Zürich

Wenn Kinder die Disco ihrer Eltern stürmen

Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 08.11.2010 1 Kommentar

Die nächste Generation von Partygängern hat am Samstagnachmittag im Klub Zukunft ausprobiert, wie es ist, in den Ausgang zu gehen.

Nachwuchs für die Zürcher Klubs: Schon Dreijährige üben fleissig Tanzschritte.

Nachwuchs für die Zürcher Klubs: Schon Dreijährige üben fleissig Tanzschritte.
Bild: Reto Oeschger

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Die Ersten sind um 16.30 Uhr k. o.: Der dreijährige Colin schläft direkt vor dem DJ-Pult friedlich und tief. Zwischen den Plattentellern sitzt Romeo, der sechsjährige Sohn von DJ Dani König, und ist vom vielen «Auflegen» und Tanzen zumindest ein wenig erschöpft. Auf der Tanzfläche werden die Breakdance-Einlagen der Jungs und die Luftgitarrensoli ihrer Väter kürzer. Nur vor der Schminkecke stehen die Kinder noch immer Schlange.

Um 15 Uhr sind diese Szenen noch weit entfernt und undenkbar für die kleinen, aufgeregten Gäste. An diesem Nachmittag werden sie einen richtigen Klub besuchen. Vor und auf der Treppe hinunter zum Dancefloor herrscht ungeduldige, aber scheue Neugier:
«Geh du mal schauen, ob offen ist.»
«Nein, geh du.»

Aus eigenem Bedürfnis

Die Mädchen, in hübschen Röckchen und mit Ohrringen und Lipgloss herausgeputzt, sitzen auf den Stufen und warten gespannt, bis das Lokal öffnet, in dem sonst ihre Eltern tanzen – oder einmal tanzten, als sie noch kinderlos waren.

«Die meisten Stammgäste und auch wir vom Klub haben inzwischen Nachwuchs», erklärt Geschäftsführer Markus Ott die Idee mit der Gratis-Kinderdisco zum fünfjährigen Bestehen der Zukunft. Während die Kleinen unten im Klub tanzen und betreut werden, können sich die Eltern oben in der Bar bei Häppchen und Drinks unterhalten.

Weniger Dezibel

Mit 20 Minuten Verspätung geht die Tür auf, DJ (Papa) Gallo kommt heraus – und lässt Zigaretten aus dem Automaten. Die Kinder warten brav. Mit einem Augenzwinkern meint der DJ zu einem Kollegen, der mit seinem Sohn gekommen ist: «Wir müssen den Kleinen früh beibringen, dass man vor einem guten Klub immer anstehen muss.» Dann sausen die Mädchen hinunter zur Schminkecke, an der sie sich farbige Bänder und Federn ins Haar binden lassen und von Betreuungspersonen, die als Häschen und Zauberer verkleidet sind, noch zusätzlich herausgeputzt werden.

DJ (Papa) König steht hinter den Plattentellern und hat Musik dabei, die er sonst bei seinen Auftritten nicht auflegt: Culcha Candela, Phenomden, Lady Gaga. House lässt er an diesem Nachmittag aus. «Die Kinder kennen und mögen vor allem die Hitparadenmusik.» Sohn Romeo steht neben ihm und streift sich die Kopfhörer über. Vater König sagt: «Auf den Knopf dort musst du drücken, damit der nächste Song anfängt. Jetzt.» Der Übergang ist perfekt, der Sechsjährige nickt zufrieden. Es ist nicht das erste Mal, dass er zusammen mit seinem Papa auflegt.

Lieber Fussballer werden

Die Musik an diesem Nachmittag findet er «o. k.», am besten aber gefällt ihm gerade «Eisprung» von Radio 200000. Aber das könne sein Vater nicht auflegen, «da hätten die Mädchen nicht so Freude», meint er mit ernster Miene. So gut ihm die Arbeit als DJ gefällt, er selbst werde später lieber Fussballer. Auf dem Weg «an die frische Luft» trifft Romeo beim Eingang einen Freund, der mit seinen Eltern da ist. Man begrüsst sich per Handschlag, und der DJ-Sohn macht angemessen Werbung: «Da unten geht im Fall richtig was ab.»

Strenger als normaler Ausgang

Das findet auch Milan, der dreieinhalbjährige Sohn von DJ (Papa) Gallo: Was er von der Musik seines Vaters hält, mag er gegenüber Fremden zwar nicht sagen. Aber er grinst scheu und bläst mit seinem Freund Janos voll Freude in Tröten, deren Krach die für Klubs unüblich leise Musik fast übertönt. Janos’ Mutter hält den eineinhalbjährigen Malik auf dem Arm, der mit Gehörschutzpfropfen ausgerüstet ist. Sie gehe nur noch selten tanzen, seit sie Kinder habe, sagt sie.

Dafür gefalle es jetzt den Kleinen, «nach anfänglicher Skepsis, weil alles ganz neu für sie war». Auf den Tischchen stehen die Sirupbecher der Kinder neben den Cüpli der Eltern. Am DJ-Pult wünschen sich die Kinder ihre Lieblingslieder, manche allein, manche unterstützt von Papa oder Mama. Auf der Tanzfläche ahmen die älteren Mädchen Shakira zu «Waka Waka» nach, die Kleineren werden in den Armen ihrer Eltern im Rhythmus mitgewiegt oder jagen Ballonen und Seifenblasen nach.

Die vierjährige Zoe steht etwas verloren neben ihrer Mutter. Sie will ungeschminkt nicht tanzen. Die Schminkecke ist der gefragteste Ort dieses Nachmittags – hier stehen die Kinder lange an, um etwas Farbe ins Gesicht zu bekommen. Zu lange, findet Zoe. «Sie ist etwas überwältigt von den vielen Eindrücken und müde», sagt ihre Mutter.

Nicht nur die Kinder sind vom Disco-Nachmittag geschafft, auch ihren Eltern fährt der Nachmittag in die Glieder. «Das ist anstrengender als jede durchgemachte Nacht», findet eine Mutter, als sie mit zwei erschöpften Knirpsen die Treppe hochsteigt. Viele werden es nicht gewesen sein, die um Mitternacht nochmals vor den Türen des Klubs anstanden für den «Erwachsenen»-Ausgang.

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Erstellt: 07.11.2010, 21:32 Uhr

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1 Kommentar

Claudia Caramia

08.11.2010, 10:45 Uhr
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Die Veranstaltung kam mir einbisschen vor wie der Funpark von Pinocchio und am ende werden alle kinder im Zukunfts Bunker eingespährt nein so kam es natülich nicht aber es war echt supper auch die Musik war Genial so durchaus Fröhliche Musik vielleicht für Kinderohren zu laut habe kaum mein Kind verstanden was sie sagen wollte aber 10000000 dank für's organiesieren war echt super Antworten



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