Zürich
Wie sich die SP mit einem Plüschzebra blamiert
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 01.02.2010 31 Kommentare
Spielzeug als politisches Sprachrohr: Das Zebra der SP Kreis 11 (Video: Youtube.com)
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Derzeit spaziert in einem Youtube-Spot der SP Kreis 11 ein Plüschzebra durchs Bild, das den geneigten Wählerinnen und Wählern die neue Liste der Partei erklärt. «Auf der Zebra-Liste wechseln sich neue und bisherige Kandidaten ab. Damit soll die Erneuerung und die Dynamik in der SP sichtbar gemacht werden», meint das Tierchen – wie von Zauberhand bewegt durch einen schwarz getarnten Puppenspieler – und fügt euphorisch hinzu: «Wir haben eben einen mega-guten Nachwuchs, der gezeigt werden muss.»
Das kreative Filmchen hat es zur nationalen Bekanntheit geschafft, seit es am vergangenen Sonntag in der Sendung Giacobbo/Müller gezeigt wurde. Der Satiriker Victor Giacobbo stellte bei dieser Gelegenheit die nicht unberechtigte Frage, ob die SP gemerkt habe, dass man erst ab 18 Jahren wählen darf.
«Es ist eine Gratwanderung»
«Natürlich ist das Video ultra trashig», gibt Emanuel Wyler, Kampagnenleiter des SP Stadt Zürich, auf Anfrage zu, «aber es war auch so gedacht: Wir machen Politik und nicht Film. Abgesehen davon, darf man im Wahlkampf auch mal ein wenig unernst sein.» Dass sich die SP mit solch dilettantischen Filmen mehr Schaden als Nutzen zufügen könnte, nimmt er in Kauf. «Wir wollen unsere politischen Inhalte vermitteln. Damit kommt man aber nur in die Medien, wenn man Blödsinn macht», erklärt er. Es sei ein Teufelskreis, eine Eskalation der Idiotie: «Als Politiker macht man immer mehr Müll, um in die Medien zu gelangen. Und die Medien bringen immer mehr nur Müll statt Inhalte. Das finde ich persönlich auch keine gute Entwicklung, aber als Kampagnenleiter muss ich mich dieser Logik unterwerfen.»
Sein Konzept scheint bisher aufzugehen: Seit das Zebra bei «Giacobbo/Müller» die SP-Welt erklärt hat, haben sich die Views des Youtube-Films vervierfacht. Werden nun die SP-Stadtratskandidaten als Zebra verkleidet auf die Strasse gehen, um Wählerinnen und Wähler zu ködern? «Wieso nicht?», meint Wyler vielsagend und lässt durchblicken, dass die SP bereits weitere Youtube-Spots plant. Ob damit der gewünschte Wahlerfolg erreicht werden kann, ist allerdings sehr fraglich. «Es ist eine Gratwanderung», so Wyler, «und ich hoffe, dass wir nicht abstürzen werden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.02.2010, 12:20 Uhr
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31 Kommentare
Die Zürcher SP-Stadtpräsidentin taugt nichts. Die SP-Führung nimmt sie sich auch nicht 'zur Brust', sondern stellt ihr noch zwei Bodyguards für den Wahlkampf zur Verfügung. Bürgernähe wäre für mich wählbar - Mauch ist bürgerfern - deshalb muss Susi Gut nun zeigen, dass sie es besser - und vor allem direkt und persönlicher - kann! Antworten
@ Wyler: «Auch gut – es gibt sicher eine andere Partei die besser zu Ihnen passt.» Was sind Sie von Beruf? Kampagnenleiter der SP Stadt Zürich? Glauben Sie tatsächlich, mit einer solchen Haltung für die SP wieder mal ein paar zusätzliche Sitze gewinnen zu können? Aber wo Sie Recht haben, da haben Sie Recht. Es gibt andere Parteien. Antworten
Ich bin ja kein grosser Fan solcher Aktionen. Aber es stimmt schon, was viele hier schreiben: Die Medien verlangen geradezu danach. Wer am lautesten schreit, am stärksten hyperventiliert, der erhält am meisten Aufmerksamkeit. Etwas mehr Unaufgeregtheit täte der Politik in der Schweiz und in Zürich gut. Aber Instant-Journalismus erzeugt Instant-Politik und umgekehrt. Antworten
