Wie Gress & Co. am Bellevue kommentierten

Public Viewing der etwas anderen Art: Prominente Gäste sassen am Samstagabend im Belcafé und analysierten im ersten Fussballrondell die Partie Israel-Schweiz.

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Der Anpfiff ist gerade mal noch zehn Minuten entfernt, als die Hauptakteure endlich eintreffen. Zuerst kommen Urs «Longo» Schönenberger und Beach-Soccer-Spieler Stephan Meier, kurz darauf folgt Bahnradfahrer Franco Marvulli, und dann huscht schliesslich eine schlohweisse Mähne durch den Raum - die berühmte Frisur von Gilbert Gress, der sich zielsicher zu seinen Mitkommentatoren gesellt. Die vier Stargäste sind mit Headset-Mikrofonen ausgestattet und beziehen am östlichen Ende der bogenförmigen Theke hinter Rotweingläsern ihre Positionen. Eine Moderatorin stellt sie kurz vor, begrüsst das Publikum und gibt dann den Blick frei auf zwei grosse Plasma-Fernseher, wo die Partie Israel-Schweiz gerade beginnt.

Bereits in den ersten Spielminuten beweist sich Alt-Nationaltrainer Gress als grosser Analytiker und Witzbold vor dem Herrn. Er kommentiert einen missglückten Steilpass («Oh, das ist sehr schlescht») und erklärt dann, er und seine Mitspieler hätten während ihrer Aktivzeit nie Namensaufschriften auf den Trikots getragen: «Wir waren so berühmt - uns kannte man einfach.» Stephan Meier konzentriert sich derweil aufs Spiel, während Marvulli und Schönenberger eine kleine Privatkonversation führen. Die erste Halbzeit verläuft dann eher ruhig, doch als Yakin in der 45. Minute den Ball unter die Latte jagt, fegt ein kollektiver Freudenschrei durchs Rondell.

Typische Männergeräusche

Den Veranstaltern des Fussballrondells geht es darum, den Public-Viewing-Gedanken auch abseits der Gross-Events zu pflegen und zu verfeinern. «Es geht darum», so Initiant Stefan Klameth, «dass sich Kollegen und Experten gemeinsam ein Spiel ansehen können.» Diese Veranstaltungen werden jeweils dokumentiert und anschliessend auf der Website Fussballrondell.ch präsentiert. So sind denn auch gleich vier Kameramänner den ganzen Abend über damit beschäftigt, das Publikum und die prominenten Gäste in bewegten Bildern zu verewigen. Etwa Stephan Meiers spontanes Tänzchen mit einer Zuschauerin, nachdem Gress eine eigene Einlage mit den Worten «Ich bin kein guter Tanzer» ablehnte. Oder die entgeisterten Gesichter nach Israels Ausgleich zum 2:2.

Das Geschehen im runden Raum am Bellevue ist mitunter spannender als das Länderspiel auf den Bildschirmen. Beispielsweise die schönen jungen Frauen, die sich im nördlichen Thekenrandgebiet versammelt haben und von dort aus belustigt den Männern zuschauen, wie diese Fussball schauen und «typische Männergeräusche» wie «oooh-oh!» oder «oaaa!» von sich geben. Es ist ein kollektives Zelebrieren verschiedener Facetten eines Fussballspiels im öffentlichen Raum, ergänzt um die Live-Kommentare der Fachleute. Diese spontanen Voten stammen an diesem Abend vorwiegend von Gress und Schönenberger, während Marvulli den interessierten Laien gibt und Zwischenfragen stellt. Als der Schiedsrichter das Spiel schliesslich abpfeift, tauchen auf den Bildschirmen Matthias Hüppi und Rolf Fringer auf. Gilbert Gress schaut kurz hin und fragt dann lautstark in den Raum: «Kann man bitte umschalten?» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 10:08 Uhr

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