Wie Obdachlose bei Minustemperaturen überleben
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 03.02.2012 20 Kommentare
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Das Thermometer steigt in diesen Tagen nie über minus sieben Grad. Noch härter sind die Nächte: Heute werden Tiefstwerte von bis zu minus 17 Grad erwartet. Doch selbst bei diesen Temperaturen gibt es noch immer Menschen, die im Freien schlafen.
«In der Nacht auf heute haben wir noch drei Personen entdeckt», erklärt Christian Fischer, Betriebsleiter der SIP Zürich. Die Obdachlosen würden sich meist Plätze suchen, die windgeschützt und vor allem trocken seien. «Ob es draussen minus drei oder minus zehn Grad ist, macht keinen Unterschied: Es ist sowieso zu kalt, wenn man nicht richtig ausgerüstet ist.»
Zwar hätten die Obdachlosen keine Hochgebirgsausrüstung dabei, sie wüssten sich aber anders zu helfen. «Einer, der mir in den Sinn kommt, legt jeweils eine Matte aus, darauf kommt ein Fell, und er schläft dann vollbekleidet mit einer zusätzlichen Decke.»
Militärschlafsäcke für Obdachlose
Walter von Arburg, Sprecher der Sozialwerke Pfarrer Sieber, erklärt, dass das Hilfswerk bereits im Sommer damit angefangen habe, warme Kleider und Handschuhe zu verteilen, deshalb habe jeder genug Warmes anzuziehen. Die Obdachlosen würden sich einfach «im Zwiebelschalenprinzip» so viele Schichten anziehen, wie sie zur Verfügung hätten.
«Für die kalten Nächte verschenken wir zudem Militärschlafsäcke.» Die Patrouillen der Sieber-Werke hätten in der vergangenen Nacht aber keine Person entdeckt, die bei den Minustemperaturen im Freien schlafen wollte.
Platz genug in Notunterkünften
SIP-Geschäftsleiter Fischer erklärt, dass es genug Plätze in Notunterkünften gebe, damit sich niemand den kalten Temperaturen aussetzen müsste. «Für jene, die jetzt noch draussen bleiben, ist dies ihr Lifestyle.» Zwar sei es möglich, dass bei einigen Ängste zugrunde liegen, die sie dazu bringen. Auch andere psychische Störungen oder Drogenprobleme könnten Faktoren sein.
Deshalb führe man in jeder Nacht Kontrollen durch. Im Notfall weise man die Betroffenen dann in eine Unterkunft. «Wenn sie sich weigern, ziehen wir auch Ärzte oder die Polizei bei und können so einen fürsorgerischen Freiheitsentzug aussprechen.» Gerade vor drei Tagen sei dies bei einer Person nötig gewesen. «Der Mann war völlig am Ende.»
Fischer kann sich nicht erinnern, wann zum letzten Mal ein Obdachloser in Zürich erfror. «Fassen wir Holz an, dass dies nicht geschieht. Die aktuellen Temperaturen sind gefährlich.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.02.2012, 15:29 Uhr
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