Warum Schwule vom Blutspenden ausgeschlossen sind

Die homosexuellen Jusos wittern im Blutspende-Verbot eine «Diskriminierung». Der Direktor des Schweizer Blutspendedienst erklärt, warum Schwule vom Blutspenden ausgeschlossen sind.

Zwanzigmal wahrscheinlicher HIV-Positiv: Homosexuelle in einer Präventionskampagne der Aidshilfe Schweiz.

Zwanzigmal wahrscheinlicher HIV-Positiv: Homosexuelle in einer Präventionskampagne der Aidshilfe Schweiz. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den letzten sechs Monaten ein Malariagebiet bereist? Über 65? Unter 50 Kilogramm? Die Liste der Fragen, die Blutspender mit Nein beantworten können müssen, ist lang. Gegen einen dieser Ausschlussgründe regt sich Protest: Der Ausschluss von Homosexuellen vom Blutspenden sei «eine pure Diskriminierung», kritisieren die «GaynossInnen», eine Arbeitsgruppe der Jungsozialisten.

Rund 25 Demonstranten haben deshalb gestern Mittwoch den Eingang zum Blutspendezentrum am Hirschengraben blockiert. Mit Spruchbändern und rosa Armbinden protestierten die schwulen Sozialisten gegen die «unhaltbare Diskriminierung».

Auch Treue schützt nicht immer vor Aids

Mit Diskriminierung habe die Regelung überhaupt nichts zu tun, wehrt sich Rudolf Schwabe, Direktor des Blutspendedienstes der SRK. «Das Verbot ist eine Sicherheitsvorkehrung, die medizinisch sehr gut begründet ist.» Drei Faktoren sind dafür verantwortlich, dass Schwule weit häufiger HI-Viren im Blut tragen als Heterosexuelle:

  • Übertragungsrisiko: Bei Sexualpraktiken wie Oral- oder Analverkehr, die bei Schwulen beliebt sind, ist das Risiko einer Ansteckung sehr viel höher als beim Vaginalsex.
  • Quote der Infizierten:Unter den Homosexuellen ist der Anteil der HIV-Positiven etwa zwanzig Mal höher als unter der heterosexuellen Bevölkerung.
  • Promiskuität: Schwabe geht davon aus, dass Schwule, die in einer festen Beziehung stecken, gleich oft wie fremdgehen wie Heterosexuelle. «Das heisst also, dass das durchaus vorkommt.» Das Risiko, sich beim Fremdgehen anzustecken, ist für Schwule aber deutlich grösser. Und deshalb läuft auch der treue und ahnungslose Partner grössere Gefahr, mit dem HI-Virus infiziert zu werden.

Dass Schwule sehr viel häufiger HI-Viren im Blut haben, bestreiten auch die «GaynossInnen» nicht. Da das Blut routinemässig auf das Virus untersucht werde, sei das HIV-Risiko aber ausgeschlossen, das Spendeverbot deshalb «pure Diskriminierung».

Restrisiko minimieren

Ein Restrisiko bleibt jedoch. «Leider ist es nach wie vor so, dass eine frische HIV-Infektion im Blut erst etwa 2 Wochen nach der Ansteckung festgestellt werden kann», erklärt Schwabe. Manchmal seien Viren gar erst nach zweieinhalb Monaten nachweisbar. Das Risiko, dass in einer negativen Blutkonserve dennoch Viren schlummern, will der SRK-Blutspendedienst nicht auf sich nehmen.

Dass Schwule in Zukunft unter bestimmten Bedingungen zum Blutspenden zugelassen werden, glaubt aber auch Schwabe. «Ich gehe davon aus, dass es gewisse Lockerungen geben wird.» Arbeitsgruppen befassten sich mit der Frage, ob Schwule zum Blutspenden zugelassen werden sollen – eine neue Praxis könnte noch in diesem Jahr eingeführt werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.02.2010, 12:20 Uhr)

TA Marktplatz

Werbung

Kommentare

Abo

Weekend-Abo für 1.- testen

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Schön synchron: Die lettische Flugstaffel «Baltic Bees» zeigt an einer Flugshow in der moldawischen Hauptstadt Kischinau in 39C-Albatross-Maschinen ihr Können (25. September 2016).
(Bild: Dumitru Doru) Mehr...