weitere Veranstaltungen dieser Art eine klare Ausgangslage: Genauso wie die Street Parade oder politische Demonstrationen sind Botellones nur noch zu erlauben, wenn klar bezeichnete Organisatoren vorher schriftlich ihre Verantwortung dafür übernehmen und bereit sind, Auflagen zu befolgen.

Zürich ist mit Recht stolz auf seine hohe Lebensqualität. Deshalb darf sich die Bevölkerung diese Abfallorgie einer Minderheit nicht gefallen lassen. Weder im Central Park in New York noch im Hyde Park in London würden solche Verschmutzungen gestattet.

Der Botellón macht aber ein viel tiefer liegendes Problem offenkundig: unseren dekadenten Umgang mit dem öffentlichen Raum. Sobald wir privaten Grund und Boden verlassen, fühlt sich nur noch eine Minderheit verantwortlich. Grossanlässe erheben auf ihren Eintrittspreisen längst eine Gebühr, um die anschliessenden Räumungsarbeiten zu finanzieren. Wir haben als Gesellschaft offenbar verlernt, mit öffentlichem Grund und Boden respektvoll umzugehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2008, 23:47 Uhr

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