Wie Rentner weiterarbeiten können

Fünf Männer haben in Zürich die erste Stellenvermittlung für Arbeitskräfte ab 65 Jahren gegründet.

Zwei Drittel der Rentner würden gerne weiterarbeiten: Eine neue Stellenplattform in Zürich kümmert sich darum. Foto: Jophil

Zwei Drittel der Rentner würden gerne weiterarbeiten: Eine neue Stellenplattform in Zürich kümmert sich darum. Foto: Jophil

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Darauf haben Pensionierte schon lange gewartet: Eine Stellenplattform, die sich ausschliesslich auf ihre Vermittlung konzentriert. Das Unternehmen, das ihre Wünsche umsetzt, heisst Visberg, der Initiant Michael Büchel. Das Büro liegt im Seefeld und die Firma ist im April 2014 gegründet worden. Visberg will im Schweizer Markt eine Pionierrolle spielen. «Alle reden vom demografischen Wandel und dem dritten Berufsleben», sagt Büchel, «aber niemand hat bisher einen Plan entwickelt.»

Inspiriert worden ist Büchel, als er einen Artikel ausgerechnet über Amazon las. Um den Weihnachtsboom in den USA zu bewältigen, beschäftigt der Onlinedetaillist jeweils Heerscharen von Rentnern. Mit dem Verpacken von Büchern und CDs verdienen sich diese ein Zubrot. In der Schweiz ist das Angebot von rüstigen Rentnern noch höher als in den USA. So zeigt eine Studie des Thinktanks Avenir Suisse, dass dieses Jahr mehr Menschen den 65. als den 20. Geburtstag feiern werden. Bekannt ist auch die Klage der Unternehmer über den Mangel an Facharbeitern im Zusammenhang mit der Masseneinwanderungsinitiative.

Die jungen Alten sind so fit wie nie

Das Problem wird sich noch verschärfen. 2025 werden in der Schweiz eine Million Menschen im Rentenalter sein. «Zwei Drittel der Pensionierten würden gerne weiterarbeiten», sagt Büchel, «ein Teil davon, weil sie das Geld brauchen.» Dazu kommt, dass die Rentner heute fit sind wie noch nie. «Wir müssen wegkommen vom Bild des 65-Jährigen, der verbraucht ist und nichts mehr leisten kann.»

Büchel ist überzeugt, dass die Rentner ein riesiges Potenzial für die Unternehmen darstellen. Das gilt auch für die Frauen. Nach der Pensionierung haben sie genauso Mühe, von 100 auf null herunterzufahren. «Zudem stellen sie plötzlich fest, dass ein Leben ohne Arbeit, auch eines ohne Anerkennung und oftmals ohne soziales Umfeld ist», so Büchel.

Das Geschäft ist noch am Anfang

Zusammen mit seinen vier Partnern ist Büchel im Begriff, ein Netzwerk aufzubauen. Er konzentriert sich dabei auf Fachkräfte wie Ingenieure, Banker, Leute aus dem Dienstleistungssektor, dem Gesundheitswesen, aber auch auf Hilfskräfte. Alle arbeiten Teilzeit oder auf Abruf. An sechs Firmen werden bereits Rentner vermittelt, es handelt sich um Maler, Zahnärztinnen, Architekten, Büroangestellte. Mit weiteren sechs ist die Stellenvermittlung in Kontakt. «Das Geschäft ist noch am Anfang», betont der Unternehmer.

Von den fünf Gründungsmitgliedern kommen vier aus der Personalvermittlungs-Branche. Mit jeder pensionierten Person führen sie ein Eintrittsgespräch, verlangen einen Lebenslauf und wollen Auskunft über Lohnvorstellungen und ihre Bedürfnisse betreffend Nähe zum Arbeitsplatz. Visberg engagiert die jungen Alten teilweise auf eigene Rechnung oder kassiert eine Vermittlungsgebühr, wenn sie bei einer Firma angestellt werden. Selber hat das Unternehmen noch niemanden über 65 Jahre engagiert.

Und was ist mit dem Frankenschock? Macht die neue Situation am Arbeitsmarkt Büchel einen Strich durch die Rechnung? «Das betrifft im Moment vor allem die Exportindustrie. Wir spüren den Frankenschock nicht, weil wir die Leute nur kurzfristig und zur Überbrückung vermitteln.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.02.2015, 16:13 Uhr)

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