@ Lea Mause Kein Problem!? In welcher Traumwelt leben Sie bitte? Die SP blamiert sich mit der derzeitigen Stadpräsidentin Mauch, gegen die sogar die Homoszene etwas hat, und auch schon mit dem Vorgänger Ledergerber. Wiso wieder SP gewählt wurde ist mir ein Rätzel, offenbar checkens die Zürcher nicht!! Antworten
Noch nie hab ich so selbstkritische, ehrliche Worte von einem Sozi gehört wie "Als Politiker macht man immer mehr Müll, um in die Medien zu gelangen". Versucht es doch mal mit etwas Bürgernähe (im Sozi-Slang nennt Ihr das Populismus), damit könntet Ihr bei den Wählern besser punkten, als mit dem ewigen Fordern nach noch mehr Multikulti, Subventionen und höheren Steuern. Antworten
Genau die Medien, die den Trash im Wahlkampf beklagen, provozieren ihn geradezu. Wer schon mal versucht hat mit einer seriösen Medienkoferenz wichtige politische Inhalte (z.B. zu den Finanzen des Kantons Zürich oder zum Wohnproblem) in die Medien zu bringen, weiss warum man zu anderen Mitteln greifen muss. Zu komplex, interessiert die Leser nicht heisst es. Der Artikel beweist dies geradezu. Antworten
Die SVP hat ihren Zottel, so darf doch die SP ihr Zebra haben. Viele Leute haben Freude an solchen Tierchen, manchmal mehr Freude als an den Menschen die durch diese Tierchen vertreten werden. Natürlich muss gesagt werden, dass die SP da der SVP etwas abkupfert, aber das ist ja gestattet, vielleicht kommt der Erfolg wieder damit. In der Stadt Zürich hat die SP so oder so kein Problem !!! Antworten
@ Wyler: Halten Sie potentielle Wählerinnen wie mich für blöd? Glauben Sie tatsächlich, ich äussere mich über die Wählbarkeit der SP ohne ihr Wahlprogramm zu kennen? "Solidarität statt Profitgier!" - haha, mit diesem 70er Jahre Vokabular lockt man doch niemanden hinterm Ofen hervor. «Chancengleichheit» - dieses Wort gehört auf den Floskelnfriedhof, wie jede Floskel, die die SP benützt. Antworten
Eine Super-Idee mit dem Zebra! Besser als die meisten anderen politischen Spots. Ich habe nicht verstanden, warum Viktor Giacobbo diesen Spot so lächerlich findet. Er erfüllt nämlich die Aufgabe guter Werbung: günstig und schnell maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Endlich wagen es die Linken wieder mal, zu provozieren! Antworten
Ich finde die Idee gut: Endlich mal eine Wahlwerbung, die nicht von einem professionellem Kommunikationsberater so weit durchgestyled wurde, dass vor lauter Stromlinienförmigkeit gar nicht mehr unterschieden werden kann, ob sie jetzt von Partei A oder B oder gar C kommt. Ecken und Kanten, das macht es aus. Und an denen fehlt es leider nur zu oft. Man nennt das auch "Profil". Antworten
Wahlkampf ist Knochenarbeit. Wahlkampf ist teuer und häufig ein Frust. Wahlkampf ist bei diesem Wetter sogar ungesund. Deswegen muss man auch von Zeit zu Zeit etwas für die Stimmung der geschundenen Parteimitglieder tun, zum Beispiel ein bisschen Trash auf Youtube stellen. Die Herren Giacobbo und Müller haben kein Monopol auf Satire und Ironie. Das bisschen Konkurrenz müssen sie schon aushalten. Antworten
@Frau Grandjean: Der Grundgedanke von Wyler ist schon richtig: Nur keine Publicity ist schlechte Publicity. Aber sich der Lächerlichkeit preisgeben mag im privaten Bereich wohl noch Sympathien einbringen aber in der Politik? Nein! Vor lauter political correctness hat die SP verlernt anzuecken und ist darum gegenüber der SVP andauernd in der Defensive. Da ändert auch das Zebra nichts dran! Antworten
