Zürich
Weniger Arme, weniger Alte, weniger Ausländer – die Wahrheit über Zürich
Von Alain Zucker. Aktualisiert am 16.03.2010 29 Kommentare
(Bild: TA-Grafik mt/Quelle: Statistisches Amt Kanton Zürich)
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Nach ihrer Wahlniederlage fordern bürgerliche Politiker, dass unter bestimmten Umständen Auswärtige ein Wahlrecht in der Stadt Zürich erhalten sollten. Die Bevölkerungsstruktur, so der ehemalige FDP-Kantonsrat Andreas Honegger und der gescheiterte SVP-Stadtratskandidat Karl Zweifel, garantiere der Linken fast zwangsläufig eine Mehrheit. Der Grund: Zürich sei ein Sammelbecken für Leute, die vom Staat abhängig seien und deshalb nur schon aus Eigeninteresse für die Linke stimmten: Mieter des staatlichen Wohnungsbaus, Sozialhilfebezüger, Beamte, Lehrer, Krankenschwestern, Rentner.
Zürich ist keine A-Stadt
Eine interessante These, doch stimmt sie auch? Wie hat sich die Stadt entwickelt seit 1990, als Städte wie Zürich als sogenannte A-Städte abqualifiziert wurden? A wie Alte, Arme, Auszubildende, Ausländer – Gesellschaftsgruppen, die in irgendeiner Form vom Staat Hilfe bezogen.
Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild. Seit 1990 konnte nicht nur die Bevölkerungsabnahme gestoppt, sondern in eine stetige Zunahme umgewandelt werden. Seit dem Tiefpunkt von rund 356'000 Einwohnern steigt die Bevölkerungszahl wieder – heute liegt sie bei gegen 383'000. Die meisten sozialen und wirtschaftlichen Faktoren deuten, wenn man vom Einbruch der Finanzkrise absieht, nach oben. Stichwort Arme: Die durchschnittliche Sozialhilfequote ist trotz gehäufter Schlagzeilen über Missbräuche seit ihrem Höhepunkt 2005/06 gesunken – auf 3,8 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig steigt das durchschnittliche steuerbare Einkommen schon seit den 1990er-Jahren – von 48'373 (1990) auf 58'376 Franken (2008).
Viele Quartier aufgewertet
«Die Kennziffern für den sozialen und wirtschaftlichen Status der Bevölkerung zeigen nach oben, vor allem im Vergleich mit der Agglomeration», sagt die Geografin Corinna Heye, die eine Studie über «soziale Auf- und Abwertung in Zürich» geschrieben hat. Alle Quartiere ausser jenen am Stadtrand wie zum Beispiel Schwamendingen würden kontinuierlich aufgewertet.
Auch die Zahl der Alten, die als AHV-Bezüger dem Staat wohlgesinnt sein könnten, wie die Bürgerlichen meinen, nimmt ab: Von 1999 sank ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von 18,4 auf 16 Prozent, während der Anteil der (berufstätigen) 20- bis 39-Jährigen stieg. Gestiegen ist die Zahl der Ausländer, die in den 1990er-Jahren in den A-Städten sozialökonomisch negativ ins Gewicht fielen – und zwar deutlich. Doch die Folgen sind andere, als man damals meinte. Statt schlecht qualifizierter Südosteuropäer ziehen vor allem Deutsche nach Zürich, die mit Abstand am meisten vertretene Nation (doppelt so viele wie die Italiener an zweiter Stelle). Die serbische, türkische, aber auch die tamilische Bevölkerung ist 2009 sogar zurückgegangen.
Immer mehr Bürolisten
Also weniger Arme, Alte und weniger Ausländer, die von der öffentlichen Hand leben. Da bleibt nur noch die Frage, ob die Zahl der in der Stadt Zürich ansässigen Angestellten der öffentlichen Hand zunimmt, die der Linken aus purem Eigeninteresse ihre Mehrheit verschafft, wie behauptet wird. Da liefert die Statistik nur Indizien. Die Zahl der von der öffentlichen Hand finanzierten Arbeitsplätze in Zürich ist über das letzte Jahrzehnt zwar gestiegen. Aber es fehlen die genauen Angaben, ob diese Stellen mit Leuten besetzt wurden, die in der Stadt ansässig sind. Indizien liefert die Statistik über die Berufe der zugezogenen Personen. Die grösste Gruppe ist die der kaufmännischen Angestellten und Bürolisten: Seit 2001 sind 24 348 solcher Angestellten nach Zürich gezogen. Arbeitet die grosse Mehrheit davon für die öffentliche Verwaltung? Das ist nicht anzunehmen, denn der Bereich «Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung» hat gemäss kantonaler Betriebsstatistik in der Stadt seither nur rund 2000 neue Stellen geschaffen.
Lohn, aber kein Stimmausweis
Die zweitgrösste Gruppe der Zuzüger ist das Pflegepersonal: 5191 Neuzürcher in acht Jahren. Die drittgrösste besteht aus Lehrern (3682), gefolgt von den Hochschuldozenten (2010). Sie alle werden grossmehrheitlich von der öffentlichen Hand bezahlt, was wiederum für die These des Ex-FDP-Kantonsrats Andreas Honegger sprechen würde, dass immer mehr Staatsangestellte zu einem Regierungsmonopol der Linken führten.
Dagegen spricht vor allem ein Fakt: Unter diesen Zuzügern im Gesundheits- und Hochschulwesen befinden sich viele Ausländer, sprich Deutsche. Ein Viertel sind es beim Pflegepersonal, ein Fünftel bei den Hochschullehrern. Sie alle dürfen gar nicht abstimmen.
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Erstellt: 16.03.2010, 04:00 Uhr
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29 Kommentare
Ohne Berücksichtigung der Einbürgerungen ist der Wert solcher Zahlen gleich Null. In der Stadt Zürich sind die Einbürgerungen von 500 im Jahr 1990 auf gegenwärtig etwa 3500 pro Jahr gestiegen. Es ist eine eigennützige Strategie der SP die Einbürgerung zu fördern bzw. zu automatisieren, denn erstens wird dadurch der Ausländeranteil beschönigt und zweitens spekuliert die SP auf neue Links-Wähler. Antworten
Zukunft früh planen: Richtig ist, dass im Zuge der vielen Neubauten, v.a. in Zürich-Nord und -West, viele gut verdienende in die Stadt gezogen sind. Die Frage ist, was in 10 Jahren, wenn die riesigen Siedlungen nicht mehr neu und attraktiv sind. Gutverdienende werden sich neu orientieren, die Siedlungen jedoch immer unattraktiver, dementsprechend wird auch die Bevölkerungsstrukt sich ändern. Antworten
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