Zürich

Weshalb Sexboxen das Zuhälter-Problem nicht lösen werden

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 26.05.2011 18 Kommentare

Der Strassenstrich am Sihlquai wird aufgehoben und in die Brunau und in Sexboxen in Altstetten verfrachtet werden. Die Zuhälter hält das nicht ab, sagt Kantonsrätin und Staatsanwältin Silvia Steiner.

1/8 Auf dieser Brache soll der Strichplatz gebaut werden. Im Hintergrund die Containersiedlung für Asylbewerber
Sophie Stieger

   

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17.3%

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13.9%

In Zürich sollte es überhaupt keinen Strich geben

 
30.7%

1478 Stimmen


Silvia Steiner ist CVP-Kantonsrätin. Als Zürcher Staatsanwältin hat sie unter anderem den Goldfinger-Prozess geführt, bei dem vier Roma-Zuhälter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. (Bild: PD)

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Der Zürcher Stadtrat will die Strassenprostitution in geordnete Bahnen lenken: Anstelle der bisherigen 11 Kilometer Strassenstrich soll es ab dem Frühling 2012 nur noch drei Zonen geben: Einen Autostrich in der Allmend Brunau, Sexboxen an der Aargauerstrasse im Kreis 9 und einen Fussgängerstrich im Niederdorf. Ob die Frauen tatsächlich selbstständig arbeiten, soll mit einem Meldeverfahren überprüft werden.

Bekommt die Stadt damit den Strassenstrich in den Griff? Silvia Steiner, als CVP-Kantonsrätin und Staatsanwältin mit den Zuständen im Milieu vertraut, hält die Stossrichtung des neuen Strichplans für richtig. Es sei gut, dass die Strassenprostitution de facto in fast der ganzen Stadt verboten wird. «Ich glaube nicht mehr daran, dass legale Prostitution die Frauen schützt.»

Repression zum Schutz

Bei den grossen Prozessen, die sie als Staatsanwältin in Gang gebracht hat, haben die Opfer laut Steiner nur vor Gericht ausgesagt, weil drei Bedingungen erfüllt waren: «Sie waren nicht die Einzigen. Zudem hatten wir noch mehr Beweismittel als ihre Aussagen. Und drittens hatten sie keine andere Wahl, als zu reden, weil sie und ihre Familien zu Hause massiven Drohungen ausgesetzt waren.»

Für Steiner ist klar, dass der Staat auch repressiv gegen die Prostituierten vorgehen können muss – und zwar nicht nur aus Rücksicht auf Ruhe und Ordnung, sondern auch zu deren Schutz. «Man kann nicht erwarten, dass eine Frau von sich aus kommt und sagt, sie sei ein Opfer des Menschenhandels.»

Zuhälter passen sich an

Pessimistisch ist Steiner, was die Sexboxen angeht. «Sie sind kaum der grosse Befreiungsschlag, als den sie die Stadt anschaut.» Die Freier, die heute an den Sihlquai gehen, würden die Boxen kaum aufsuchen. «Wenn sie nur einen Rest an Unrechtbewusstsein haben, werden sie sich ganz animalisch ihre Fluchtwege frei halten wollen.» Möglich sei aber, dass andere Freierschichten an die Aargauerstrasse kämen. Man müsse es zumindest einmal mit Boxen probieren.

Ebenso bedeutsam ist die Frage, ob die meist ungarischen Prostituierten vom Sihlquai tatsächlich in die Sexboxen umsiedeln. Diese Frauen sind nicht als selbstständige Unternehmerinnen tätig, sondern werden von ihren Zuhältern permanent überwacht. Das sei auch möglich, wenn die Zuhälter im Areal nicht geduldet werden, sagt Steiner: «Die Roma passen sich ihrem Umfeld hervorragend an. Wenn in einer Stadt nur Sexboxen zur Verfügung stehen, werden sie die Frauen auch dorthin schicken.» Die Kontrolle behalten die «Strizzis» per Handy mit dauernden Anrufen und SMS oder über Capos – Frauen, die die anderen Frauen beaufsichtigen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2011, 13:42 Uhr

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18 Kommentare

Martin Huber

26.05.2011, 15:52 Uhr
Melden 50 Empfehlung

Wieso baut man die Boxen nicht dorthin wo wie Freier herkommen? Kanton Uri, Schwyz, Aargau, Schaffhausen? Wäre doch 'ehrlicher'! Sie könnten sich den Weg nach Zürich ersparen, würden die Strassen nicht verstopfen, für die Umwelt wäre es auch noch gut! Antworten


Thierry Follonier

26.05.2011, 16:56 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Jede Stadt auf der Welt hat ein Abfallquartier. In NY ist es die S.Bronx, in London ist es Brixton und
in Zurich wird's halt Altstetten.
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