Wenn die Pflanze mit dem Handy spricht
Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 30.09.2010 2 Kommentare
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Koubachi ist ein intelligenter Kalender. Einmal kurz kalibriert, meldet er sich bei seinem Besitzer, wenn seine Pflanze durstig ist oder einfach besprüht werden muss. Auf der Koubachi-Datenbank sind die 20 häufigsten Zimmerpflanzen gespeichert – von der Grünlilie bis zum Bogenhanf. Die Datenbank wird laufend mit weiteren Pflanzen aktualisiert.
Weiss jemand nicht, welche Sorte er geschenkt bekommen oder erworben hat, hilft Koubachi bei dessen Ermittlung. Die Software weiss zudem genau, welcher Dünger gekauft werden muss. Und sollte sich Koubachi mitten im Urlaub melden, lässt sich die Benutzeroberfläche auch auf das iPhone des Nachbars übermitteln. Die iPhone-Applikation ist zwar gratis, wer aber mehr als eine Pflanze damit bedienen will, bezahlt maximal 5.50 Franken.
Koubachi ist ein Fantasiename
Die vierjährige Entwicklung dieser iPhone-Applikation (kurz: App) begann mit dem Kauf einer klassischen Zimmerpflanze. Als sich der frisch diplomierte ETH-Informatiker Philipp Bolliger zur Verschönerung seines Wohnraums eine stattliche Birkenfeige zulegte, hatte er keine Ahnung davon, wie viel Wasser oder Dünger seine nicht ganz günstige Anschaffung benötigt. Im Internet wurde er zwar fündig, aber um seine Ficus benjamina gesund zu halten, hätte er eine Art Giesskalender erstellen müssen. Das ginge doch auch einfacher, dachte sich Bolliger.
Nach dem Kauf seiner Birkenfeige begann er sogleich mit der Arbeit. Parallel zur Doktorarbeit befasste er sich einmal pro Woche mit dem Erarbeiten einer Giess-Software. Nach einem Jahr tat sich Bolliger mit dem Münchner Informatiker Moritz Köhler, der zum Doktorieren an die ETH Zürich kam, zusammen. Das Duo beschloss, aus Bolligers Idee ein Produkt zu entwickeln, einen Spin-off zu gründen und Fördergelder zu beantragen. Da diese auf eineinhalb Jahre begrenzt sind, musste man bald selber Geld auftreiben.
Nur fünf Prozent Pflanzenexperten
Bolliger erinnerte sich an Mathias Scherr, den er damals in der Kanti in Winterthur kennen gelernt hatte. Scherr, der nach dem Wirtschaftsstudium in St. Gallen als Unternehmensberater tätig war, liess sich schnell von der Idee begeistern. Er entwickelte eine Geschäftsstrategie, sucht nun Investoren und kümmert sich um das Marketing. Der Name könnte irgendetwas Intelligentes heissen. Vielleicht «die sprechende Pflanze» oder «der Pflanzenfreund». Aber Koubachi hat schlicht keine Bedeutung. «Es ist ein Fantasiename, der schön klingt, nicht belegt war und ein wenig an Tamagotchi erinnert», erklärt Bolliger. Doch die Schnittmenge mit dem japanischen Elektronikspielzeug ist klein. Zwar meldet sich auch bei Bolligers Erfindung ein elektronisches Gerät, wenn eine Verpflichtung erfüllt werden soll. Doch bei Kabouchi ist das nicht ein virtuelles Küken, sondern eine reale Zimmerpflanze, die per iPhone um Wasser und Dünger bittet. Der bedeutungslose Namen bleibt der einzige inhaltlose Aspekt des dreiköpfigen ETH-Ablegers.
Der Business-Verantwortliche Scherr erbrachte mit einer Umfrage den empirischen Beweis, dass Koubachi auf dem freien Markt durchaus auf Interesse stossen könnte: «Mehr als die Hälfte der Befragten haben zu Hause mindestens fünf Pflanzen, nur elf Prozent haben keine Pflanze», resümiert er. «Gleichzeitig bezeichnen sich nur fünf Prozent als Pflanzenexperten.» Wer zu Hause eine Goldfruchtpalme hat, ist also nicht per se mit einem grünen Daumen ausgestattet. Genauso wenig sind alle Besitzer eines Smartphones gleichzeitig Technikexperten. Entsprechend benutzerfreundlich und simpel sind die meisten Programme konzipiert. Koubachi ist da keine Ausnahme, wobei die Gestaltung zusätzlich mit feinem Humor einhergeht.
Grosse Pläne für die Zukunft
Doch mit dem Erscheinen von Koubachi im App-Store ist die Arbeit des dreiköpfigen ETH-Ablegers noch nicht getan. Bolligers Arbeitsfeld lässt erahnen, dass da noch mehr als «nur» ein iPhone-Programm kommt. «Pervasive Computing» nennt sich der Bereich, wo sich alles um «intelligente Gegenstände» dreht. In absehbarer Zukunft wird von beliebiger Stelle aus jederzeit Zugriff auf Daten möglich sein. Smartphones sind die Vorboten eines Zeitalters, in dem Computer wohl keine grosse Rolle mehr spielen werden.
Für die Zukunft von Koubachi bedeutet diese Entwicklung, dass bald ein Sensor in der Pflanzenerde mit dem iPhone kommunizieren wird. So kann die Pflanze noch intensiver mit dem Besitzer kommunizieren. Über weitere «Updates» will Bolliger noch nichts verraten. Erstmal sollen die Download-Zahlen die bisherige Arbeit des erfinderischen Trios bestätigen.
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Erstellt: 30.09.2010, 08:16 Uhr
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2 Kommentare
Eine schöpferische Erfindung mit Zukunft! - Hier wird einmal mehr illustriert, dass der Markt Schweiz Spielraum für Innovation offen hält. Möge der schöpferische Erfindergeist auf die Agrarpolitik überschwappen. Herzliche Gratulation, Koubachi Gründerteam, und weiterhin viel Erfolg! Antworten
Ich bin ein erfahrener App Entwickler und weiss, von was ich rede. Daher kann ich hier nur sagen: Autsch! Vier (4!) Jahre Entwicklungszeit, Fördergelder, ETH Spin-Off, Investoren... Für eine derart simple App! WTF?!? Diese "Leistung" ist wohl eher peinlich, denn sonst etwas... Jedenfalls sicher keines Artikels in einer grossen Tageszeitung würdig. Antworten



