Wie Reisen wieder interessant wird

Der Reiseführer einer Zürcher Texterin verspricht mehr Musse in jeder Stadt – auch in der eigenen. Zehn Anregungen, die Erlebnisse der besonderen Art garantieren und nichts kosten.

Bierdeckel: Alternatives Souvenir von einem Städtetrip.

Bierdeckel: Alternatives Souvenir von einem Städtetrip. Bild: Thomas Burla

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Gängige Reiseführer listen die Sehenswürdigkeiten einer Destination auf, nennen die besten Restaurants, geben Vorschläge für Rundfahrten und Ausflüge. Sie verfahren nach dem Effizienzgedanken: möglichst viel in der begrenzten Zeit sehen und so das Maximum aus dem Aufenthalt herausholen.

Das findet die Zürcher Texterin Lena Grossmüller anstrengend und frustrierend. Enttäuschte Erwartungen seien so programmiert. Ihr Reiseführer «DSCVR» (Discover, englisch für Entdecken) soll stattdessen jedem die «Inspiration geben, sich zu verlieren». Erst so ergebe sich die Möglichkeit für ungewöhnliche Erfahrungen.

Planlosigkeit als Prinzip

Grossmüller hat sich in ihrer Masterarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) mit Reisekonzepten beschäftigt, die dem Unbekannten und Überraschenden mehr Platz einräumen. Daraus ist «DSCVR» entstanden, das ein einfaches Prinzip verfolgt: das aufmerksame Flanieren.

Wer ohne bestimmtes Ziel durch die Stadt spaziert, lässt seinen Blick über Fassaden wandern, beobachtet die Menschen, nimmt die verschiedenen Gerüche und Geräusche wahr. Genau das will Grossmüller: dass sich ihre Leserinnen und Leser treiben lassen.

Auf den rund 160 Seiten formuliert sie Impulse und Gedanken, die dazu verleiten, eine Stadt, ihre Bewohner und das Leben dort auf andere Weise zu betrachten. Zehn davon lauten folgendermassen:

  • Starte in einem Wohnviertel. Spähe in die Häuser, schaue auf die Klingelnamen. In welchem Haus würdest du gerne leben?

  • Geh auf Spurensuche: Wo findest du Hinweise auf vergangene Erlebnisse?

  • Schleiche dich heimlich auf Fotos von anderen Touristen.

  • Starte eine ungewöhnliche Souvenirsammlung (Haargummis, Bierdeckel, Spielkarten, Werkzeug, Blumensamen, Stofftiere, Fotoalben, Müeslischalen, Spültücher, Zahnbürsten).

  • Beobachte in der Wartezeit Menschen und gib ihnen Namen und Berufe.

  • Biege nach 7 Minuten links ab, ohne auf die Uhr zu schauen.

  • Lies eine lokale Zeitung.

  • Mache dich auf den Weg zu einer Baustelle. Laufe um sie herum. Wie sah, wie sieht es hier bald aus? Welches Luftschloss würdest du hier bauen?

  • Wenn dir eine Person entgegenkommt, die Architekt sein könnte/heute Geburtstag haben könnte/aus deinem Land kommen könnte, biege rechts ab.

  • Folge einer fremden Person.

Grossmüller beschreibt ihr Buch als «Hommage an den Zufall und Affront gegen die Komfortzone». Gerade deshalb eignet sich der alternative Reiseführer auch für die eigene Stadt, durch die man selten schlendert, sondern meistens auf dem Weg zur Wohnung, dem Arbeitsort oder der nächsten Einkaufsmöglichkeit zielorientiert durchquert.

Die erste Auflage von «DSCVR» ist ab August erhältlich auf www.dscvr-guide.com (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2015, 15:02 Uhr

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