Zürich
Vollgesprayter SBB-Zug – Schaden von 50'000 Franken
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 12.08.2010 52 Kommentare
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«3 wholecars beim bhf tiefenbrunnen in zürich schweiz», kündigt das Youtube-Video an. Zu sehen ist eine aus einem Zug gefilmte S-Bahn-Komposition mit sieben Passagierwaggons. Drei davon sind kaum mehr als das zu erkennen: Sprayer haben sie von oben bis unten zugesprüht – «Wholecars» eben. Selbst Fenster, Türen oder Trittbretter wurden komplett vollgesprayt. Gedreht wurde das Video am letzten Sonntag, 8. August. Der Urheber, «Nero0neWriter» gibt an, die Sprayer nicht zu kennen.
SBB-Sprecher Daniele Pallecchi hat für die Sachbeschädigung nur Kopfschütteln übrig: Dass Sprayer Züge beschädigen, ist für die Bahn beinahe Alltag. «Aber die haben gar nichts ausgelassen. Fenster, Türen, Trittbretter – alles ist voll.» Die Waggons wurden von den SBB noch vor dem Einsatz aus dem Verkehr gezogen und müssen nun in Handarbeit gereinigt werden. Die Kosten, die der Vandalenakt verursacht hat, schätzt Pallecchi auf rund 50'000 Franken. Anders als in Sprayerkreisen herumgeboten werde, enthalte dieser Betrag keinen «Strafzuschlag». Die SBB versuchen, den Schaden den Verursachern anzulasten, erklärt Pallecchi. «Wir bringen jede Sprayerei, jedes Tagging, jede Sachbeschädigung konsequent zur Anzeige.»
Rangieren, Ablaugen, Lackieren
Die Reinigung der Züge ist aufwendig: Zuerst muss die chemische Zusammensetzung der Farbe geprüft werden. Erst wenn diese bekannt ist, streichen die SBB-Arbeiter von Hand oder mit Rollern Lauge über die Graffiti. Wenig später kann die angerauhte Farbschicht mit Hochdruckstrahlern oder Bürsten teilweise vom Wagen entfernt werden. «Manchmal kann so die Originallackierung gerettet werden», erklärt Pallecchi. Der SBB-Schriftzug, die Erst-Klass-Markierung und Aufkleber müssen jedoch ersetzt werden.
Teuer werden aber nicht nur das Material und die Arbeitstage, die für die Reinigung aufgewendet werden müssen. Beschädigte Kompositionen müssen mit Rangierloks getrennt werden, die versprayten Wagen in ein Unterhaltswerk gebracht werden, wobei jeder Fahrtkilometer Trasseegebühren verursacht.
Sachbeschädigungen werden immer teurer
Die Schäden, die Vandalen an Zügen verursachen, betragen seit Jahren schweizweit 6 bis 7 Millionen Franken. Gesonderte Zahlen für den Raum Zürich gibt es nicht. Dass die Schadenssumme nicht ansteigt, schreibt Daniele Pallecchi der verstärkten Überwachung zu. «Wir patroullieren vermehrt auf den besser beleuchteten Abstellplätzen und rüsten nach und nach alle Wagen mit Kameras aus.»
Die Zahl der Vandalenakte ist deswegen gar zurückgegangen – gleichzeitig werden die einzelnen Schäden jedoch stetig teurer. «Die Sprayer kommen in Gruppen und greifen auch zu immer aggressiveren Mitteln, um Züge beschädigen zu können.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.08.2010, 12:14 Uhr
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52 Kommentare
Die Wagen mögen jetzt schöner aussehen aber ein Wagen mit zugesprayten Fenstern ist innen dunkel, man kann nicht rausschauen und ausserdem sieht man die Haltestellen nicht. Das kann schnell mal zu der sehr ärgerlichen Sitation führen dass man seine Haltestelle verpasst. Antworten
soviel "Füdlibürgerlichkeit" muss doch schmerzen... oder? Die Graffiti-Kultur in der Schweiz existiert schon über 20 Jahre und in den 90er wurden solche "Wholecars" immer wieder angetroffen. Das beweist, wie beschränkt einige hier sind, dass diese meinen, so ein Bericht macht jetzt die grosse Welle und hätte irgend eine Wirkung. Antworten
Die besprayten Waggons sofort aus dem Verkehr nehmen ist die beste aller Lösungen, denn damit sind die Kunstwreke tot, bevor sie ausser den Bahnangestellten und den "Künstlern" jemand zu Gesicht bekommen hat. Da bleiben den Sprayern nur die Kosten für die Farbdosen und bei Erwischtwerben ein Strafverfahren und eine zivilrechtliche Forderung von zehntausenden von Franken... Antworten
das sind jetzt aber mal wieder richtig schön bunte wagen. das macht mir freude, wenn ich solch farbenfrohe wagen in der sonst grauen stadt sehe. vor allem weil mir ja bewusst ist, dass sie möglichst schnell und teuer wieder langweilig graubrau gemacht werden. schöne wholecars! Antworten
Das muss ja wirklich ein hochkompliziertes Verfahren sein, solche Waggon's zu reinigen. Man könnte meinen, man müsste das Ei des Kolumbus neu erfinden. "Zuerst muss die chemische Zusammensetzung der Farbe ermittelt werden", das muss ja wirklich ein sehr mühsames, zeitintensives, kostspieliges Unterfangen sein. Die armen SBB, die armen armen SBB, sie werden immer zu Opfern. So traurig. Antworten
