Zürich

«Wie wird man zum Chaoten?»

Von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 12.09.2011 82 Kommentare

Leser von Tagesanzeiger.ch rätseln, wie es zu den Ausschreitungen vom vergangenen Samstag kommen konnte.

Krawalle am Bellevue: Chaoten verwüsteten die Umgebung.

Krawalle am Bellevue: Chaoten verwüsteten die Umgebung.

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Bei den Ausschreitungen am Bellevue in Zürich sind in der Nacht auf Sonntag Sachschäden von rund 100'000 Franken entstanden. «Einige Leute waren mit Schutzbrille, Schal und Pflastersteinen ausgerüstet», sagt Michael Wirz, Sprecher der Stadtpolizei, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Die Polizei gehe deshalb davon aus, dass Linksextreme und gewaltbereite Fussballfans sich gezielt unter das Partyvolk mischten und die Anonymität ausnutzten.

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Rund ums Zürcher Bellevue kam es in der Nacht auf Sonntag zu Ausschreitungen. Auslöser war der Aufruf zu einer illegalen Party. Acht Polizisten wurden verletzt. Es entstanden grosse Sachschäden. Seither stehen Polizei wie Jugendliche in der Kritik. An der Frage, wie solch gewalttätige Ausschreitungen entstehen, scheiden sich die Geister. Das zeigen die Kommentare der Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Für Ernst Welti sind diese Ausschreitungen nichts Neues. «Schon 1980 hat man mit den gleichen Sätzen die Jugend beschimpft - Gulag, Sibirien und so weiter». Nun sei die Jugend wieder los, politisch noch ungefestigt, aber mit grosser Wut auf die «Saubermanns-Bankstadt». Sie wollen Zürich zurückerobern. Welti fordert nicht nur Verständnis für diese Bewegung: «Statt uns gegen die Jugendlichen zu stellen, sollten wir mit ihnen mitziehen, um eine menschliche Stadt zu bewahren.»

«Ist das angeboren?»

Der Begriff Chaoten fällt in den Kommentaren immer wieder. Doris Doebeli etwa schreibt: «Diese Chaoten wollen einfach nur zerstören. Da ist keine Ideologie dahinter, sondern schlichtweg Dummheit und Langeweile.» Leser Martin Kehl sinniert derweil: «Wie wird man zum ‹Chaoten›? Ist das angeboren, passiert es in der Schule, ist es eine ‹natürliche› Gegenreaktion auf eine überregulierte Welt?» Marco Hanhart geht mit Kehl in diesem Punkt einig: «Dass wir mittlerweile auch alles mit Verboten überregulieren hat sicher auch einen Einfluss.»

Für Nathalia Rothenberger ist indes nicht die Gesellschaft das Problem, sondern Politik und Wirtschaft. «Die Wirtschaft streicht immer mehr Arbeitsplätze, nimmt den Menschen so die Zukunftschancen weg.» Die Politik ihrerseits betrüge das Volk mit Parteien, die genau das Gegenteil von dem machten, was sie versprechen würden. «Die Demokratie ist eine Scheindemokratie», ist Rothenberger überzeugt. Für sie steht allerdings fest: «Solange die Wut an der Polizei abgelassen wird, hat die Gesellschaft das Problem.»

Ein Haufen von Subkulturen

Rolf Gisler gibt seinerseits sehr wohl der Gesellschaft die Schuld für die jüngsten Ausschreitungen in Zürich: «Satte Wohlstandskids schlagen aus Langeweile um sich. Traurige Gesellschaft.» Rafael Keller weigert sich dem System die Schuld zu geben und nennt es einen billigen Vorwand. Auch er tippt auf Wohlstandsverwahrlosung. «Und solange die Verursacher nicht zur Rechenschaft gezogen werden, wird das spassige Freizeitvergnügen ‹Räuber + Poli› weitergehen.»

Kim Trinkler sucht den Grund im Kommerz. Sie ist überzeugt, dass es sich bei den Jugendlichen nicht um eine Szene handle, sondern um einen bunten Haufen von verschiedenen Subkulturen. «Da mischen sich schnell auch mal Gewaltbereite und Mitläufer darunter.» Am Schluss seien wieder jene Schuld, die keinen alternativen Raum haben und sich Orte zum Feiern suchen, die nicht kommerziell seien. «Vielleicht sollte man sich darüber mal Gedanken machen, Repression hilft da nicht, das ist komplexer.»

Partys nur noch für horrende Preise

Das bestätigt eine junge Leserin. Sabrina Zbinden stellt klar: «Wir gingen nicht an diese Party, um zu randalieren. Die Chaoten zählen wir nicht zu uns.» Es sei aber in Zürich so, dass man nur noch für horrende Preise Partys feiern könne. «Wir Jungen möchten vor allem im Sommer die Möglichkeit haben, spontane Outdoor-Partys zu feiern.»

Martin Berlinger hält dagegen. Es habe noch zu keiner Zeit so viele Möglichkeiten gegeben sich zu treffen, zu amüsieren - auch nicht kommerziell. «Man kann auch nicht kommerzielle Partys bewilligen lassen.» Nur müsse sich der Veranstalter dann an die Auflagen halten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2011, 16:34 Uhr

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82 Kommentare

Mahno Finger

12.09.2011, 17:18 Uhr
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Es ist nicht die volle Wahrheit, das heute alles verboten oder unmöglich ist, so z.B. waren 1970 (ca.) alle städtischen Rasen zum Betreten verboten (so auch Blatter-Wiese und Züri-Horn) oder keiner unter 25 hatte normalerweise ein eigenes Auto. Auch war das Erwachsenen-Alter noch 20. Die Adoleszenten sind einfach verwöhnt und haben den Bezug zur realen Welt verloren. ELTERN sollen mal ran! Antworten


Hanspeter Rüegg

12.09.2011, 17:01 Uhr
Melden 103 Empfehlung

Und schon sucht man wieder Entschuldigungen und Rechtfertigungen für die Chaoten. Genau so wird sich die Situation noch verschärfen, weil sich die Chaoten absurderweise noch im Recht fühlen. Viel besser ist es harte Strafen zu verhängen und so den Randalierern klipp und klar die Grenzen aufzuzeigen. Die Polizei und die Gesetzeshüter sollen endlich ihren Job tun und die bestehenden Gesetze anwenden Antworten



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