Zürich
Verkehr um ein Drittel zurückgegangen
Flama – die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung
Die erste Etappe im Bau der flankierenden Massnahmen steht vor dem Abschluss; sie galt zur Hauptsache dem Umbau der Schimmel- und Seebahnstrasse. Diese führten vor der Westumfahrung den Durchgangsverkehr doppelspurig von der Sihlhochstrasse in Richtung Hardbrücke/A 1. Ab Montag, 2. August, wird die Seebahnstrasse in beiden Richtungen befahren. Sie ist keine Durchgangsachse mehr, sondern eine innerstädtische Hauptverbindung, über die sich der Verkehr in die Quartiere verteilt. Die Verkehrsmenge wird sich um 10 bis 20 Prozent erhöhen.
Gleichzeitig wird die Achse West-, Sihlfeld- und Bullingerstrasse für den Durchgangsverkehr gesperrt. Doch die grosse Ruhe kehrt dort erst Ende 2011 ein, wenn die Werkleitungen ersetzt und die Strassen zu Quartierstrassen mit Tempo 30 umgebaut sind. Dann aber werden sie 80, gar 90 Prozent weniger Verkehr haben als vor der Inbetriebnahme der Westumfahrung.
Wo immer möglich werden die Trottoirs in diesen neuen Quartierstrassen breiter und Bäume gepflanzt. Neue Plätze entstehen: Der Brupbacherplatz an der Kreuzung Sihlfeld-/Zentralstrasse oder der Anny-Klawa-Platz an der Ecke Sihlfeld-/Agnesstrasse. Beide Plätze ehren verdiente Sozialistinnen und Sozialisten – so wollte es einst die Strassenbenennungskommission unter dem Vorsitz von Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP). Aus dem Bullingerplatz wird eine Begegnungszone mit Tempo 20 und Vortritt für die Fussgänger. Das seien keine designten Plätze, versicherte Andrea Leuenberger, Projektleiterin Gestaltung im Tiefbauamt. Ziel sei, Raum zu schaffen für die Quartierbewohner und für die Menschen zu Fuss und auf dem Velo. Eine weitere Massnahme gilt der Birmensdorferstrasse: nur noch zwei Autofahrspuren, Tempo 50 statt 60, Velospur und Ampeln auf der Waldegg und bei der Albisriederstrasse. (jr)
Stichworte
Vor über einem Jahr, am 4. Mai 2009, wurde der Uetlibergtunnel eröffnet; im November folgte die Eröffnung der A 4 im Knonauer Amt. Die 40-jährige Westtangente zwischen Hardbrücke und Sihlhochstrasse hatte endlich ausgedient. Flankierende Massnahmen, zuerst meist provisorisch, lenkten den Verkehr auf die Autobahn. Gestern präsentierte die Stadt die Ergebnisse der Verkehrszählungen, die über ein Netz von Messstellen in den Fahrbahnen erfolgten. Das Fazit ist positiv, die Verkehrsverlagerungen entsprechen meistens den Berechnungen und Erwartungen der Dienstabteilung Verkehr.
- Im Gebiet der ehemaligen Westtangente nahm die Verkehrsmenge um 35 Prozent oder 25'000 Fahrzeuge pro Tag ab. Zuvor waren es täglich 69'000 Autos und Lastwagen gewesen.
- 85 Prozent des Schwerverkehrs sind auf die Westumfahrung gewechselt. Die verbliebenen 15 Prozent haben ihr Ziel oder ihren Abfahrtsort in der Stadt.
- Schweighofstrasse: Rund ein Viertel weniger Verkehr im Tagesschnitt in beiden Richtungen.
- Albisriederstrasse: 23 Prozent Zunahme morgens von 6 bis 8 Uhr stadteinwärts, 15 Prozent Abnahme abends von 16 bis 18 Uhr stadtauswärts. Im Tagesschnitt in beiden Richtungen keine Zunahme.
- Birmensdorferstrasse: Minus 25 Prozent stadtauswärts im Tagesmittel, minus
- 19 Prozent stadteinwärts.
- Seebahn-/Weststrasse: Minus 54 Prozent westwärts, minus 42 Prozent ostwärts.
- Albisstrasse/Wollishofen: Keine Veränderung stadtauswärts, minus 7 Prozent stadteinwärts.
- Wehntalerstrasse/Affoltern: Als Autobahnzubringer hat sie morgens 28 Prozent Mehrverkehr. Im Tagesschnitt plus 7 Prozent stadteinwärts und 13 Prozent stadtauswärts.
- Brunaustrasse/Enge: Ist trotz Tempo 30 zum beliebten Schleichweg zwischen A 3 und Seestrasse geworden mit einer Zunahme um 43 Prozent stadteinwärts, in der Morgenspitze gar um 57 Prozent. Die Stadt hat mit versetzten Parkplätzen reagiert und vermehrten Geschwindigkeitskontrollen. Weitere Massnahmen sind geplant.
Stadträtin Ruth Genner (Grüne), die Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, sagte gestern vor den Medien, die flankierenden Massnahmen zur Westumfahrung hätten bereits grosse Wirkung gezeigt. Diesen Erfolg gelte es jetzt zu sichern, unter anderem mit den Massnahmen der zweiten Bauetappe. Der stadtverträgliche Verkehr könne aber nur gemeinsam mit den Nachbargemeinden und dem Kanton erreicht werden. Der Verkehrs-Club der Schweiz erinnerte in einer Mitteilung daran, dass er zusammen mit der Stadt bis zum Bundesgericht musste, um den Kanton zu verpflichten, die flankierenden Massnahmen auf die Eröffnung des Tunnels hin zuzulassen.
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Erstellt: 17.07.2010, 06:46 Uhr
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