Zürich
Warum die Schwamendinger anders ticken als der Durchschnittszürcher
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 30.11.2009 18 Kommentare
Artikel zum Thema
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
«Dort, wo die Probleme mit den Muslimen angeblich am grössten sein sollen, war die Zustimmung zur Minarett-Initiative am geringsten», sagte der Grüne Gemeinderat Balthasar Glättli gestern im Rahmen einer Kundgebung auf dem Helvetia-Platz. Doch Schwamendingen scherte gestern von dieser Faustregel aus: Als einziger Wahlkreis der Stadt Zürich nahm er die Initiative mit 55,2 Prozent Stimmenanteil an.
Gleicher Ausländeranteil, unterschiedliches Durschnittsalter
Der Kreis 12 hat mit 37,1 Prozent den zweithöchsten Ausländeranteil der Stadt. Im Wahlkreis 4/5 leben 39,1 Prozent Ausländer, doch der Ja-Stimmenanteil betrug nur 23,8 Prozent. Wie gross der Anteil an Muslimen ist, wird in den Statistiken nirgends erfasst. Ein Indiz bilden die Anzahl Moscheen: Im Kreis 12 befindet sich ein islamisches Gebetszentrum, im Wahlkreis 4/5 viermal so viele.
Für Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich ist klar, warum die Schwamendinger anders Stimmen als die übrigen Zürcher. «In den meisten Kreisen ist der Stimmbürger durchschnittlich jünger und weltoffener. In Schwamendingen sind die Wähler weniger begütert und wählen eher rechtskonservativ.» Tatsächlich hat die SVP in der Stadt nirgends mehr Wähleranteil als in Schwamendingen.
«Uns drückt der Schuh»
An der Zahl sind es 3334 Schwamendinger, die gestern Ja zum Minarett-Verbot sagten. Doch ihre Ablehnung gegenüber Muslimen tragen sie nicht offen nach aussen. «Ich lebe seit 36 Jahren hier. Schwamendingen ist meine Heimat», sagt die Muslimin Djula Hasic. «Man spricht davon, dass Schwamendingen fremdenfeindlich ist. Ich habe an anderen Orten in der Schweiz aber mehr Ablehnung erfahren als hier.» Trotzdem verbirgt sie nicht, dass sie über den Ausgang der Abstimmung masslos enttäuscht ist.
Für den Kreispräsident der SVP 12 ist das Resultat von gestern keine Überraschung. «Uns drückt der Schuh. Der Ausländeranteil ist in Schwamendingen stark gewachsen und das Sicherheitsempfinden hier ist stark malträtiert.» Die Kriminalstatistik des Kantons Zürich spricht eine andere Sprache: Nirgends in der Stadt werden weniger Straftaten erfasst als im Kreis 12. «Ich kenne diese Statistiken. Was uns belastet sind die grosse Anzahl von Bagatell-Delikten, Schmierereien, Vandalismus-Akten. Delikte, die gar nicht erst gemeldet werden.»
«Es sind andere, die negativ auffallen.»
Auch die Quartiervereinspräsidentin Maya Burri stellt fest, dass der hohe Ausländeranteil in Schwamendingen Skepsis hervorruft. «Viele Leute sind verunsichert und projizieren ihre Ängste auf die Muslime.» Dies, obwohl sich das Leben zwischen Schweizern und Muslimen weitgehend konfliktfrei gestalte. «Bei uns sieht man viele Menschen fremder Kulturen, aber sie verhalten sich nicht anders als die Schweizer. Es sind andere, die negativ auffallen.»
Das sieht Mettler anders: «Immer mehr Ausländer tragen plakativ nach aussen, dass sie anders sind. Viele empfinden das als Provokation.» Gleichzeitig komme es aber kaum zu einem Austausch zwischen den Bevölkerungsgruppen, sagen Hasic und Mettler übereinstimmend. «Die Muslime halten sich in inneren Zirkeln auf und nehmen nicht an unserem Leben teil», sagt Mettler. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.11.2009, 16:35 Uhr
Kommentar schreiben
18 Kommentare
Ich bin Schweizer. Hier geboren und hier aufgewachsen. Ich habe mich immer als Schweizer gefühlt. Als ich in die RS musste, hatte man mir das erste Mal gesagt, dass ich doch Ausländer sei und man fragte mich, warum ich denn überhaupt Militärdienst leiste. Seitdem denke ich, dass ich als Mischling wohl nirgends dazugehören werde. Unten bin ich nämlich der Schweizer. Hier einer von dort unten. Antworten
Auch ich bin ein Mischling - aber da beide Elternteile weiss sind fällt es weniger auf :-) 20 Jahra nach RS würde ich die Schweiz als Ansammlung von geschlossenen Gruppen bezeichnen und das ist im ach so offenen Zurich auch nicht anders - die Auswahl ist grösser und daher wahrscheinlicher, dass man Anschluss findet. Andererseits ist Toleranz nicht mit Nächstenliebe zu verwechseln. Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