Die SBB tragen eine Teilschuld, in dem sie es den Sprayern viel zu einfach machen. Die Infrastruktur wird nach wie vor zu wenig überwacht. In urbanen Zentren ist eben Totalüberwachung angesagt. Vandalen, zu den gehören die Sprayer, sind unbelehrbar und kosten der Gesellschaft enorm viel. Erwischte Sprayer sollten angehalten werden den Schaden selbst zu beheben, dann würden diese den Aufwand kennen Antworten
Ich bin selber jung und nicht einmal abgeneigt gegen Sprayereien. Aber dies ist doch echt einfach nur eine Verschwendung von Geld. Die Sprayer geben wahnsinnig viel aus für Dosen und Farbe und die SBB fürs Reinigen. Wenn man den betreffenden Sprayer das Malen von einem Jugendtreff oder dergleichen erlauben würde wärs cool. Aber so find ich es einfach nur doof. Die sollen drankommen. Antworten
Hanspeter Thür in Bern sollte endlich begreifen, dass die Urheber solcher Vandalenakte ohne Video Ueberwachung kaum ausfindig gemacht werden können. M.E. gibt's nur diese Lösung; als bestes Beispiel kann sich die Stadtbahn Zug hervorheben, allerdings auch nur im Wageninnern! Auch die Unterführung im Bahnhof Cham wird ständig besprayt; da hilft nur die Video Ueberwachung!!! G.H. Antworten
Auf die Gefahr hin, dass alle hier diese Sprayer wieder in die Wüste schicken wollen, finde ich diese SBB Sprayereien super. Sehen gut aus, machen was her und bringen endlich Farbe in die langweiligen SBB Landschaft.. Schade, dass die Fenster auch hinhalten mussten, sonst hätte man es wirklich so lassen können. Das ist jetzt Kunst und nicht die Schmiererei von Feigling Puber. Antworten
Wenn der ehemalige Sprayer, der gestern hier einen Artikel füllte, wirklich mit ca. 60 Graffitis einen neunmal höheren Schaden verursacht hat, dann machte er entweder riesige Graffiti, wählte die teuersten Untergründe, oder die SBB kann einen ganzen Wagen günstiger Reinigen als ein Maler ein paar Quadratmeter Hausfassade überpinseln... Irgendwo geht die Rechnung echt nicht auf! Antworten
Wieder mal wirklich super gelungene Arbeiten. Respekt! Nur der Ort an dem sie realisiert wurden ist in der Tat unglücklich gewählt. Es gibt ja genügend Orte wo mittlerweile Legal gesprayt werden darf und einen Adrenalinschub kann man sich auch über Bungee Jumping, Falschirmspringen oder so beschaffen... Antworten
Mir gefällt das sehr gut. Besser als die Originalfarben der Züge. Was ist so schlimm an etwas Farbe und Abwechslung? Warum ist einheitliche Langeweile besser? Oder um es mit den Worten des Londoner Streetartisten Banksy zu sagen: “The people who run our cities don’t understand graffiti because they think nothing has the right to exist unless it makes a profit, which makes their opinion worthless…" Antworten
Ich kenne einen jungen Mann, der vor 5 Jahren ohne Erlaubnis das Auto seines Arbeitgebers ausgeliehen und nach 3 Stunden Fun zu Schrott gefahren hat. Er bezahlt heute noch Geld an den Besitzer zurück, während seine gleichaltrigen Kollegen längst Weltreisen unternommen, teuere Schulen besucht, Unternehmen gegründet, Träume verwirklicht haben und ja, sich ein eigenes teueres Auto gekauft haben. Antworten
Klar die SBB hat den Schaden aber schlecht sieht es wirklich nicht aus. ich hätte den fahren lassen.Erwischte sollten andere bemalte Züge an den Wochenenden auf eigene Faust reinigen und sicher nicht das halbe Leben unsinnige Summen abstottern, ist meiner meinung nach sinnvoller. Antworten
So muss das aussehen!! Schön ausgefeilte Kunst, wer hier die Urheber als Schmierer bezeichnet soll mal zeigen wie gross denn seine Kreativität ist! Solche Graffiti beleben den Tag des Normalbürgers, der sonst in Zürich nur graue Fassaden und eine zur Kulisse herausgeputzte Stadt sieht. Antworten
Es ist zu überlegen ob der Strafmassnahmenkatalog für Vandalismus wie auch Littering massiver erhöht werden soll. Scheinbar ist dies der einzige Weg, dass Anstand und Respekt gegenüber dem öffentlichen Raum wieder Platz verschafft werden kann. Antworten
Je mehr über solche Übeltaten berichtet wird, umso häufiger werden Nachahmer angelockt, um damit auch in die Medien zu kommen. Solche riesigen Sprayereien entstehen ja nicht ohne Hilfsmittel und nicht innert Minutenfrist. Warum soll es nicht möglich sein, Areale mit abgestellten Zügen mittels Videokameras und Alarm zu überwachen? Die Kosten dafür wären mit der nächsten Tat bereits amortisiert! Antworten
Die Sprayer sind sicher glücklich, dass sie vom TA so viel Werbung erhalten. Diese Publizität wird sie möglicherweise dazu ermuntern, im gleichen Stil weiterzumachen. Andere Sprayer, die sich auch in der Zeitung sehen möchten, werden es noch zu übertreffen versuchen. Antworten




Markus Names
@Rüdiger Hofmann: Schon mal aufgefallen dass in Zügen der SBB die Stationen per Lautsprecher angesagt werden? Antworten