Zürich

Was jeder Gemeinderat über Parkplätze wissen sollte

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 07.06.2011 45 Kommentare

Am Mittwoch debattiert das Zürcher Stadtparlament über den GPK-Bericht zum Parkplatzstreit. Tagesanzeiger.ch hat die spannendsten Fakten für eine emotionale Debatte zusammengetragen.

1/9 Heisses Eisen: Für die einen hat es nicht genug Parkplätze im Stadtraum, die anderen möchten möglichst viele Autos aus der City verbannen.
Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

   

Das sagt die GPK zum Parkplatzstreit

Der Zürcher Stadtrat hat den historischen Parkplatzkompromiss nicht missbräuchlich umgesetzt, wie dies Gegner der Regelung monieren. Dies hat die Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderates (GPK) in einer aufwändigen Untersuchung festgestellt. Sie hat allerdings bei der Stadt die nötige Transparenz vermisst.

Aufgrund der Untersuchung empfiehlt die GPK dem Stadtrat unter anderem, künftig «besucher- und kundenorientierte» Parkplätze, welche vorübergehend Baustellen weichen müssen, zu kompensieren. Zudem soll die Stadt an ihrer Praxis festhalten, auch öffentlich zugängliche Parkplätze auf privatem Grund - etwa der SBB - in ihre Zählung einzubeziehen.

Jedes Jahr soll die Stadt dem Gemeinderat die Parkplatzbilanz von City und citynahen Gebieten vorlegen. Zur Umsetzung der GPK- Empfehlungen soll der Stadtrat schliesslich in zwei Jahren dem Parlament Bericht erstatten. Über die Untersuchungen, die Empfehlungen und auch interne Meinungsunterschiede informierten Vertreter der GPK am Montag an einer Medienkonferenz.

Seit 1990 gilt in der Stadt Zürich der so genannte historische Parkplatzkompromiss. Er besagt, dass die Zahl öffentlich zugänglicher Parkplätze in der Zürcher City und in citynahen Gebieten auf dem Stand von 1990 bleiben soll. Dabei geht es um besucher- und kundenorientierte Parkplätze, nicht um Dauerplätze. (SDA)

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Das Traktandum Nummer 8 der morgigen Zürcher Gemeinderatssitzung dürfte wohl das spannendste sein: das Parkierungskonzept und die Resultate der Untersuchungen durch die GPK über den historischen Parkplatzkompromiss (siehe Box). Die Debatte verspricht hitzig zu werden, denn die Meinungen über Sinn und Nutzen der 7770 Parkplätze in der Innenstadt, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, gehen weit auseinander.

Während sich Bürgerliche darüber beschweren, dass die Stadt mit der Aufhebung von oberirdischen Parkplätzen dem Gewerbe schade, vertritt die Ratslinke die Meinung, dass dem privaten Personenverkehr ohnehin schon viel zu viel Raum gegeben werde.

Die Top Ten der Parkplatzfakten

Wie viele Parkplätze braucht es also effektiv in der Innenstadt? Und wie viel Umsatz generiert der Detailhandel tatsächlich daraus? Zwei aktuelle Studien, die das Zürcher Tiefbauamt in Auftrag gegeben hat, liefern Daten zu diesen beiden Fragen – und damit auch das «Kanonenfutter» für die Ratsdebatte von morgen. Tagesanzeiger.ch hat in Zusammenarbeit mit Peter Marti, Verfasser der Studien, die 10 wichtigsten Fakten zusammengefasst:

  • 1. Parkhausnutzer unterscheiden sich von den Strassenparkplatzbenutzern. 30 Prozent der Parkierenden im Strassenraum der City kommen aus der Stadt Zürich selbst. In den Parkhäusern sind es nur 15 Prozent. Dort stellen vor allem Leute aus dem Kanton oder der übrigen Schweiz ihre Autos ab.

  • 2. 80 bis 90 Prozent der Kunden in der Innenstadt, die mit dem Auto kommen, fahren mit höchstens einer Tragtasche nach Hause. Sie könnten für ihre Einkäufe also auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

  • 3. 40 Prozent des Geldes, das Nutzer von Strassenraumparkplätzen in der Innenstadt ausgeben, fliesst in die Modebranche, 20 Prozent wird in Schmuck und Uhren investiert. Bei Parkhausbenutzern sind es 60 Prozent für Mode, aber nur 7 Prozent für Schmuck und Uhren.

  • 4. Etwa 5 Prozent der Besucher mit einem Auto geben mehr als 1000 Franken aus.

  • 5. Jeder, der einen Strassenparkplatz benutzt, gibt an einem Donnerstag im Durchschnitt 182 Franken, an einem Samstag 309 Franken aus. Bei Parkhausbenutzern sind es 215 respektive 354 Franken.

  • 6. Weil aber die Fahrzeuge auf einem Strassenparkplatz viel häufiger wechseln (5,4-mal am Donnerstag und 3,4-mal am Samstag) als im Parkhaus (nur ca. 2-mal), ist der Umsatz aus Strassenparkplätzen pro Tag viel höher.