Mal wieder oberdämlich - ähnlich wie alle SP-Ideen. Genau deswegen wird die SP immer mehr verlieren, linke Politik versagt und das sehen auch langsam die Schweizer ein! Zum Glück, sonst wird uns noch die Stimme geklaut und wir müssen uns der EU unterwerfen... Antworten
Weshalb blamieren? In der heutigen schnelllebigen und medialisierten Politikwelt ist ein Auftritt bei Giacobbo/Müller beste Werbung - man sollte ja auch ein wenig über sich selbst lachen können... Diese Entwicklung mag zu bedauern sein - zu hoffen ist auf jeden Fall, dass möglichst viele Leute sich dann auch die Mühe machen herauszufinden, wofür jemand politisch einsteht. Antworten
Wenn einem nichts Intelligentes einfällt, wie es bei Herrn Wyler der Fall ist, wenn man völlig an den Bedürfnissen des Volkes vorbeipolitisiert wie die SP, wenn man lediglich farblose Gestalten wie Mauch, Odermatt und Nielsen aufstellt, so kann man doch immer noch den Medien am eigenen Versagen die Schuld geben. Herr Wyler, ich würde gerne wieder mal die SP wählen, aber so wird das nix. Antworten
Ueber jeden Mist der SVP (Zottel etc.) wird berichtet und als geschickter Schachzug gewertet. Als mündiger Bürger lasse ich mich doch nicht von Zebras, Geissli oder sonst irgendwas blenden und informiere mich was die Parteien und deren Politiker wollen und machen und leisten. Bald wird nur noch jener Bundesrat, welcher genug Geld hat um BoulevardMist zu produzieren. Antworten
Dank dem Zebra wechseln sich bisherige und neue KandidatInnen ab. Welche andere Partei als die SP hat denn den Mut, neuen Kandidierenden mit einer solchen Liste eine Chance zu geben? Was tragen andere Parteien dazu bei, dass auch Jugendliche (gemessen am Anteil in der Bevölkerung) im Parlament entsprechend vertreten sind und ihre Ansichten und Meinungen einbringen können? Nicht mal ein Zebra... Antworten
Lieber Herr Mueler, leider nicht ganz richtig verstanden: Herr Wyler passt sich mit seiner Kampagne ganz einfach dem Zeitgeist an. Da Medienmitteilungen mit politischem Inhalt gar nicht mehr abgedruckt werden, weil die Medien lieber auf Boulevard setzen, gibt es nur noch diesen Weg, überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Sonst beklagen sich ja die gleichen Leute, der Wahlkampf sei langweilig... Antworten
Dieser Artikel beweist genau wie Recht Wyler hat. Über Trash wird berichtet, Diskussionsrunden zu Themen, ob Jugendgewalt an Schulen oder Wohnen in Zürich, werden wenn überhaupt unter ferner liefen abgehandelt. Gerade auch der Tages-Anzeiger berichtet mit Vorliebe über diese Trashaktionen (siehe auch den Kalbereiartikel), statt sich mit Inhalten auseinander zu setzen. Eigentlich schade! Antworten
Dieses Karussell aus Trash und Dadaismus in der Politik ist nur folgelogisch, wenn sich Qualitätsmedien (wie dies leider beispielsweise auch der Tages-Anzeiger tut) kaum noch für politische, sperrige, und sich nicht der "schwarz-weiss"-Logik unterwerfende Aussagen interessieren. Immerhin ist die Botschaft der SP trotz Plüschtier aber klar: zahlbare Wohnungen und neue Jobs durch Nachhaltigkeit! Antworten




Peter Egloff
Schlechte Werbung über die man spricht ist besser als gar keine Werbung. (siehe Ali Kebab, Ueli Fondue usw.) Was hat den unsere Stadtpräsidentin bisher falsch gemacht ? Sie ist halt nicht wie der Elmar jede Woche zweimal in der Zeitung. Falls eine Verhinderin wie Susi Gut gewählt werden würde müsste ich mir als gebürtiger Stadtzürcher überlegen der Stadt den Rücken zu kehren . Pro Hafenkran ! Antworten