Werbung mit dem goldenen Thron
Gewohnt unzimperlich: SVP-Werbung mit eindeutigem Slogan. (Bild: PD)
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In der Wortwahl ist die SVP auch dieses Mal nicht zimperlich: «5,9 Millionen für e Schiissi!», schreibt sie entrüstet auf ihr Plakat, das ein goldenes WC zeigt. Und fragt: «Wer verdient sich mit der goldenen Schiissi hier wohl eine goldene Nase?»
Die SVP ist allerdings etwas unpräzise. Die Zürcherinnen und Zürcher stimmen am 26. September nicht über eine «goldene Schiissi» ab, sondern über ein Kunstprojekt mit Restaurant, Kiosk – und einem Züri-WC. Das alles kostet zusammen 5,9 Millionen, wobei auf die «Schiissi» selber nur 460 000 Franken entfallen. Herzstück des Projekts ist eine Nachbildung des sogenannten Nagelhauses im chinesischen Chongqing. Sein Bild (links) ging 2007 als Symbol des Widerstandes um die Welt; dessen Besitzerin wollte ihr Haus als Einzige nicht für den Bau eines Shoppingcenters opfern, und so ragte es am Ende wie ein Nagel einsam aus der Baugrube.
Befürworter sind gefordert
«Dass die Stadt für das Projekt so viel Geld ausgeben will, regt mich so auf», ärgert sich Mauro Tuena. «Hier wollen sich doch nur ein paar Künstler verwirklichen.» Die SVP, die das Projekt mithilfe eines Referendums an die Urne bringt, will ihre Nein-Kampagne gross fahren und mit Inseraten, Plakaten und Flugblättern gegen das Projekt ankämpfen. Wie viel Geld sie dafür einsetzt, will Tuena nicht verraten, es werde aber «scho chli öppis» sein. «Es gibt Dinge, da lohnt es sich, zu kämpfen.»
Das Pro-Komitee, dem bis heute SP, Grüne und Grünliberale angehören, kann in finanzieller Hinsicht nicht mit der SVP mithalten. «Da sind wir etwas schmal auf der Brust», sagt der Gemeinderat Bernhard Piller (Grüne). Das Komitee werde sich deshalb etwas einfallen lassen müssen, um mit «human power», die nichts koste, etwas bewerkstelligen zu können.
«Ein begehbares Kunstwerk»
Während die SVP ausschliesslich die Kosten – «Stopp der Steuergeldvernichtung» – ins Feld führt, war das Geld an der gestrigen Pressekonferenz des Pro-Komitees nur am Rande Thema. «Das Nagelhaus ist kein gewöhnliches Haus, es ist ein begehbares Kunstwerk», argumentierte SP-Gemeinderätin Marianne Dubs. Der Mehrwert, den es gegenüber einem einfachen Kiosk-Container bringe, rechtfertige die Zusatzkosten. Wichtiger als die Kosten ist dem Pro-Komitee die Kunst und die soziale Wirkung: «Wir schlagen zwei Fliegen auf einen Schlag», meinte Gemeinderat Piller: Das geplante Restaurant im Nagelhaus belebe den Escher-Wyss-Platz und mache ihn so sicherer. «Aus diesem öden Platz wird ein moderner, urbaner Ort, der wie der Schiffbau über die Stadt hinaus für Aufsehen sorgen wird.»
Gian von Planta, Fraktionspräsident der Grünliberalen, sieht durchaus Parallelen zwischen dem Nagelhaus in China und jenem in Zürich. Es werde daran erinnern, dass die Zürcher Stadtplaner vor dreissig Jahren ebenso rücksichtlos vorgegangen seien wie jene in China und mit der Hardbrücke eine Autobahn mitten durch ein Wohnquartier gelegt hätten. Gegen das «Schiissi»-Motto der SVP treten sie mit dem Slogan an: «Ja zum schrägen Haus.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.08.2010, 12:00 Uhr




