Widerstand gegen den «Luxus-Spielplatz»
Von Martin Huber. Aktualisiert am 04.05.2010 15 Kommentare
«Unsinn», «Komplett an den Bedürfnissen der Kinder und der Quartierbevölkerung vorbeigeplant!», «Verschwendung von Steuergeldern» – so lauten einige Kommentare in einem Internetforum, auf dem Hottinger Quartierbewohner derzeit ihrem Ärger über die geplante Umgestaltung des Kinderspielplatzes Artergut freien Lauf lassen.
Plan: Integrativer Spielplatz
Grün Stadt Zürich aus dem Tiefbaudepartement von Ruth Genner (Grüne) will den Spielplatz im idyllischen Park beim Kreuzplatz in einen neuen «integrativen Spielplatz» mit «barrierefreier Nutzung» verwandeln, wie es auf der Bauinfotafel im Park heisst. Am Projekt beteiligt ist auch die Stiftung Denk an mich, die sich für eine bessere Integration behinderter Menschen in der Schweiz einsetzt.
Viele Spielplatz-Besucher befürchten aufgrund des Projektbeschriebs und der Visualisierungen, dass der gut funktionierende Spielplatz durch eine teuer designte Anlage ersetzt wird, «die eher an moderne Kunst erinnert», wie es ein Kritiker formuliert. «Kinder brauchen keinen Max Bill», meint ein anderer Forumsteilnehmer.
Konkret bemängeln die Kritiker, dass die Stadt die Schaukeln abbauen, die Tischtennistische versetzen und die Klettertürme sowie Spielhäuschen entfernen will. Auf wenig Verständnis stösst die Absicht der Stadt, den Spielplatz ausgerechnet von Ende Juli bis Anfang Oktober dieses Jahres zu renovieren. Quartiervereinspräsident Martin Schmassmann zeigt sich zudem enttäuscht, dass Quartiervertreter nicht von Beginn weg in die Planung miteinbezogen wurden. Die Gegner prüfen bereits die Lancierung einer Petition und Einsprachen gegen die Baupläne.
Politische Schützenhilfe von der SP
Auch politische Schützenhilfe haben sie in Aussicht. So kündigt SP-Gemeinderat Jean-Daniel Strub im Internetforum an, er werde sich auf politischen Wegen darum bemühen, dass der Spielbereich möglichst so bleibt, wie er ist. Der Artergut-Spielplatz sei wohl einer der besten überhaupt in der Stadt, gerade auch für Kinder bis drei Jahre.
Elternvereins-Präsidentin Daniela Scoppetta Frank warnt vor einer «Luxus-Variante», bei der an den Bedürfnissen vieler Benützer vorbeigeplant werde. Sie erinnert an den Spielplatz Blatterwiese beim Zürichhorn, den Grün Stadt Zürich 2007 umgestaltet hatte. Schon bald beschwerten sich Quartierbewohner dort über das gefährliche Wasserspiel, fehlende Schattenplätze und Trinkbrunnen sowie über zu wenig Sitzplätze.
Stadt geht über die Bücher
Annina Keller, Sprecherin von Grün Stadt Zürich, versucht, die Wogen zu glätten. Sie zeigt Verständnis für den Unmut der Spielplatzbenützer und signalisiert Gesprächsbereitschaft. Gestern Montag habe eine Aussprache zwischen Vertretern der Stadt und den Artergut-Kritikern stattgefunden.
«Wir gehen nochmals über die Bücher», kündigt Keller an. Es sei möglich, dass es zu Projektänderungen kommen werde. Sie weist darauf hin, dass die Spielgeräte altersbedingt ersetzt werden müssen. Die Kosten für die Spielplatzerneuerung betragen laut Keller 560'000 Franken.
Auch die Stiftung Denk an mich zeigt sich kompromissbereit. Geschäftsführerin Catharina de Carvalho spricht von «berechtigten Einwänden». Man werde jetzt die Baupläne nochmals anschauen und die Baueingabe womöglich überarbeiten. Die Stiftung will künftig in mehreren Städten behindertengerechte Spielplätze einrichten. Jener im Artergut wäre laut de Carvalho landesweit einer der ersten.
SP-Politiker Strub begrüsst die Absicht, den Zugang für behinderte Kinder auf dem Artergut-Spielplatz zu vereinfachen. Aber es bestehe die Gefahr, dass die erhoffte Integration gar nicht zustande kommt, weil jetzige Nutzer nach der Neugestaltung ausbleiben.
Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.05.2010, 21:19 Uhr
Kommentar schreiben
15 Kommentare
Uhhi nein, Frau Genner wird den Spielplatz gestalten? Uhi, wenn das so rauskommt wie im Strassenverkehr dan guet nacht am 6i... zum Glück wohne ich mit meinen Kindern auf dem Land und sie Können in den Wald spielen gehen, und müssen nicht auf so einem Überteuerten Desinger Place to Bee Spielplatz ihre Zeit verbringen Antworten
Meine zwei Kinder kannten bis vor kurzer Zeit nichts schöneres, als sich auf einem Spielplatz auszutoben. Wenn ich aber das Modell des geplanten Spielplatzes betrachte, so kann ich mit nicht vorstellen was meine Kinder mit diesen " langweiligen Bögen" anfangen sollten. Am ehesten würden sie noch versuchen da hochzuklettern und oben drauf zu stehen, und da würde mir die Angst und Bang dabei. Antworten



