Warum kein Stadion in Altstetten?

Für das Zürcher Stadion werden Investoren gesucht – aber auch neue Ideen.

Das Projekt der Halter Immobilien AG: Im Norden die Autobahn, im Westen die Sportanlage Juchhof, im Osten das neue Eishockeystadion. Visualisierung: Raumgleiter GmbH

Das Projekt der Halter Immobilien AG: Im Norden die Autobahn, im Westen die Sportanlage Juchhof, im Osten das neue Eishockeystadion. Visualisierung: Raumgleiter GmbH

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Eigentlich könnte Zürich stolz sein: Es gibt keine andere Schweizer Stadt mit zwei grossen Fussballclubs. Doch Zürich ist nicht stolz. Seit 13 Jahren zerfleischt es sich in einem Stadion­streit, der in der Schweiz ebenso einzigartig ist. Vor einem Jahr schien eine Lösung greifbar, aber die Zürcherinnen und Zürcher lehnten das 216-Millionen-Franken-Stadion ab. Das Nein war nicht nur eine riesige ­Enttäuschung für GC und den FCZ, sondern auch für den Stadtrat. ­Frustriert hatte er am Abstimmungssonntag das Ende der Träume ausgerufen. Weder auf dem Hardturm noch anderswo werde es in Zürich je ein neues Fussballstadion geben, sagte Stadtrat und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP).

Jetzt sieht es wieder besser aus. Der Stadtrat hat sich von seiner Abfuhr erholt und hat dazu aufgefordert, neue Ideen einzureichen. Fünf private Teams haben dies inzwischen getan. Doch bereits ist es wieder vorbei mit der Aufbruchstimmung. Zwei Teams haben schon aufgegeben, sie fühlen sich vom Stadtrat abgesägt.

Besonders schade ist dies in einem Fall: Die Immobilienfirma Halter hat zusammen mit GC und dem FCZ den Vorschlag gemacht, das Hardturmareal vollständig mit Wohnungen zu überbauen. Die Rendite daraus sollte ausreichen, um in Altstetten ein neues Stadion zu finanzieren. Dass der Stadtrat diese Idee mit der Auflage abklemmt, das Stadion dürfe nirgends anders stehen als auf dem Hardturm, ist unverständlich. Denn sie hat mehrere grosse Vorteile.

Der Standort

Im Unterschied zum Hardturmareal käme das Stadion in Altstetten nicht mitten in einem Wohnquartier zu liegen. Im Norden die Autobahn, im Süden die Eisenbahn, im Westen die Sportanlage Juchhof und im Osten das neue Eishockeystadion. Kaum jemand wäre durch den Lärm gestört, das Stadion wäre ausgezeichnet erschlossen. Die Fangruppen könnten aneinander vorbei zum Stadion geführt werden, ohne dass sie sich in die Quere kämen. Vergitterte Passerellen wie im Hardturm wären unnötig. Das von Halter präsentierte Stadion würde das Juch-Areal zur grossen Zürcher Sportstätte aufwerten. Zudem ist dieser Standort sowohl für FCZ- und GC-Fans neutrales Terrain. Der Hardturm war einst die Heimat der Grasshoppers und würde von vielen FCZlern nie als Heimstadion anerkannt.

Die Finanzierung

Das Halter-Projekt würde fast vollständig privat finanziert. Die Stadt müsste lediglich das Land in Altstetten im Baurecht zur Verfügung stellen und das Land im Hardturm zum Einstandspreis (50 Millionen Franken) an die privaten Investoren verkaufen. Laut Halters Berechnungen würde das Stadion mit 21 000 Plätzen rund 100 Millionen Franken kosten, für die Wohnüber­bauung bräuchte man 450 Millionen Franken. Für die total investierten 550 Millionen Franken stellt Halter eine Bruttorendite von 5,25 Prozent in Aussicht. Vom TA angefragte unabhängige Experten glauben, dass damit Investoren gefunden werden können. Zudem bewerten sie die angenommenen Renditeerwartungen als angemessen. Mit Halters Berechnungen scheint es möglich, die von den Stimmbürgern gewünschten günstigen Wohnungen im Hardturm zu realisieren. Auch an den Betrieb des Stadions müsste der Steuerzahler nichts beitragen.

Die Initianten

Die Halter Immobilien AG hat bereits Erfahrung mit dem Bau eines Fussballstadions. Mit einem ganz ähnlichen Finanzierungsplan hat sie die Luzerner Swissporarena realisiert. Kommt dazu, dass Geschäftsinhaber und VR-Präsident Balz Halter als eingefleischter GC-Fan gute Kontakte zur Zürcher Fussballwelt pflegt, sein Projekt wird aber nicht nur von GC, sondern auch vom FCZ voll mitgetragen. Halter ist mit der Planung im Übrigen schon sehr weit. Es liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Es wurden Gespräche mit dem ZSC geführt, mit dem Schweizerischen Fussballverband und mit der Credit Suisse. Mit dem Investor CS hat Halter auch in Luzern zusammengearbeitet. Die Projektunterlagen, die inzwischen veröffentlicht wurden, sind weit mehr als die verlangten Skizzen. Sie ähneln eher schon einer Baueingabe.

Private sollen nicht nur zahlen

Nach Einschätzung der Initianten könnte dieses Stadion im Jahr 2020 eröffnet werden. Das scheint zwar etwas sehr optimistisch, aber diese Idee vom Investorenwettbewerb auszuschliessen, ist fahrlässig und nicht im Sinne der Zürcher Steuerzahler.

Der Zürcher Stadtrat will also kein Stadion in Altstetten, für ihn kommt nur der Hardturm infrage. Dieser Standort ist zwar weiterhin für alle denkbar. Doch der Stadtrat will noch mehr. Er will jenes Projekt realisieren, das er selber ausgearbeitet hat und das an der Urne gescheitert ist. Die Rahmenbedingungen für den Investorenwettbewerb sind so eng gesetzt, dass praktisch nichts anderes möglich ist. Das kann nicht sein. Wenn Private zahlen sollen, muss man sie auch mitdenken und mitentscheiden lassen. Andernfalls wird die Stadt ihre Suppe allein auslöffeln müssen – sprich selber zahlen. Und die Stimmbürger werden am Ende wieder ihr Nein einwerfen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2014, 08:19 Uhr

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