Wie Immobilienhaie im Seefeld jagen
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 04.10.2011 58 Kommentare
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Der Handwerker Hans Müller* arbeitet im Seefeld in verschiedenen Häusern. Kürzlich fragte ihn ein Hausverwalter, ob er Leuten, die ihr Haus verkaufen wollten, nicht seine Karte weitergeben könne. «Er bot mir sogar an, etwas zu bezahlen, wenn ein Verkauf zustande komme.» Auf der Karte steht: Daniel Ledermann, Immobilienberater und -verwalter. Dessen Bruder Urs besitzt im Seefeldquartier bereits Dutzende Immobilien.
Daniel Ledermann will sich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch nicht zu dieser Praxis äussern. Seine Immobilienverwaltung wird zwar auf der Homepage der Ledermann Immobilien AG von Bruder Urs verlinkt, allerdings nur als eine Firma unter diversen.
Urs Frey, Präsident des Quartiervereins Riesbach, bestätigt, dass die Methoden von finanzstarken Immobilienkäufern aggressiver geworden sind. «Mir sind zwei Fälle bekannt, wo Hausbesitzer hartnäckig, fast schon penetrant, telefonisch gedrängt wurden, ihr Haus zu verkaufen.» Auch per Post und E-Mail würden sie in regelmässigen Abständen angefragt. Gerüchteweise habe er auch schon davon gehört, dass Handwerker als eine Art Vermittler eingesetzt würden.
Albert Leiser, Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbandes, kann die härtere Gangart von Investoren nicht bestätigen. Klagen von kleinen Hausbesitzern im Seefeld habe er nicht gehört. «Ich schliesse aber nichts aus, die Investoren werden immer phantasievoller.»
«Immer weniger zu holen»
Quartiervereinspräsident Frey sieht die steigende Aggressivität als Symptom der Veränderung im Quartier. «Es gibt immer weniger zu holen, da werden die Methoden härter.» Er macht sich Sorgen, dass die Durchmischung im Seefeld weiter abnehmen wird. «Wenn aktuellen Hausbesitzern der Speck durch den Mund gezogen wird bis sie verkaufen, wird es bald keinen erschwinglichen Wohnraum mehr geben.» Eine Hoffnung aber bleibt ihm: «Angesichts der ungewissen Wirtschaftslage bleibt zu hoffen, dass die kleinen, alteingesessenen Hausbesitzer ihre Objekte als sichere Wertanlage behalten.»
Viel weiter geht Jacqueline Badran, SP-Gemeinderätin für die Kreise 7 und 8 in ihrer Analyse der Situation. Sie spricht davon, dass vor allem bei Anlegern «Klinkenputzen an der Tagesordnung ist.» Allgemein hat die Entwicklung nebst den Turbulenzen an den Aktienmärkten und der stabilen Währung für sie einen klaren Grund: Bei jedem Bankkonto, jedem Kauf eines teuren Kunstwerks müsse heute ein Nachweis erbracht werden, woher das Geld komme. «Die Immobilien werden im Geldwäschereigesetz ausgelassen. Dort können sie einfach mit einem Köfferchen Geld anspazieren, ohne dass nachgefragt werden muss, woher es stammt.» So würden grosse Summen über Immobilienfirmen in Häusern angelegt, die ursprünglich ohne Versteuerung auf Schweizer Bankkonten lagen.
*Name geändert (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.10.2011, 11:08 Uhr
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58 Kommentare
Jacqueline Badran muss natürlich wieder mit dem Stichwort Geldwäsche um sich werfen. Die SP will ja den gläsernen Menschen, dem man direkt die (steigenden) Steuern vom Konto abbuchen kann. Wahr ist eher, dass Immobilienfirmen ihr Geld so sicherer anlegen wollen, als dies im Aktienmarkt möglich ist., dazu mit demselben Inflationsschutz wie Gold. Ich würde es auch so machen, wenn ich das Geld hätte. Antworten
Was ist an diesen Methoden verwerflich? Bevor ich etwas kaufe, erkundige ich mich in meinem Umfeld auch, wo ich das Ding kriegen kann - und - noch viel verwerflicher: den besten Service zum besten Preis kriege.
Liebe Leute: nur so funktionieren Märkte - indem potentielle Käufer mit potentiellen Verkäufern zusammengebracht werden.
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