Wem Vermieter die Wohnung verweigern
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 15.12.2011 95 Kommentare
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Die Wohnungsanzeige auf Homegate klingt verheissungsvoll: 4,5 Zimmer, Altbau, für 2'400 Franken monatlich, im begehrten Quartier Wipkingen. Doch der durchschnittliche Wohnungssucher muss sich keine Hoffnungen machen. Die Anzeige stellt klar: «Für Lesben- oder Ehepaar».
Der Wunsch nach gleichgeschlechtlichen Mietern hat seinen Grund, wie Sabine Plinegger von Berni-Immo erklärt: «Die Besitzerin lebt selbst mit einer Frau zusammen und würde einem lesbischen Paar klar den Vorzug geben. Wahrscheinlich hätten auch Schwule gute Karten.»
Spezifische Angaben sinnvoll
Die spezifischen Wünsche seien keine Seltenheit, wie Walter Angst vom Mieterverband erklärt. «Grundsätzlich macht es auch Sinn, dass Bewerber wissen, welche Kriterien bei der Wohnungsvergabe angewendet werden.» Viele Vermieter würden sich beispielsweise explizit an Studenten richten, andere eben an Lesben. Problematisch seien nur Vorgaben, die Minderheiten diskriminieren oder ausschliessen würden.
Gewisse Wohnungssuchende haben auf dem Markt aber grundsätzlich ein Problem. An vorderster Front stehen dabei laut Angst «Menschen mit Migrationshintergrund, die aus armen Ländern stammen».
Diskriminierung im Hintergrund
Hier verlangt Angst korrektes Verhalten, besonders von institutionellen Immobilienbesitzern, die leere Wohnungen über professionelle Verwaltungen ausschreiben. Aber: «Das Problem an Antidiskriminierungsmassnahmen ist immer, dass im Vordergrund alles richtig läuft und im Hintergrund dann doch alle Bewerbungen von Leuten, deren Namen auf «ic» enden, im Abfall landen.»
Doch nicht nur Migranten haben schlechte Karten: Auch ältere Menschen sind betroffen:«Etliche Vermieter wollen kein Risiko eingehen und werfen Bewerber über 70 schon in der ersten Runde raus.» Verwaltungen gingen davon aus, dass ältere Menschen über kurz oder lang zusätzliche Aufwendungen verursachten und besser früher als später in eine betreute Einrichtung gehen sollten.
Raucher unerwünscht
Immer schwieriger wird die Wohnungssuche auch für Freunde des blauen Dunstes. «Raucher können Nachbarn stören oder es fallen mehr Unterhaltsarbeiten an.» Und auch die Klassiker unter den «Killern», wie sie Angst nennt, haben nach wie vor grosse Bedeutung. «Haustiere oder spezielle Hobbys wie Musizieren machen die Suche nach einem neuen Heim ebenfalls nicht einfacher.»
Dies sei durchaus verständlich. «Vor kurzem ist uns die Frage gestellt worden, ob Alphornblasen in der Wohnung verboten werden dürfe», erklärt Angst. «Dies kann man natürlich als grössere Lärmemission wahrnehmen.» Hingegen haben Tierfreunde manchmal auch bessere Karten als ihre Mitbewerber: «Wenn der Besitzer selber einen Hund hat, kann es sein, dass er gezielt nach Mitbewohnern sucht, die auch Tiere haben..» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.12.2011, 10:54 Uhr
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95 Kommentare
Ach so, wenn Minderheiten diskriminiert werden, ist das problematisch, aber wenn "Mehrheiten" wie z.B. Familien keine Wohnung finden, weil sie nicht den Kriterien entsprechen, ist das kein Problem? Ich kann verstehen, dass Vermieter gewisse Anforderungen stellen. Aber Mieterinnen und Mieter nach ihrer sexuellen Orientierung zu bevorzugen, entspricht einem Weltbild, das nicht mehr zeitgemäss ist. Antworten

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