Zürich
«Wenn sie fahren, gehts ab»
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 06.11.2012 5 Kommentare
Sportart einer vergangenen Epoche: Trailer zum Kurzfilm über die Steher der Offenen Rennbahn Oerlikon.
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Die Offene Rennbahn Zürich-Oerlikon ist ein Unikum. Sie ist die älteste noch in Betrieb stehende Sportanlage der Schweiz. In diesem Jahr wurde ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert – mit einem mehrtägigen Fest und zahlreichen Sportveranstaltungen. Unter anderem die Steher-Europameisterschaften.
Am Ende dieses Jubiläums wird der Radrennbahn ein weiteres «Geschenk» gemacht: An den heute Dienstag startenden Winterthurer Kurzfilmtagen wird der Film «Steher» im Rahmen der Swiss Competition gezeigt. Es ist eine Ode an einen Sport, der zur Rennbahn gehört wie der Speaker und die Bratwurst – und der wie sie aus einer längst vergangenen Epoche stammt. «Diesen Sport würde man in der heutigen ökologisch geprägten Zeit so wohl nicht mehr erfinden. Er ist viel zu lärmig und es riecht nach Abgasen», sagt denn auch «Steher»-Regisseur Adrian Winkler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
Besuche auf der Rennbahn sind trendy
Steher sind Radrennfahrer, die in dauerhaft hohem Tempo über längere Distanzen auf der Bahn fahren. Das gelingt ihnen, indem sie im Windschatten eines Motorrads, einem sogenannten Schrittmacher, fahren. Damit der Windschatten möglichst gross ist, steht der Töfffahrer in speziellen Trittbrettern. «Die Steher symbolisieren für mich am besten, was den Charme der Rennbahn ausmacht», erklärt Winkler seine Faszination, «schon seit Ewigkeiten knattern sie durch die Steilwandkurven und sind trotzdem mehr als ein Abglanz vergangener Tage – weil sie ihren Sport mit viel Leidenschaft ausüben.»
Steherrennen waren bis in die 80er-Jahre echte Publikumsrenner und ausgesprochen populär. «Vor rund 30 Jahren hat das abgenommen. Aber inzwischen ist es unter den vielen Velofahrern und Velokurieren der Stadt trendy geworden, während der Saison im Sommer jeweils am Dienstagabend zur Offenen Rennbahn zu gehen», so Winkler. Zudem hätten die Veranstaltungen zur 100-Jahr-Feier Leute an die Rennbahn gelockt, die zum Teil noch nie da waren und auch nichts mit dem Radsport anfangen können. «Sie kommen trotzdem wieder, weil es ein einzigartiger, lebendiger Ort ist und kein Museum. Und die Steher entpuppen sich wieder als Hauptattraktion. Wenn sie fahren, gehts ab.»
Die Rennbahn liegt auf begehrtem Bauland
Diese Beobachtung macht auch Peter Bielmann, Bereichsleiter beim Sportamt der Stadt Zürich. «Das Jubiläumsjahr hat der Anlage Auftrieb gegeben. Es hat dazu beigetragen, dass es mehr Zuschauer gab.» Die Offene Rennbahn gehört seit dem Konkurs des früheren Besitzers im Jahr 1951 zum Portfolio der Immobilien-Bewirtschaftung der Stadt Zürich. Vermietet ist sie stadtintern ans Sportamt und dieses wiederum hat einen Untermietvertrag mit der Interessengemeinschaft Offene Rennbahn Oerlikon (Igor) abgeschlossen. Im Mai dieses Jahres wurde dieser Vertrag, der bereits seit 2008 besteht, bis zum 31. Dezember 2014 verlängert. Doch wie es danach weitergehen wird, ist ungewiss.
«Die Rennbahn liegt auf Bauland. Man könnte dort Wohnungen errichten und der Druck, das zu tun, steigt», sagt Bielmann gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Wir würden es natürlich sehr bedauern, wenn wir diese Sportanlage nicht mehr hätten. Es ist eine traditionelle Sportstätte von überregionaler Bedeutung. Wenn sie abgerissen würde, gäbe es keinen Ersatz dafür.»
Nutzung als Radrennbahn bis 2020
Bei der städtischen Immobilien-Bewirtschaftung gibt es noch keine konkreten Pläne, wie das Areal langfristig genutzt werden soll. «Wir fahren zurzeit eine zurückhaltende Objektstrategie», so Immo-Sprecher Marc Huber. Man investiere alles, was zum Substanzerhalt notwendig sei. «Aber Ausbauideen, wie sie hin und wieder auch lanciert werden, kann die Stadt derzeit sicher nicht unterstützen.»
Die letzte städtische Idee fürs Areal war ein Kombistadion aus Eishockeystadion und Ersatzneubau für das Hallenbad Oerlikon. Städtebaulich habe dies jedoch laut Huber nicht überzeugt, da das Bauvolumen für diesen Ort zu gross geworden wäre. «Aktuell konkretisieren wir die Pläne für einen gemeinsamen Ersatzneubau für das Hallenbad Oerlikon und für die Eisbahn Oerlikon», so Huber weiter. «Dieser Ersatzneubau soll aber neben der heutigen Eisbahn realisiert werden. Deshalb ist die Rennbahn von diesem Projekt nicht tangiert.»
Die Fans der Offenen Rennbahn dürfen also noch auf einige spannende Sportmomente hoffen, denn das Fazit des Immo-Sprechers lautet, «dass sich an der heutigen Nutzung bis Grössenordnung 2020 kaum etwas ändern wird.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.11.2012, 12:04 Uhr
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5 Kommentare
Nicht zuletzt verdanken wohl die heutigen Motorräder ihre Existenz den Steher-Rennen. Die ersten motorbetriebenen Fahrräder als Tempomacher haben in den 1890er Jahren den bis heute stetig steigenden Boom für Motorräder ausgelöst gehabt. Ein Grund mehr, diese Tradition zu erhalten und zu fördern. Antworten
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