Virtuelle Städte in Rekordzeit erbauen
Von Ralph Hofbauer. Aktualisiert am 22.12.2009 2 Kommentare
Auf dem Technopark-Dach: Andreas Ulmer, Simon Schubiger und Stefan Müller Arisona (v.l.) von Procedural. (Bild: Reto Oeschger)
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Rom wurde nicht an einem Tag gebaut, so besagt ein Sprichwort. Mit City Engine lässt sich das alte Rom sehr wohl an einem Tag erbauen, wenn auch nur virtuell. Die Software des Zürcher Unternehmens Procedural vereinfacht das Entwerfen von 3-D-Modellen entscheidend. Der Informatiker Pascal Müller hat im Rahmen seiner ETH-Doktorarbeit vor drei Jahren ein Computerprogramm entwickelt, mit dem sich virtuelle Städte rund zehnmal schneller erstellen lassen als mit gängiger Software.
Die Feuerprobe von City Engine war eine enorm aufwendige Computersimulation: Für das archäologische Projekt «Rome Reborn» haben Forscher der Universität Virginia drei Jahre lang an 300 Gebäuden gearbeitet, um den Stadtkern des antiken Rom detailgetreu nachzustellen. Mithilfe von City Engine konnten die umliegenden 7000 Gebäude in lediglich zwei Wochen entworfen werden. Das Generieren des 3-D-Modells dauerte schliesslich nicht einmal drei Stunden. Gegenwärtig wird die Software im Rahmen eines archäologischen EU-Projekts eingesetzt, um Pompeji zu rekonstruieren.
Ganze Strassenzüge entstehen
Simon Schubiger, Chefentwickler von Procedural, erklärt das Geheimnis hinter City Engine mit einer Metapher: «Mit unserer Software reicht es, das Rezept für das gewünschte Menü einzugeben. Das Kochen übernimmt der Computer.» Musste bis anhin jedes einzelne Gebäude mühselig einzeln entworfen und berechnet werden, lassen sich mit City Engine mit minimalem Aufwand ganze Strassenzüge generieren. Die 3-D-Ansichten lassen sich zudem beliebig modifizieren: «Wenn jemand gegen ein Bauprojekt Einspruch erhebt, lässt sich das Modell sehr schnell an die Vorlagen anpassen», erläutert Schubiger.
Mittlerweile kommt City Engine längst nicht mehr nur in der Archäologie und Architektur zum Einsatz, auch die Unterhaltungsbranche zeigt Interesse für die Software. Unter den über 100 Kunden von Procedural, zu denen unter anderem Microsoft, Boeing und Samsung zählen, befinden sich auch Unternehmen aus der Film- und Computerspielbranche. So arbeiten beispielsweise die Game-Designer von Blizzard bei der Weiterentwicklung des beliebten Rollenspiels Warcraft mit City Engine. «Fantasy-Rollenspiele sind gefragter denn je», sagt Simon Schubiger. Der Boom von virtuellen Welten wie Second Life sei hingegen abgeflaut. «Die Game-Community ist an einem realitätsgetreuen Abbild der Welt offenbar weniger interessiert als an Fantasiewelten.»
Ehrgeizige Expansionspläne
Mittlerweile hat Procedural neun Mitarbeiter, wovon vier Vollzeit in den Büros im Technopark arbeiten. Noch ist die aus Venture-Kapital finanzierte Firma nicht profitabel. Die Wirtschaftskrise habe die Expansionspläne des Start-ups gebremst, erzählt Schubiger. Derzeit ist man auf der Suche nach weiteren Investoren. Die Jungunternehmer hoffen, dass sie künftig auch vom Boom der 3-D-Filme profitieren können. Unlängst wurde die Firma von Special-Effect-Spezialisten aus Hollywood kontaktiert. Ob man mit der Software denn auch Gebäude zerstören könne, wollten sie wissen. Da City Engine nur auf das Bauen von Städten spezialisiert ist, konnte Procedural nicht weiterhelfen. Im Nachhinein haben die Zürcher herausgefunden, dass es sich beim Filmprojekt um Roland Emmerichs Apokalypse-Szenario «2012» handelte. Schubiger: «Die Geheimhaltung in der Filmbranche ist fast noch strenger als beim Militär.»
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2009, 04:00 Uhr


































