Weshalb Zürich eine 1000 Seiten starke Quartierbibel produziert
Von Franziska Kohler. Aktualisiert am 19.01.2012 9 Kommentare
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Das Quartier Langstrasse scheint kein gutes Pflaster für glückliche Ehen zu sein: 135 Ehen wurden dort im Jahr 2010 geschlossen, 140 wieder geschieden. Auf jede Hochzeit folgte also mehr als eine Scheidung. Ähnlich unglücklich verlaufen die Ehen nur noch im Quartier Weinegg mit 34 Hochzeiten und 35 Scheidungen.
Solche und viele weitere Informationen zum Leben in Zürich finden sich im Anfang Januar publizierten Quartierspiegel 2011: Ein 1000 Seiten starker Katalog an statistischen Zahlen und Fakten, erhoben für jedes einzelne der 34 Quartiere, die wiederum in 216 statistische Zonen aufgeteilt werden. Neben Daten zum Zivilstand finden sich auch Angaben über die Arbeitslosenquote, den Anteil an Grünflächen, die Konfession der Wohnbevölkerung oder den Anteil an Einfamilienhäusern im Quartier. Ergänzt wird das Ganze durch ein Quartier-Quartett mit 35 Spielkarten.
Keine neuen Daten erhoben
Die Frage, ob sich der enorme Aufwand wirklich lohnt, der für eine solche Publikation betrieben werden muss, bejaht Rolf Schenker von Statistik Stadt Zürich. So gross sei dieser nämlich gar nicht gewesen. «Die Daten stammen grösstenteils von anderen Ämtern, beispielsweise dem Bevölkerungsamt oder dem Schul- und Sportdepartement, und konnten direkt übernommen werden.» Weder für den Quartierspiegel noch für das Quartett seien neue Daten erhoben worden. «Wir mussten lediglich die Auswertung nach Quartieren vornehmen.» Produziert wurden die Broschüren dann mit hauseigenen Druckmaschinen.
Trotzdem waren an der Herstellung der Broschüren im letzten Jahr acht Mitarbeiter des Amtes beteiligt. Josef Troxler, stellvertretender Leiter von Statistik Stadt Zürich, begründet diesen Personalaufwand für die Neuauflage mit der nach eigenen Angaben durchaus vorhandenen Nachfrage: Sowohl Schulen als auch Privatpersonen oder Quartiervereine hätten bereits Interesse an der Publikation bekundet, «bei der letzten Ausgabe von 2008 mussten wir sogar Exemplare nachdrucken, weil das Interesse so gross war».
Die zweitgrösste Publikation
Die Kritik, dass Aufwand und Ertrag sich bei einer tausendseitigen Quartierstatistik nicht die Waage halten, weist Josef Troxler darum zurück. Die Statistik würde einerseits einen Bildungszweck erfüllen, da darin viele geschichtliche Informationen enthalten seien. Andererseits gehe es auch um Identitätsstiftung: «Für uns ist jedes Quartier das Abbild einer kleinen Gemeinde. Mit den Broschüren wollen wir den Zusammenhalt innerhalb dieser Gemeinschaften stärken.» Auch die Herstellung von Spielkarten durch die Stadt Zürich begründet Troxler mit dem pädagogischen Nutzen, der daraus gezogen werden könne: «Einerseits ist auf jeder Karte ersichtlich, wo sich das Quartier innerhalb der Stadt befindet, andererseits werden die Kennzahlen und Eigenheiten jedes Quartiers aufgezeigt. Die Stadt wird so auf eine spielerische Art und Weise erkundet.» Ausserdem werde das Spiel nicht gratis abgegeben, sondern für 6 Franken verkauft. Es erfreut sich laut Troxler einer guten Nachfrage.
Wann die nächste «Quartierbibel» erscheinen wird, steht noch nicht fest. «Auf keinen Fall aber innerhalb der nächsten zwei Jahre», sagt Troxler. Dafür sei der Aufwand dann doch zu gross. Immerhin stellt die Quartierstatistik nach dem Statistischen Jahrbuch die zweitgrösste Publikationsreihe des Amtes dar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.01.2012, 13:27 Uhr
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9 Kommentare
Es gibt wirklich blödere Publikationen auf der Welt: Was es kostet, wird hier im Artikel nicht mal aufgelistet. Warum eigentlich nicht? Vermutlich, weil die Publikationskosten gar nicht so hoch sind. Aber Hauptsache man hat einen Artikel mehr, der halb offen, halb verdeckt Beamtenkritik und "Steuergelderverschleuderung" übt. Das bringt eben viele Klicks. Antworten
Die Stadt Zürich ist halt eine sooo reiche Stadt. Da kann man sich schon mal unnötige Publikationen, Häfenkräne und anderen nonsense leisten. Parlamentarier von der Mitte bis ganz links, sind Weltmeister im Ausgeben von Geld, dass Dritte verdient habe, bzw. Dritten (Steuerzahler/Bürger) gehört. Antworten

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