Wie sich 5600 Tonnen um 60 Meter verschieben lassen
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Obwohl die ABB grünes Licht für den Erhalt und damit die Verschiebung des MFO-Gebäudes gegeben hat, ist der 121 Jahre alte Bau neben dem Bahnhof Oerlikon noch nicht definitiv gerettet. Für die aufwendige Zügelaktion bleibt nur sehr wenig Zeit. Das Gelände muss bis Frühjahr 2012 geräumt sein, weil die SBB mit dem Bau der neuen Gleise 7 und 8 beginnen.
Auch politische Unwägbarkeiten könnten das Projekt noch zu Fall bringen: Der Gemeinderat muss noch die Sonderbauvorschriften genehmigen, die der Stadtrat bereits in seiner letzten Sitzung erlassen hat. Und allfällige Rekurse würden zu Verzögerungen führen.
Acht Meter pro Stunde
Die Gebäudeverschiebung ist so gesehen der einfachere und planbarere Teil der Aktion. Eine vor zwei Jahren angefertigte Studie hat bereits gezeigt, dass sich der 5600 Tonnen schwere Bau um rund 60 Meter verschieben lässt. Verfasst hat die Machbarkeitsstudie René Schütz vom Ingenieurbüro Henauer Gugler.
Doch wie zügelt man ein derart schweres Haus? Zuerst müssten die zahlreichen Wasser- und Stromleitungen umgeleitet und neu verlegt werden, sagt René Schütz. Anschliessend werden rund um das MFO-Gebäude Spundwände in den Boden getrieben und das Kellergeschoss freigelegt. Die tragenden Längs- und Querwände im oberen Bereich des Untergeschosses werden Stück für Stück abgebaut und durch neue Betonwände ersetzt. Drei Längswände ziehen sich über die ganze Länge dieses Gebäudes. Sie sind quasi die Kufen, auf denen der Bau in die neue Position gleitet.
Die eigentliche Last ruht allerdings auf gut verankerten Stahlträgern beidseits entlang der Aussenwände und der Innenwand, die wiederum auf Stahlrollen lagern. Bevor die Verschiebung starten kann, wird am neuen Standort des MFO-Gebäudes die Bodenplatte gegossen.
Hydraulikpressen stossen das Gebäude vorwärts. Ganz sachte und langsam. In einer Stunde bewegt es sich um sechs bis acht Meter. Für die ganze Strecke benötigen die Spezialisten ein bis zwei Tage. Sensoren überwachen, ob das Haus auf seiner vorgegebenen Strecke bleibt. In der kalten Jahreszeit besteht die Gefahr, dass die Hydraulikpumpen einfrieren.
Bahn verläuft leicht ansteigend
Welches ist der schwierigste Teil der Aktion? Die Herausforderung bestehe darin, alle äusseren Einflüsse einzubeziehen und in den Berechnungen zu berücksichtigen, sagt Schütz. Das Gebäude werde nämlich nicht auf einer schnurgeraden, sondern einer leicht schräg verlaufenden Bahn transportiert. Ausserdem sei diese leicht ansteigend.
Schütz hat keine Angst, dass das Gebäude unerwartet stark in den Boden sinken könnte. Er kenne die Bodenbeschaffenheit in Oerlikon sehr gut, weil er bereits im Kreis 11 die Statik für mehrere Gebäude berechnet hat. Dazu zählen unter anderem die beiden Sunrise-Tower, die heute die Credit Suisse gemietet hat. Den Zustand des MFO-Backsteingebäudes bezeichnet er als gut.
Nächste Woche treffen sich Vertreter der Immobilienfirma Swiss Prime Site (SPS) und des Stadtzürcher Tiefbauamts, um das weitere Vorgehen in der Angelegenheit zu besprechen. Dabei geht es in erster Linie darum, ob die Termine eingehalten werden können. Sollte alles planmässig und ohne Zwischenfälle und Einsprachen verlaufen, könnte das Gebäude im Herbst 2011 verschoben werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.09.2010, 11:00 Uhr


































