Wie Rotwein ohne Alkohol
Von Christoph Trösch. Aktualisiert am 11.08.2010 5 Kommentare
Mit Rivella, Carpe Diem und aromatisiertem Mineralwasser gibt es bereits viele Produkte mit dem Image des gesunden Erfrischungsgetränks auf dem Schweizer Markt. Ein Getränk, das darüber hinaus ein längeres Leben verspricht, ist neu.
Gesund wie ein tägliches Glas Rotwein soll es wirken, limonadig soll es schmecken und keinen Alkohol haben: Das Getränk Sir Mount H (Deutsch: Überwinde das Alter) wurde in Zürich von der Familie Nairz entwickelt. Was anfangs nur als Hobby gedacht war, wurde im Verlauf des letzten Jahres ein interessantes Produkt für Bioläden, Alternativrestaurants und Lokale mit erhöhter Nachfrage nach alkoholfreien Getränken.
Erfolgreiche Tierversuche
Nachdem die Familie Nairz bei einem Wettbewerb für junge Unternehmen 10 000 Franken Startkapital für eine «brillante Geschäftsidee» gewonnen hatte, konnte sie ihre eigene Getränkefirma gründen. Seit Dezember letzten Jahres wurden 7000 Flaschen verkauft. Ohne Marktforschung oder Ausgaben für Werbung. «Wenn man es mit Rivella Gelb vergleicht, das trotz eines riesigen Werbebudgets gefloppt ist, sind wir sehr zufrieden. Wir haben auch schon richtige Fans», sagt Ursula Schiefthaler-Nairz. Die studierte Biologin hat mit ihrem Geschäftspartner und Ehemann Knud, Genetiker und ETH-Wissenschaftler, das Getränk auf dem Küchentisch in Oberstrass entwickelt und in einer LKW-Garage der Appenzeller Brauerei Locher veredelt.
Obwohl das Getränk zu 100 Prozent aus biologischen Zutaten besteht, sehen sich die Erfinder nicht als ökologische Puristen: «Wir fahren keine Biomüesli-Schiene, sondern wollen einen tollen Geschmack mit lebensverlängernder Wirkung vereinen.» Und was macht das Biogetränk nun zum «Jungbrunnen aus der Flasche»?
Geringeres Krebsrisiko?
«Es enthält ein Rotwein-Extrakt, das wir wissenschaftlich an Fruchtfliegen getestet haben. Deren Lebensdauer konnten wir erheblich steigern», erzählt die Miterfinderin Schiefthaler-Nairz. Ob das Extrakt auch bei Menschen wirkt, lässt sich zwar nicht beweisen: «Für Selbsttests sind wir ja noch zu jung.» Neue Forschungen haben aber bestätigt, dass ein hoher Polyphenolgehalt im Rotwein einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System bewirkt. Rotwein soll ausserdem das Krebsrisiko mindern, was durch den Alkoholgehalt aber jeweils relativiert wurde.
Das erste Lokal, welches Sir Mount H auf seine Getränkekarte setzte, war die Biker-Bar Cactus im Kreis 4. Einige weitere Restaurants und Bars folgten. Über Mund-Propaganda soll das Getränk nun über Zürich hinaus zum Gesprächsstoff werden. Ab September wird es in den meisten Bioläden der Deutschschweiz zu kaufen sein. Deshalb wurden Anfang Juli in Appenzell 10 000 Flaschen abgefüllt. Weitere Lieferungen sind in Planung.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.08.2010, 21:32 Uhr
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5 Kommentare
Da würde mich aber interessieren, was der Kantonschemiker zu einer solchen Anpreisung meint. Wenn weiss welche Yoghurts von Grosskonzernen ihre Werbung ändern mussten, weil sie ihre angepriesenen Wirkungen nicht belegen konnten, dürfte die Familie Nairz bald ein Problem bekommen. Antworten



