Wenn beim grossen Plan die Fans fehlen
Von Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 26.01.2012
Artikel zum Thema
- «2018 werden wir Meister»
- «Fans müssen Sünder ans Messer liefern»
- «Pyros bleiben Bestandteil der Fankultur»
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Der FC United Zürich will ein Profiverein werden und 2018 sogar um den Meistertitel spielen. Um das zu erreichen, braucht es viel Geld. Beschaffen will man es mittels einer ausgeklügelten Marketingstrategie. Mit dem Werbefachmann Claude Catsky als Kommunikationschef an Bord hat sich der Club auf der Sponsorenseite einen grossen Gefallen getan.
Der prämierte Werber sorgt dafür, dass der Öffentlichkeitsauftritt der Lionhearts so prätentiös daherkommt, als wäre er bereits in der Super League. Von ihm stammt wohl die ebenso wohlklingende wie verdienstvolle Botschaft an die Jugend: «Du musst nur an deine Träume glauben, hart an dir arbeiten und kämpfen, kämpfen, kämpfen. Mit Leidenschaft und Disziplin.»
Kaum ein anderer Amateurverein bemüht sich so hartnäckig um Sponsoren wie der FC United Zürich. So bietet der Club interessierten Firmen Werbeflächen auf einer 20 bis 30 Autos umfassenden Fahrzeugflotte an, deren Anschaffung geplant ist, sobald der Club in die 1. Liga aufsteigt. Doch selbst wenn die Geldgeber an den FC United Zürich glauben, ist der Verein auf etwas angewiesen, das sich weder planen noch kaufen lässt: viele treue Fans.
«Es braucht eine Tradition»
Zürich hat aber bereits zwei Clubs. Und das sei bereits einer zu viel, munkeln manche Fussballexperten hinter vorgehaltener Hand. Wie soll sich auf dem Zürcher Markt ein dritter Rivale etablieren können? «In der Schweiz ist die Fussballbegeisterung sehr bescheiden. Es ist undenkbar, dass Zürich United die Masse zu begeistern vermag», sagt der Steilpass-Blogger und Präsident der Alternativen Liga, Mämä Sykora. Zudem gebe es in Zürich ja bereits unzählige Fussballclubs, es bestehe absolut kein Fanbedürfnis nach einem weiteren. «Von den vielen Zürcher Vereinen haben lediglich GC und der FCZ Fans im herkömmlichen Sinn, und auch die kämpfen mit geringen Zuschauerzahlen», sagt Sykora.
«Damit eine Fankultur keimt, brauche ein Verein eine Geschichte, denkwürdige Spiele, an die sich die Zuschauer gemeinsam erinnern können», erklärt Sykora. Dem halten Fanger und Yilmaz entgegen: «In den letzten Jahren hat sich ein multikulturelles Gesellschaftsbild etabliert. Aber es fehlt ein heimischer Fussballclub, durch den sie sich repräsentiert fühlen.» Das Ziel des FC United Zürich sei es, diese Lücke zu füllen.
Buhlen um die Gunst der Fans
Auch die Grasshoppers und der FC Zürich zielten auf die Secondos ab, wendet Sykora ein. «Selbst wenn United Zürich aufsteigen sollte, werden sie immer noch vor denselben einhundert Zuschauern spielen wie jetzt.»
Das hält das United-Zürich-Management jedoch nicht davon ab, um die Gunst des Publikums zu buhlen: Fanger und Yilmaz wollen eine Profit Card lancieren, die nicht nur als Mitgliederkarte funktioniere, sondern auch «Vergünstigungen in verschiedenen Geschäften in der ganzen Schweiz» biete.
Tagesanzeiger.ch/Newsnet beleuchtet in drei Teilen die grossen Pläne und die Mechanismen im Hintergrund des FC United Zürich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2012, 12:17 Uhr



