Wie sich Zürcher Hotels für den Ramadan rüsten

Von Nicole Trossmann. Aktualisiert am 16.08.2010 6 Kommentare

Weil in Zürich immer mehr muslimische Gäste übernachten, hat Zürich Tourismus eine Liste von ramadanfreundlichen Hotels erstellt.

Konsumfreudig: Arabische Touristinnen an der Bahnhofstrasse. (Sophie Stieger)

Der islamische Fastenmonat Ramadan fällt heuer auf den August – die Hauptreisezeit der Araber. Und neben Genf besuchen nun immer mehr muslimische Touristen auch Zürich. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre Fastenzeit auch in den Ferien problemlos einhalten können. Zürich Tourismus erstellte darum 2009 eine Liste Ramadan-freundlicher Hotels. Die für 2010 aktualisierte Version zeigt: Das Swissôtel etwa geht stark auf die Bedürfnisse der Muslime ein. Andere, wie das Hotel Ascot, haben Nachholbedarf.

Muslim-Knigge fürs Personal

Gäste aus den Golfstaaten seien für den hiesigen Tourismus eine spannende Zielgruppe, sagt Frank Bumann, Direktor von Zürich Tourismus: Zum einen kämen immer mehr nach Zürich in die Ferien, zum andern seien sie konsumfreudig und gäben im Schnitt täglich rund 500 Franken aus. Um sich neben Genf weiter zu etablieren, übersetzte Zürich Tourismus die Homepage auf Arabisch und buhlt neu mit Bildern einer arabischen Familie – die Frau schwarz verhüllt, mit Louis-Vuitton-Täschchen – um die kaufkräftige Klientel.

Weiter lernten 2009 und 2010 je 30 Hotelangestellte an Workshops, wie sie mit diesen Gästen umgehen sollen. Sie wissen seither, dass sie dem andern Geschlecht nicht lange in die Augen sehen und die Hand nicht von sich aus zur Begrüssung reichen dürfen, dass sie auf dem Zimmer die obligate Bibel durch den Koran ersetzen und durch einen Pfeil die Richtung nach Mekka anzeigen sollen.

Hassan Abo Youssef, Informationschef der Islamischen Gemeinschaft Zürich, leitete die Workshops: «Der Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam; für einen gläubigen Muslim ist die Fastenzeit darum enorm wichtig», sagt er. «Wenn ein Muslim seine Ferien plant, will er in einem Hotel übernachten, in dem er seine Kultur uneingeschränkt leben kann.» Darum müssten die Angestellten den «Muslim-Knigge» kennen: «Wenn etwa ein Hotelmitarbeiter direkt mit einem lärmenden Kind schimpft, anstatt diskret auf dessen Vater zuzugehen, kann es sein, dass der gesamte Familienclan auf der Stelle erbost abreist.»

Koran statt Bibel im Zimmer

Frank Bumann von Zürich Tourismus ist überzeugt, dass solche Anpassungen für ein Hotel unverzichtbar sind: «Wer wirklich Erfolg haben will auf dem Markt, der muss auf die kulturellen Unterschiede der Gäste Rücksicht nehmen.» Die Liste ramadanfreundlicher Hotels von Zürich Tourismus beinhaltet neun Punkte: etwa, ob gemeinsame Gebetsräume vorhanden sind, ob Menus orientalische Spezialitäten beinhalten, nach islamischer Vorschrift zubereitet sind und die Gäste sie zwischen Sonnenuntergang und -aufgang bestellen können.

Von den Zürcher Hotels steht das Swissôtel schon zum zweiten Mal in Folge mit neun von neun Punkten an der Spitze. «Da der Anteil arabischer Gäste im Sommer erheblich ist», wie die Marketingverantwortliche Katrin Wassmuth sagt, «halten wir Kompasse und Korane bereit und organisieren wöchentliche Infoabende – auf Arabisch.» Ebenfalls gut schneidet das Hotel Dolder mit acht von neun Punkten ab. Auch Kommunikationschefin Vanessa Flack stellt fest, dass sich der arabische Markt in Zürich stark entwickelt habe und vermutet, dass Genf wohl langsam einen Sättigungsgrad erreicht habe. «Wir verzeichneten im Juli gar 25 Prozent arabische Gäste; sie kommen zudem immer in grossen Gruppen, buchen bis zu 20 Zimmer und bleiben bis zu einem Monat.»

Nachts jederzeit bestellen können

Weil sie wegen des Alkoholausschanks im Restaurant den Roomservice bevorzugen, stellte das Dolder eigens eine Karte zusammen: mit Spezialitäten wie Hummus, Couscous, Falafel oder Fladenbrot. «Für unsere Gäste ist es während des Ramadans vor allem wichtig, dass sie nachts jederzeit bestellen können», sagt Flack. Hingegen zeigt sich das Dolder nicht sonderlich bestrebt, den letzten Punkt der Ramadan-Liste zu erfüllen: einen Gebetsraum zur Verfügung zu stellen. «Die Gäste fragen nie danach, da sie ja stets mehrere Zimmer mieten und viel Platz haben.»

Auch Verena Kern, Marketingleiterin des Hotels Ascot, bestätigt, dass in den letzten Jahren immer mehr Gäste aus den Golfstaaten angereist seien; zudem kämen sie oft im Sommer, also in einer für das Hotel attraktiven Zeit, da Zürich als Businessstadt dann eher weniger Gäste habe.

«Der Markt ist für uns aber nur punktuell wichtig», erklärt Kern. Obwohl das Ascot erst vier von neun Punkten erfüllt, seien darum keine neuen Investitionen geplant: Auf Gebetsteppiche etwa müssen muslimische Gäste im Hotel Ascot weiterhin verzichten.

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Erstellt: 15.08.2010, 20:08 Uhr

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6 Kommentare

Peter A HENZI

16.08.2010, 11:46 Uhr
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Meiner Ansicht nach, pure Prostitution für ein paar Franken! Werden andere Gäste aus Europa auch so bevorzugt behandelt? Sicher nicht!!! Entweder, sie passen sich an oder bleiben zu Hause Antworten


Thomas Müller

16.08.2010, 11:13 Uhr
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Sie Herr Mannhart, Sie dürfen auch nach Mekka beten, wenn Sie möchten. Auch als Schweizer haben Sie diese Freiheit. Antworten



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