  • 7. Jeder Parkplatz im Strassenraum der Innenstadt generiert im Durchschnitt einen Umsatz von 328'000 Franken pro Jahr, jeder Parkplatz in einem Parkhaus 166'000 Franken.

  • 8. Entscheidend ist der Standort des Parkplatzes. Das Parkhaus Hohe Promenade erzielt einen Umsatz von nur 96'000 Franken pro Jahr und Parkplatz. Das Parkhaus Jelmoli hingegen generiert 374'000 Franken. Dasselbe gilt für Strassenparkplätze: Am Hirschengraben sind es 164'000 Franken, an der Post- und Fraumünsterstrasse hingegen 683'000 Franken.

  • 9. Darin spiegelt sich – nebst der Lage der Parkplätze zu Hochpreisgeschäften – auch die unterschiedliche Frequentierung der Parkplätze. Ist ein Parkhaus auch nur ein bisschen «abgelegen», sinkt die Auslastung. Während die Parkhäuser Urania, Jelmoli und Talgarten während der Befragungszeiten (entsprechend den Ladenöffnungszeiten) zu 90 bis 100 Prozent belegt sind, sind es die Parkhäuser Hohe Promenade und City-Parkhaus nur zu 65 bis 80 Prozent. Die Strassenparkplätze sind fast alle immer zu 90 bis 100 Prozent ausgelastet.

  • 10. Mit Durchschnittswerten kann nicht argumentiert werden: Mehr oder weniger Parkplätze in einem Parkhaus, das bereits heute oft nicht ausgelastet ist, tragen nur sehr wenig zum Umsatz in der City bei respektive führen nur zu bescheidenen Umsatzeinbussen.

Parkplätze im Strassenraum generieren mehr Umsatz

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Parkplätze in Parkhäusern durchschnittlich weniger Umsatz generieren als Parkplätze im Strassenraum. Trotzdem warnt Marti vor Pauschalisierungen. «Im Moment steht zur Diskussion, pro aufgehobenem oberirdischen Parkplatz zwei Parkplätze in Parkhäusern zu bauen. Je nach Lage des Ersatzparkplatzes würde das unter Umständen wenig bringen. Zusätzliche Parkplätze in nicht ausgelasteten Parkhäusern stehen vor allem leer.»

Damit die bestehenden Parkplätze in Parkhäusern besser genutzt werden, könnte das Gewerbe Werbung für sie machen. «Das wäre die kostengünstigste Variante», meint Marti. «Wer Umsatz von Kundschaft generieren will, muss auch dafür sorgen, dass die Kundschaft von solchen Parkierungsgelegenheiten weiss. Das ist nicht die Aufgabe der Stadt.»

Ersatzparkplätze bei Baustellen ökonomisch heikel

Als ökonomisch heikel bezeichnet Marti die Forderung nach Ersatzparkplätzen bei Baustellen. «Fällt ein Parkplatz wegen Bauarbeiten aus, ist derzeit gegenüber dem Gewerbe niemand entschädigungspflichtig. Genauso wenig, wie ein überdurchschnittlicher Nutzen, den das Gewerbe aus guten Strassen und Parkplätzen zieht, durch Abgaben belastet ist. Diese Symmetrie würde mit dieser Forderung nach Kompensationspflicht aufgehoben.»

Ob diese Überlegungen beim Entscheid des Zürcher Gemeinderates am Mittwoch eine Rolle spielen werden, muss sich weisen. Eine Prognose über den Ausgang der Debatte will Marti nicht abgeben. Sicher können die Parteien aber mit den vorliegenden Daten der Studie ihre Positionen im Streit um die Parkplatzzahlen in der City untermauern. Schon jetzt zeichnet sich ab, wie die Front verlaufen wird: Drei SVP-Mitglieder der GPK beantragen dem Gemeinderat, den Bericht ablehnend zu Kenntnis zu nehmen. Der Rest der Kommission beantragt Zustimmung.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.06.2011, 12:04 Uhr

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45 Kommentare

peter zuellig

07.06.2011, 12:31 Uhr
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Wäre doch interessant den Ertragswert eines City Parkplatzes mit jenem eines Sitzes (oder gar mehrerer) im Tram zu vergleichen vergleichen. Aber eben, wenn die Grünen zu rechnen beginnen, so sind Rote Zahlen garantiert. Antworten


Beni Schwarzenbach

07.06.2011, 13:25 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Einfach lächerlich, diese Parkplatzdiskussion. Dabei ist es doch so offensichtlich: Die begehrten Einkaufslagen mit entsprechend hohen Ladenmieten liegen in den Fussgängerzonen. Ergo - je weniger Autoverkehr, desto attraktiver und desto höher der Umsatz. Man muss schon Tomaten auf den Augen und Sellerie in den Ohren haben, um diese simple Tatsache nicht zu erkennen! Antworten



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