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«Vielleicht können wir so das angestaubte Image der SP brechen»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 22.02.2010 8 Kommentare

Die SP11 kämpft mit einem Plüschzebra um die Wählergunst – Giacobbo/Müller machen sich jeden Sonntag darüber lustig. Jetzt sagt der SP-Wahlkampfstratege, wie die Aktion bei seinen Genossen ankommt.

Kultiges Plüschtier: Das Zebra der SP-Wahlwerbung. (Video: Youtube.com)


«Ausziehen wie die Grünen würden sich unsere Kandidaten nicht»: Emanuel Wyler.

«Ausziehen wie die Grünen würden sich unsere Kandidaten nicht»: Emanuel Wyler.

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Emanuel Wyler

Emanuel Wyler ist Mitglied der SP 11 und Teil des Wahlkampfteams der SP Stadt Zürich. Er hat die Idee zum Zebra-Film auf Youtube entwickelt und ist treibende Kraft hinter anderen Wahl-Videos und –Aktionen der Partei.

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Anfang Februar wurde das Plüschzebra der SP Stadt Zürich zum ersten Mal bei Giacobbo/Müller auf SF thematisiert (siehe Link). Seither ist es fester Bestandteil der Satiresendung. Was sagen Sie dazu?
Ich freue mich natürlich darüber. Die Idee, mit einem Zebra unsere Listenstrategie – bisherige Kandidaten werden auf den Listen abwechselnd mit neuen Kandidaten aufgeführt – sichtbar zu machen, ist neu und originell. Es ist zwar ziemlich trashig, aber mit den Knopfaugen spricht es die Leute an. Die Plüschtiere sind übrigens bereits ausverkauft. Wir wollte noch ein Zebra für unsere Standaktionen kaufen, aber in den Läden gab es keine mehr.

Die Komiker Giacobbo/Müller machen in ihrer Sendung aber nicht mehr darauf aufmerksam, dass das Zebra ursprünglich von der SP verwendet wurde. Wollen Sie nun Protest einlegen?
Nein, nein wir werden da nichts machen. Das würde zu weit führen. Sie können das Zebra ruhig weiter verwenden.

Wie kommt man überhaupt auf solche Ideen?
Die Idee kam uns beim Frühstück. Vielleicht waren wir da noch etwas müde (lacht). Wir wollen mit unserem Wahlkampf unsere politische Botschaft so kommunizieren, dass sie von möglichst vielen Leuten wahrgenommen und verstanden wird. Standard hierzu sind Inserate und Flyer mit viel Text. Das erregt aber längst nicht so viel Aufmerksamkeit wie ein witziges Filmchen.

Die SP fällt in diesem Wahlkampf tatsächlich mehr durch Ulk als durch inhaltliche Diskussionen auf. Ist das nicht schädlich für die Partei?
Solche Aktionen machen nur 10 Prozent unserer Aktivitäten aus. Das ist aber auch der Teil, der von den Medien wahrgenommen wird. Es ist ein Teufelskreis, weil man auf die Medien angewiesen ist und die Gefahr besteht, dass man immer grösseren Fokus auf den Ulk legt. Die Alternative wäre allerdings, mit Seriosität unbeachtet zu bleiben.

Gibt es noch eine Hemmschwelle nach unten in diesem Wahlkampf?
Ja sicher. Wir haben jetzt gemacht, was man machen kann. Weiter würde ich nicht gehen – weder mehr solche Sachen noch ulkigere. Ausziehen wie die Grünen zum Beispiel würden sich unsere Kandidaten nicht.

Was sagen gestandene Genossinnen und Genossen zu Ihren unorthodoxen Wahlkampfmethoden?
Natürlich gibt es Leute in der SP, die das nicht gut finden. Ich bemühe mich, ihnen unsere Strategie zu erklären. Es ist klar, dass die Mobilisierung der SP-Stammwähler in dieser heissen Phase wichtig ist. Sie müssen am 7. März an die Urne gehen. Hierzu müssen wir alle im Blick haben und nicht nur die älteren SP-Wählerinnen und -Wähler. Wir haben deshalb unseren Auftritt extrem breit angelegt und sind auf Plakaten, in Inseraten auf Youtube und Facebook präsent. Gerade jüngere Leute und Erstwähler finden unseren bisherigen Wahlkampf supercool. Abgesehen davon, werden auch alte Genossen nicht wegen einem Zebra abspringen. Sie wissen, was die SP geleistet hat und noch leisten wird.

Hat die neue Parteileitung Ihnen mehr Narrenfreiheit gegeben?
Mit dem Wechsel in der Parteiführung hat tatsächlich ein Stimmungswandel in der SP stattgefunden. Unter dem ehemaligen Präsident der SP Stadt Zürich Koni Löpfe hat man solche Sachen nicht gemacht. Damals war aber auch das Umfeld anders. Das Internet wurde kaum genutzt, Gratiszeitungen und Onlinemedien hatten noch nicht den heutigen Stellenwert. Deshalb wurde damals der Fokus auf Inseratekampagnen gelegt. Die SP hat unter anderem dadurch ein angestaubtes Image bekommen. Ich denke, dass wir mit unseren aussergewöhnlichen Ansätzen dieses Image brechen konnten.

Sie befinden sich aber noch im Blindflug: Erst am 7. März wird sich weisen, ob Ihre Strategie funktioniert hat.
Wir wissen auch nach dem 7. März nicht, ob es funktioniert. Es ist praktisch unmöglich herauszufinden, welche Art Wahlkampf zum Erfolg führt. Dazu gibt es schlicht nicht genügend Umfragen und Erhebungen.

Haben Sie denn noch einen Trumpf im Ärmel für die letzten Tage vor dem Wahlsonntag?
Nein, jetzt ist nicht mehr viel zu erwarten. Jetzt geht es einfach noch darum, möglichst viele Leute an Standaktionen oder über Postkartenaktionen zu mobilisieren. Das ist das Wichtigste. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.02.2010, 13:42 Uhr

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8 Kommentare

Tina Müller

22.02.2010, 14:54 Uhr
Melden

Die SP Wahlkampftaktik ist vielleicht trashig, aber das hab ich immer noch lieber als plumpe Fremdenfeindlichkeit. Dieses Zebra beleidigt immerhin keine Volksgruppen. Antworten


Konrad Kuhn

22.02.2010, 15:24 Uhr
Melden

Auch abgesehen Zebras und witzigen Filmchen hat die SP ja einen breiten Leistungsausweis der letzen Jahre und zugleich einiges vor für die nächsten 4 Jahre: nur sie ist Garant dafür, dass es mehr zahlbare Wohnungen in der Stadt gibt, dass der Umbau zu einer ökologischen Gesellschaft weitergeht und dass es soziales Netz besteht, das jene trägt, die unter der Finanzkrise leiden! Antworten



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