Wie die Ärzte im Mittelalter

Die Zusammenarbeit von Coiffeuren und Schönheitsärzten birgt eine besondere Ironie.

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Die Kooperation mag auf den ersten Blick überraschend sein, sollte sie aber eigentlich nicht. Denn es ist nichts als logisch und vor allem geschäftstüchtig, wenn Schönheitskliniken versuchen, mithilfe von Coiffeuren an neue Kundschaft zu kommen. Beim ­Figaro geht es ums Äussere. Warum soll er oder sie da nicht auch mal zu einer Schönheits-OP oder Botox-­Behandlung in einer bestimmten Klinik ermuntern?

Die Zahlung von Provisionen für medizinische Leistungen und Werbung ist verboten.

Fliesst dabei Geld, geht dies natürlich gar nicht. Die Zahlung von Provisionen für medizinische Leistungen und Werbung ist verboten und auch in der Standesordnung des Ärzteverbands FMH untersagt. Speziell gilt dies, wenn Geld fliesst, damit ein Arzt die Patienten einem Kollegen überweist. Bei Prämien an Private oder Nichtmediziner für vermittelte Patienten oder Kundschaft sind die Regeln weniger klar. Unethisch sind sie allemal. Unter anderem, weil damit eine Nachfrage nach medizinischen Leistungen generiert wird, die in vielen Fällen gar nicht bestünde.

Die Grenze zwischen einem etwas grosszügigen Dankeschön und einer handfesten Prämie ist fliessend. 

Doch existieren unzulässige Werbung und Zahlungen von Provisionen bei weitem nicht nur im Bereich der ästhetischen Medizin. Die Grenze zwischen einem etwas grosszügigen Dankeschön und einer handfesten Prämie ist fliessend. Dies macht den Nachweis von Missbrauch schwierig. Und weil die Aufsicht durch die Kantone und auch die FMH letztlich ungenügend ist, sind immer wieder Klagen unter anderem von verärgerten Ärztekollegen zu hören. Ihre Äusserungen lassen jedoch befürchten, dass die Praxis durchaus üblich ist. Ein Arzt sprach vor einiger Zeit gegenüber dem TA von «Schmiergeldtransfers», die von den Zuweisern erwartet und ohne Skrupel angenommen würden.

Im Mittelalter schnitten Barbiere nicht nur Haare, sondern behandelten auch Knochenbrüche und Wunden. 

Die Zusammenarbeit der Schönheitsmediziner mit den Coiffeuren birgt darüber hinaus jedoch eine besondere Ironie. Trotz modernster Behandlungs­methoden scheint das Fach in eine Art Regression zu verfallen und sich dem Mittelalter anzunähern. Damals schnitten Barbiere nicht nur Haare, sondern behandelten auch Knochenbrüche und Wunden, zogen Zähne und machten Aderlass. Botox hätten sie sicher auch gespritzt, wenn es das schon gegeben hätte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 23:18 Uhr

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